Sa., 11.11.2017

Tat gegen die Sparkassen-Filiale Wellensiek – Geschädigte können minderjährigen Täter haftbar machen Bombendrohung: Feuerwehr prüft Rechnung

Die Feuerwehr prüft, ob sie die Einsatzkosten der Bombendrohung gegen die Sparkassen-Filiale den Eltern des minderjährigen Verfassers der Drohung in Rechnung stellt.

Die Feuerwehr prüft, ob sie die Einsatzkosten der Bombendrohung gegen die Sparkassen-Filiale den Eltern des minderjährigen Verfassers der Drohung in Rechnung stellt. Foto: Büscher

Bielefeld (WB/hz).  Ein Kind drohte der Sparkasse Bielefeld auf einem Zettel mit der Explosion einer Bombe – so eine Straftat, wie sie in der Sparkassen-Filiale Wellensiek an der Wertherstraße geschehen ist, ist einmalig in der Stadt. Weder Polizeisprecher Michael Kötter noch Sparkassensprecher Christoph Kaleschke können sich erinnern, dass es jemals einen vergleichbaren Fall mit einem minderjährigen Täter gab.

Was die Bombendrohung für Folgen für das Kind und für seine Eltern hat – dazu wollen weder Polizei und Sparkasse etwas sagen. Mit Verweis auf die besonders schützenwerten Persönlichkeitsrechte eines Minderjährigen gibt es weder Auskunft zu einer Rechnung für die Einsatzkosten der Polizei, zu etwaigen Schadenersatzforderungen der Sparkasse für die Schließung und Evakuierung der Filiale Wellensiek oder zu einem denkbaren Hausverbot für den Schüler und seine Eltern.

Lediglich bei der Berufsfeuerwehr, deren Kräfte beim falschen Bombenalarm am Nachmittag des 5. Oktober an der Wertherstraße ebenfalls stundenlang mit im Einsatz waren, ist man etwas auskunftsfreudiger. »Es wird geprüft, ob wir die Einsatzkosten den Eltern in Rechnung stellen«, sagte der stellvertretende Feuerwehrchef Bernd Heißenberg.

Jugendamt prüft Einzelfall

Zudem ist jetzt das Jugendamt im Spiel. »Polizei oder Staatsanwaltschaft informieren das Jugendamt über strafrechtsrelevante Vorwürfe und das Ermittlungsergebnis bei Strafunmündigen. Das Jugendamt prüft dann in jedem Einzelfall, welche jugendhilferechtlichen Maßnahmen angezeigt sind und setzt diese um«, sagte Stadtsprecher Uwe Borg­städt auf Anfrage.

Das Ermittlungsverfahren von Kripo und Staatsanwaltschaft wegen der Bombendrohung gegen den aufgrund seines Alters strafunmündigen Schüler wurde zwar eingestellt. Davon unberührt bleiben aber zivilrechtliche Schadenersatz-Forderungen, die vor Gericht gegen den Schüler durchgesetzt werden können. Von der Evakuierung wegen der Bombendrohung waren nicht nur die Sparkassenfiliale, sondern auch Geschäfte, eine Arztpraxis und ein Fitness-Studio betroffen. Geschäftsleute, Arzt und die Verkehrsbetriebe Mobiel sowie die Gesellschaft Busverkehr Ostwestfalen, deren Omnibusse wegen der zeitweise Vollsperrung der Wertherstraße nicht fahren konnten, können vor der Justiz Forderungen für Geschäfts- und Betriebsausfälle gegen den jungen Bombendroher geltend machen.

Teure Jugendsünde?

»Jugendsünden können sich später teuer rächen«, sagt dazu Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ein von einem Geschädigten in einem Zivilverfahren erwirkter sogenannter Titel kann 30 Jahre lang gegen den Schuldner vollstreckt werden.

»Wenn das heutige Kind später eine Ausbildung beginnt und der Lohn hoch genug ist, kann bereits vom Gehalt gepfändet werden«, stellt die Sprecherin klar. Die Regel, dass bei einem von einem Kind verursachten Schaden die private Haftpflichtversicherung der Eltern stets zahle, sei nicht allgemeingültig. Sei dem minderjährigen Bombendroher nachzuweisen, dass er mit Vorsatz gehandelt habe und die Konsequenzen seiner Tat überblicken konnte, dann »zahlt keine Versicherung der Welt«, unterstreicht Versicherungssprecherin Kathrin Jarosch.

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