Di., 31.10.2017

Auch Wertstoffhöfe in Bielefeld dicht – »Punkte haben wir nicht gesammelt« Ärger über geschlossene Rathäuser am Brückentag

Rot-weißes Absperrband und ein Schild erwarten die Kunden am Montag am Eingang zur Bürgerberatung.

Rot-weißes Absperrband und ein Schild erwarten die Kunden am Montag am Eingang zur Bürgerberatung. Foto: Thomas F. Starke

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Am Eingang zur Bürgerberatung rotes Absperrband, verschlossene Türen an den Rathäusern, nur eine vierköpfige Notbesetzung am Info-Schalter, geschlossene Wertstoffhöfe: Wer am Montag versuchte, in der Stadtverwaltung etwas zu erledigen, musste in den meisten Fällen erfolglos wieder kehrtmachen.

Denn am Brückentag hatten die städtischen Behörden fast komplett geschlossen – zum ersten Mal bei einer solchen Gelegenheit, da es die Arbeit mit einer Notbesetzung im Rathaus ansonsten nur zwischen Weihnachten und Neujahr gibt. Mitbekommen hatten dies deshalb längst nicht alle, die selbst frei hatten und den Tag nutzen wollten, um Behördengänge zu erledigen oder nach dem Herbststurm vom Wochenende Laub und Gartenabfälle an den Wertstoffhöfe abzugeben.

Verärgerte Bürger

»Hier brennt’s« – diese Meldung habe Stefan Jücker, technischer Leiter des städtischen Umweltbetriebs, ihr schon am Morgen durchgegeben, sagte am Montag Gisela Bockermann, Leiterin des städtischen Presseamts. Denn zuvor mussten an den Wertstoffhöfen viele verärgerte Bürger wieder von dannen ziehen.

»Für diejenigen, die den Anhänger oder das Auto voll mit Abfall oder Grünschnitt hatten, ist es natürlich besonders ärgerlich, wenn sie unverrichteter Dinge wieder fahren müssen«, sagte Bockermann.

Ebenfalls »jede Menge los«, so die Stadtsprecherin, war auch am Neuen Rathaus. Dort hätten die vier Mitarbeiter von Standes-, Jugend- und Sozialamt sowie von der Bürgerberatung in einigen Fällen helfen können – wie etwa bei der Familie, die spontan in den Urlaub fliegen will. Gisela Bockermann: »Da haben die Kollegen einen vorläufigen Personalausweis ausstellen können.« In anderen Fällen wurden Dokumente mit einem Eingangsstempel versehen, um Fristen zu wahren, und Termine für Donnerstag vereinbart.

Viel  los in der Ausländerbehörde

Besonders viel  los gewesen sei in der Ausländerbehörde, wo manche Besucher schon um 7 Uhr vor der Tür gestanden hatten – um dann um 8 Uhr, als die Notbesatzung ihren Dienst aufnahm, wieder weggeschickt zu werden. »Gerade am Montag ist in dieser Abteilung viel Betrieb, deshalb kommen manchen schon sehr früh«, so die Stadtsprecherin.

Auch Cem Sarmasik, der sich in der Bürgerberatung ummelden wollte, stand überrascht vor der verschlossenen Tür. »Ich habe mir extra freigenommen«, beschwerte er sich. Ebenfalls ärgerlich über den vergeblichen Weg zeigte sich Peter Nico. Der Student hatte eine Kopie seines Abiturzeugnisses für sein Referendariat beglaubigen lassen wollen. »Jetzt muss ich Donnerstag den zweiten Anlauf unternehmen«.

»Genervt«

»Wir sind genervt«, sagten auch Claudia Schmidt und Daniel Hoffmann, die sich ebenfalls ummelden wollten. »Wir ziehen zum 1. November um und wollten das heute erledigen«, sagten sie. Ärgerlich war auch Mary-Ann Kemen, die für ihren Arbeitgeber ein Führungszeugnis beantragen wollte. »Eigentlich ist das dringend, und ich wollte den freien Tag nutzen, um diesen Papierkram zu erledigen.« Eine Lanze brach sie allerdings für die Notbesetzung im Rathaus: »Die Mitarbeiter waren sehr nett und haben mir sogar einen Umschlag gegeben, damit ich meine Unterlagen hier in den Briefkasten werfen kann«, erklärte sie.

Die Anregung, die Behörden am Brückentag zu schließen, sei vom Personalrat der Stadt gekommen, erklärte Stadtsprecherin Gisela Bockermann. Auf diese Weise sollte die Möglichkeit geschaffen werden, Überstunden abzubauen. Für viele Stadtmitarbeiter habe dies jedoch auch bedeutet, dass sie zwangsweise einen Tag Urlaub nehmen mussten. »Das hat vielleicht auch nicht jedem gut gefallen«, so Bockermann.

Und dass die Schließung bei denjenigen, die vor verschlossenen Türen gestanden haben, nicht gut angekommen ist, könne sie sich vorstellen. Gisela Bockermann: »Punkte haben wir damit nicht gesammelt. Und aufgrund des Andrangs muss man vielleicht hinterfragen, ob es die richtige Entscheidung war, an dem Tag zu schließen.«

Kommentare

Die Kritik an der Schließung der Rathäuser und Wertstoffhöfe am Brückentag kann auch nur von solchen Leuten kommen, die der Meinung sind, dort würden ausschließlich gesichts- und seelenlose Roboter ohne Familie, ohne Bindungen und ohne eigene Interessen für die Kritiker malochen.

besser informieren

Man hätte sich halt vorher informieren können. Dann wäre man nicht überrascht worden.

Gleiches Recht für alle

»Eigentlich ist das dringend, und ich wollte den freien Tag nutzen, um diesen Papierkram zu erledigen.«

Und das Recht auf den freien Tag steht nicht jedem zu?

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