Do., 09.11.2017

Radlerin auf Stapenhorststraße lebensgefährlich verletzt: Landgericht bestätigt Geldstrafe Autofahrerin hat Schuld an schwerem Unfall

Die Stapenhorststraße.

Die Stapenhorststraße. Foto: Büscher

Von Jens Heinze

Bielefeld  (WB). Seit fünf Monaten gilt auf einem Bereich der Stapenhorststraße für den motorisierten Verkehr Tempo 30 – und zwar zum Schutz der Radfahrer. Um diese Entscheidung wurde zwischen Politik und Verwaltung lange kontrovers gerungen.

Während die Geschwindigkeitsreduzierung auf der Stapenhorststraße Fakt ist, ist die juristische Aufarbeitung des Geschehens, das vor fast zwei Jahren die Debatte um Tempo 30 auslöste, immer noch nicht abgeschlossen. Die Verursacherin, eine Autofahrerin (43), akzeptiert ihr Gerichtsurteil von 1200 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze) nicht.

Dazu verurteilte das Amtsgericht sie wegen des von ihr verursachten tragischen Unfalls vom 17. Dezember 2015 gegen 8.30 Uhr auf der Stapenhorststraße. Eine Radfahrerin (39) stürzte auf den Asphalt und erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen, weil die 43-Jährige die Fahrertür ihres Opel Zafira vollständig öffnete, ohne sich um den von hinten kommenden Verkehr auf dem Radweg zu kümmern. Die Radlerin, die eigentlich nur Brötchen holen wollte, dann plötzlich mit ihrem Fahrradlenker in die Autotür krachte und in Richtung eines vorbeifahrenden Busses geschleudert wurde, leidet bis heute. Die Bielefelderin wäre nach dem Unfall fast gestorben, lag sechs Wochen lang im künstlichen Koma, wurde mehrfach operiert und absolvierte monatelang Rehamaßnahmen in verschiedenen Kliniken. »Es stand auf Messers Schneide«, schilderte die 39-Jährige ihren Überlebenskampf in den ersten Wochen nach dem Unfall.

Berufung verworfen

Die Folgen wirken bis heute. Das Gesichtsfeld der Radfahrerin bleibt wohl für immer eingeschränkt. Die 39-Jährige klagt über einen Gehörverlust auf dem rechten Ohr und hormonelle Störungen, die jeden Kinderwunsch unmöglich machen. Schwindel, Übelkeit und ständige Angst, etwas zu vergessen, kommen hinzu. Zudem hat die 39-Jährige ihren Geschmackssinn fast völlig verloren.

Der Unfall und die ganzen Folgen waren Mittwoch nochmals Thema für die Justiz. Die Bielefelder Autofahrerin hatte Berufung gegen die am 9. Mai dieses Jahres vom Amtsgericht verhängte Geldstrafe eingelegt. Die 6. Kleine Strafkammer des Landgerichtes musste erneut entscheiden, ob die Ehefrau und zweifache Mutter die 1200 Euro Geldstrafe zu zahlen hat. Ja, entschied die Kammer unter Vorsitz von Richter Johannes Wiemann. Die Berufung der Autofahrerin wurde verworfen. Damit ist ihr Plan, die Zahl der Tagessätze von 120 auf 90 zu reduzieren, damit ihre Strafe nicht beim Wechsel des Arbeitgebers im Führungszeugnis steht, geplatzt.

»Die Kammer hat die gleichen Feststellungen getroffen wie das Amtsgericht«, sagte Vorsitzender Richter Wiemann in der mündlichen Urteilsbegründung. Die Autofahrerin habe versäumt, sich unmittelbar vor dem Aussteigen zu vergewissern, ob sich jemand von hinten nähert.

Die Entscheidung des Landgerichtes ist nicht rechtskräftig. Die Autofahrerin hat eine Woche Zeit, um dagegen Revision zum Oberlandesgericht Hamm einzulegen.

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