So., 02.04.2017

Streit über mögliche Funde im Boden unter dem Haus Brincke Graf wehrt sich gegen Denkmal-Status

Der Kran zeugt von der Bautätigkeit am Haus Brincke. Dort soll ein neues Archiv entstehen.

Der Kran zeugt von der Bautätigkeit am Haus Brincke. Dort soll ein neues Archiv entstehen. Foto: Johannes Gerhards

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Zwischen dem Haupthaus und der Kapelle von Haus Brincke entsteht derzeit der Neubau eines musealen Archivs. Ausgelöst durch dieses Bauvorhaben hat die LWL-Archäologiebehörde beantragt, das ortsfeste Bodendenkmal »Binnengräfte der Hauptburg Haus Brincke« in die Denkmalliste der Stadt Borgholzhausen einzutragen.

Die Gebäude vom Wasserschloss Brincke sind seit 1985 als Baudenkmäler anerkannt. Nun geht es laut Dr. Sven Spiong, der als Sachverständiger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) den Ausschussmitgliedern die Hintergründe erläuterte, darum, die Gesamtanlage als Bodendenkmal zu klassifizieren. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass hier »etwas im Boden schlummert«, mit Bedeutung für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse, wie es im Denkmalschutzgesetz heißt.

Die Eigentümer von Haus Brincke sehen das anders. Nach Angaben von Georg Graf von Kerssenbrock handelt es sich um einen starken Eingriff in seine Vermögenslage. Er könne »erhebliche Einschränkungen im Bereich des aktiven landwirtschaftliches Betriebes« nicht akzeptieren und spricht von einem »enteignungsgleichen Eingriff, ohne dass eine Entschädigung vorgesehen ist«.

Bereits am 6. Februar sollte die Eintragung im Ausschuss vorberaten werden, seinerzeit wurde der Tagesordnungspunkt abgesetzt, um den Kontrahenten die Gelegenheit eingehender Prüfungen einzuräumen. Es folgte ein »lebhafter Meinungsaustausch«, wie es der Vorsitzende Arnold Weßling ausdrückte, eine Einigung konnte indes nicht erzielt werden.

Für die Stadt als Untere Denkmalbehörde besteht laut Kerstin Otte eine gesetzliche Eintragungspflicht. Sollte eine Sache die Denkmaleigenschaft erfüllen, stehe ihr kein Ermessens- und Beurteilungsspielraum zu, betonte Bürgermeister Dirk Speckmann.

Georg von Kerssenbrock konnte urlaubsbedingt nicht an der Sitzung teilnehmen, hatte aber im Vorfeld beantragt, das Verfahren abzubrechen oder so lange ruhen zu lassen, »bis Erkenntnisse vorliegen, die mit einiger Gewissheit unter der Erdoberfläche Sachen von öffentlichen Interesse erwarten lassen«. Zudem gehe er davon aus, dass eine Eintragung »Dauerauseinandersetzungen zwischen dem jeweiligen Eigentümer von Haus Brincke in der Generationenfolge und der Stadt Borgholzhausen« verursache.

Die Ergebnisse der Grabung waren nie Bestandteil der Denkmalwertbegründung, dennoch werden sie in den nächsten Monaten ausgewertet und publiziert, erklärte Sven Piong den zum Teil etwas irritiert wirkenden Ausschussmitgliedern. Gegen Ende der Debatte ergriff Carl-Heinz Beune das Wort und berichtete von seinen durchweg positiven Erfahrungen mit der Denkmalschutzbehörde etwa in Bezug auf den Erhalt der Ravensburg.

»Ich bin dankbar, dass es diese Institution gibt«, sagte er, bevor die Eintragung des Bodendenkmals einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen wurde.

Justus Graf von Kerssenbrock hält es dagegen für ausgeschlossen, dass auf dem Gelände bedeutende Funde zutage gefördert werden. »Die haben nur ein paar Holzstücke gefunden«, sagt er und verweist auf das umfangreiche Privatarchiv der Familie. Wenn alles nach Plan läuft, soll der museale Anbau zum Ende des Sommers fertig gestellt sein.

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