Mo., 23.10.2017

Ein neuer Zeuge könnte den Ex-Spitzenmanager beim Thema Privatflüge entlasten Middelhoff zu Unrecht verurteilt?

Thomas Middelhoff war kürzlich als Zeuge vor dem OLG Hamm geladen, hier auf dem Weg in die Kantine. Über der Schulter hängt locker eine Tasche – kein Aktenkoffer. Der Bielefelder verbüßt derzeit eine dreijährige Haft. Im November könnte er freikommen.

Thomas Middelhoff war kürzlich als Zeuge vor dem OLG Hamm geladen, hier auf dem Weg in die Kantine. Über der Schulter hängt locker eine Tasche – kein Aktenkoffer. Der Bielefelder verbüßt derzeit eine dreijährige Haft. Im November könnte er freikommen. Foto: dpa

Bielefeld (WB/ef). Ex-Spitzenmanager Thomas Middelhoff ist im Jahr 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Zu Recht? Ein neuer Zeuge könnte das Verfahren neu aufrollen.

Den Großteil seiner dreijährigen Haftstrafe, die das Landgericht Essen im November 2014 verhängt hatte, hat der ehemalige Chef der mittlerweile längst insolventen Karstadt-Mutter Arcandor in der JVA Bielefeld abgesessen. Als Freigänger arbeitet Middelhoff in einer Einrichtung der Stiftung Bethel mit Behinderten.  Im November dieses Jahres kommt er möglicherweise auf freien Fuß .

In dem Prozess in Essen ging es um 485 000 Euro für eine Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner – auch Middelhoff war einst Konzernchef bei Bertelsmann – sowie für Privatflüge auf Unternehmenskosten von Arcandor. Das Gericht war von der Schuld Middelhoffs überzeugt, Middelhoff selbst jedoch sieht sich als ein Opfer der Justiz –  und kämpft auch als Buchautor immer noch um seinen Ruf .

Der Fall könnte eine neue Wendung nehmen

Die Wertung des Gerichts

Am 14. November 2014 fiel das Middelhoff-Urteil: drei Jahre Haft – zusammengesetzt aus diversen Einzelstrafen. Dabei entfiel die höchste Strafe nicht etwa auf das strittige Thema Flugkosten, sondern auf die treuwidrige Abrechnung der Festschriftkosten. Hier setzte das Gericht zwei Jahre und drei Monate an. Für die treuwidrige Abrechnung der Reisekosten waren es in einem Fall ein Jahr und drei Monate, in weiteren Fällen zwei Mal neun Monate – zusammengezogen auf am Ende drei Jahre.

Nun könnte der Fall eine neue Wendung nehmen. Denn noch immer läuft zum Fall Middelhoff ein Gerichtsverfahren, genauer gesagt ein Zivilverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm. Darin fordert der Arcandor-Insolvenzverwalter von Middelhoff und weiteren ehemaligen Vorständen angeblich zu viel gezahlte Boni und Abfindungen in Millionenhöhe zurück.

Middelhoff selbst ist im dem Zivilverfahren jedoch kein Beklagter, sondern Zeuge. Was daran liegt, dass er im März 2015 Privatinsolvenz angemeldet hatte. Im Strafverfahren wurde er ja bereits verurteilt.

Nach Informationen der »Welt am Sonntag« gibt es nun einen weiteren Zeugen, der Middelhoff entlasten soll. Hintergrund sei das sogenannte »Rotterdam-Papier« aus dem Jahr 2005. Darin hätten Quelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und weitere Geschäftspartner mit Middelhoff die Gründung einer Gesellschaft namens »Neos« vereinbart. Diese sollte Karstadt-Quelle übernehmen beziehungsweise sanieren – und Thomas Middelhoff sollte die Geschäftsführung übernehmen.

Übernahme aller Kosten soll in Aussicht gestellt worden sein

Für den Erfolgsfall seien Middelhoff nicht nur hohe Millionenvergütungen in Aussicht gestellt worden, sondern auch die Übernahme aller Kosten für: »Zwei Fahrzeuge; zwei Fahrer; Spesen; Bewirtungskosten im privaten Rahmen; Flugkosten für Privatflugzeuge«, berichtet die »Welt«.

Schickedanz hatte jedoch eine Zusage für die Übernahme privater Flüge bestritten. Zudem hat das Gericht das Papier wohl so bewertet, dass die Regelungen nur bei Gründung der neuen Gesellschaft gegolten hätten.

Zeuge für Schickedanz-Zusagen?

Nun gibt es aber offenbar eine Person, die bestätigen kann, dass Schickedanz in dem »Rotterdam-Papier« doch entsprechende Zusagen gemacht hat. Um wen es sich dabei handelt, berichtet das Blatt nicht. Nur soviel: Die Person sei bei einem vorangegangenen Gespräch zugegen gewesen, in dem die Großaktionärin ihren Geschäftsführer angewiesen haben soll, aus Gründen der Sicherheit jederzeit auf Privatflugzeuge zurückzugreifen. Anlass dafür war möglicherweise eine Bombendrohung während eines dienstlichen Fluges Middelhoffs mit einer Linienfluggesellschaft im Jahr 2004.

Ein Wiederaufnahmeverfahren wäre laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung nur möglich, weil Middelhoff wegen dieser Tat schon rechtskräftig verurteilt ist. Eine mögliche Haftentschädigung würde in die private Insolvenzmasse fließen.

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