Sa., 07.10.2017

In Bielefeld haben die ersten homosexuellen Paare geheiratet Einfach »Ja« gesagt

Kerstin W. (links) und Ute H. haben sich auf dem Bielefelder Standesamt das Ja-Wort gegeben. Sie waren das zweite homosexuelle Paar, das in Bielefeld geheiratet hat.

Kerstin W. (links) und Ute H. haben sich auf dem Bielefelder Standesamt das Ja-Wort gegeben. Sie waren das zweite homosexuelle Paar, das in Bielefeld geheiratet hat. Foto: Bernhard Pierel

Bielefeld (WB/MiS). Wie es sich anfühlt? »Einfach schön«, sagt Kerstin W. (48). Gerade hat sie ihre langjährige Partnerin Ute H. (56) geheiratet. Als zweites gleichgeschlechtliches Paar in Bielefeld. Seit 1. Oktober ist die Ehe für alle möglich.

Kurz vor ihnen waren es am Freitag ebenfalls zwei Frauen, die sich das Ja-Wort gegeben hatten. »Aber einen Run auf die Termine hat es bisher nicht gegeben«, sagt Ulrich Domke, Leiter des Standesamtes im Bielefelder Rathaus. Am kommenden Freitag, der ausgerechnet ein 13. ist, lassen sich ebenfalls zwei Frauen trauen. Das erste männliche Paar hat sich für den 16. Oktober angekündigt.

Mit der Ehe für alle gibt es für gleichgeschlechtliche Paare jetzt ein uneingeschränktes Adoptionsrecht. Das ist der wohl wichtigste Unterschied, den es zur bisherigen eingetragenen Lebenspartnerschaft gibt. Ansonsten sei jetzt Eheschließung gleich Eheschließung, meint Domke. Rund 1300 Hetero-Paare lassen sich jedes Jahr in Bielefeld trauen, Lebenspartnerschaften waren es bisher 25 bis 30 jährlich. Ob da nun ein heterosexuelles Paar den Bund fürs Leben schließen wolle oder ein gleichgeschlechtliches: »Für uns ist das ein ganz normaler Vorgang.«

Software einsatzbereit

Spannender für die Beamten war fast schon, ob am vergangenen Montag die neue Computersoftware, die mit der Gesetzesänderung fällig wurde, einsatzbereit war. Denn gleich nach Öffnung des Amtes kam das erste homosexuelle Paar, das seine bisherige eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln wollte. Sieben waren es am Montag, neun bis zum Freitag. Die Umwandlung geht unkompliziert ohne Trauzeremonie, als einfache Amtshandlung und ohne Terminvereinbarung. Lediglich eine Lebenspartnerschaftsurkunde, die nicht älter als sechs Monate sein darf, muss dazu vorgelegt werden. Wer es feierlicher möchte, kann aber auch das Komplett-Programm mit Ringetausch vor dem Standesbeamten »buchen«.

So wie es Kerstin W. (schwarzes Hemd, weiße Fliege) und Ute H. (weißes Hemd, schwarze Fliege) jetzt erlebt haben. »Ein schöner Augenblick«, sagt Ute H.. Das Paar kennt sich seit 1990. Kerstin W. arbeitet als Di­plom-Pädagogin, ihre Frau ist als Sachbearbeiterin tätig. Beide freuen sich, dass viele Freunde und Angehörige zur Trauung gekommen sind. Sogar aus Australien, Großbritannien und Polen sind Gäste zu ihrem »großen Tag« angereist. Der soll ausgiebig gefeiert werden. Das hat sich das Paar vorgenommen. Der Name des Festlokals ist an diesem Tag Programm: »Glückundseligkeit«.

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