Mi., 04.10.2017

Privatbanken sichern seit 1. Oktober Anlagen von Städten nicht mehr ab Wohin mit dem Geld?

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Edgar Fels

Paderborn/Bielefeld/Gütersloh/Herford (WB). Für viele Kommunen stellt sich seit Sonntag die Frage, wo sie ihr Geld anlegen. Denn bei privaten Banken sind ihre Einlagen nicht mehr geschützt. Von einer entsprechenden Reform der Einlagensicherung sind auch Städte und Gemeinden in OWL berührt.

Bielefelds Kämmerer Rainer Kaschel erklärt, künftig kein Geld mehr bei Privatbanken anzulegen. Für laufende Anlagen bestehe aber ein Bestandsschutz, sagt er. Stattdessen werde die Stadt Bielefeld nun wohl vermehrt Sparkassen und Volksbanken ansprechen. Um welche Summen es geht, sagt Kaschel nicht.

Für Paderborn und Herford kein Kopfzerbrechen

Bei der Stadt Paderborn setzt man seit der Lehman-Pleite und deren Folgen in der Finanzwelt ohnehin mehr auf Sparkassen und Volksbanken als auf Privatbanken. »Zudem versuchen wir, unsere Liquidität so gering wie möglich zu halten«, sagt Kämmerer Bernhard Hartmann. Es sei jedoch nicht zu vermeiden, dass zweistellige Millionenbeträge frei würden, die für einen kurzen Zeitraum angelegt werden müssten – allerdings nicht bei Privatbanken, sagt Hartmann. Bisher habe man für diese Anlagen auch noch keine Negativzinsen zahlen müssen.

Herfords Stadtkämmerer Matthias Möllers bereitet die Neuregelung bei den Privatbanken kein Kopfzerbrechen. »Wir haben so geringe Beträge bei Privatbanken, dass dies zu vernachlässigen ist.« Zur genauen Höhe der Beträge sagt Möllers aber nichts.

Viele Städte werden künftig kein Geld mehr bei privaten Banken anlegen

Ähnlich sieht die Situation bei der Stadt Gütersloh aus. »Wir haben kein Geld bei Privatbanken angelegt«, sagt Norbert Monscheidt, Fachbereichsleiter für Finanzen. Allerdings unterhalte die Stadt Girokonten bei Privatbanken. Die liquiden Mittel würden ohnehin gering gehalten, indem sie weitgehend für laufende Investitionen eingesetzt würden.

Der Deutsche Städtetag rechnet damit, dass viele Städte künftig kein Geld mehr bei privaten Banken anlegen. Bielefelds Kämmerer Kaschel stellt die neue Regel bei Privatbanken in Frage. »Sie sollten sich überlegen, ob ihre Haltung auf Dauer sinnvoll ist, weil ihnen gute Kunden verloren gehen.« Kritik an den Privatbanken kommt auch vom Deutschen Städtetag. »Jede Stadt wird sich überlegen müssen, wie sie unter diesen neuen Rahmenbedingungen noch mit privaten Banken zusammenarbeiten kann«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Helmut Dedy.

Nach Ansicht von Dedy würden die Kommunen »auch prüfen, ob der Zahlungsverkehr, zum Beispiel für Gebühreneinzahlungen, auf andere Institute zu verlagern ist«. Für Kommunen stelle sich die Frage, ihre örtlichen Anlagestrategien neu ausrichten zu müssen. Doch Umschichtungen vor der Reform haben – bisher zumindest – weder Privatbanken noch Sparkassen und Volksbanken festgestellt. Dafür sei es zu früh, heißt es übereinstimmend. Ausgeschlossen werden könne dies aber nicht.

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