Fr., 05.05.2017

Landtagskandidaten stellen sich einer Diskussion in der Gesamtschule Borgholzhausen Es knirscht bei Bildung und Inklusion

Zwischen Konflikt und Konsens: Die Landtagskandidaten Birgit Ernst (CDU, von links), Georg Fortmeier (SPD), Dr. Björn Kerbein (FDP) und Wibke Brems (Bündnis 90/Grüne) erklären den Erstwählern der PAB-Gesamtschule ihre Standpunkte.

Zwischen Konflikt und Konsens: Die Landtagskandidaten Birgit Ernst (CDU, von links), Georg Fortmeier (SPD), Dr. Björn Kerbein (FDP) und Wibke Brems (Bündnis 90/Grüne) erklären den Erstwählern der PAB-Gesamtschule ihre Standpunkte. Foto: Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB/jog). Einig sind sich die Direktkandidaten von SPD, CDU, Grünen und FDP mit ihrem Appell an die Jungwähler, sich unbedingt an den kommenden Wahlen zu beteiligen und ihr Stimmrecht wahrzunehmen. Andernfalls würden sie dazu beitragen, ex-tremen Gruppierungen den Weg in die Parlamente zu ebnen.

Auf dem Podium des Forums in der PAB-Gesamtschule am Standort Borgholzhausen sitzen Birgit Ernst (CDU), Georg Fortmeier (SPD), Dr. Björn Kerbein (FDP) und Wibke Brems (Bündnis 90/Grüne). Die Mitglieder der nachhaltigen Schülergenossenschaft »PAB association eSG« haben die verantwortlichen Landtagskandidaten zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Sie wollen deren Vorstellungen zu Umweltschutz, öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) und bildungspolitischen Themen kennen lernen.

Schulleiterin Ulla Husemann freut sich über die Initiative von und für Jung- und Erstwähler, die sich aus der erfolgreichen Teilnahme an einem Wettbewerb für Schülergenossenschaften entwickelte. Im Publikum sitzen wahlberechtigte Schüler der Jahrgänge elf und zwölf und ihre Lehrer. Leon Rother und Joana Kuska übernehmen routiniert und konsequent die Moderation.

Nach kurzer Vorstellung hat jeder Kandidat exakt drei Minuten Zeit, stichpunktartig die Eckpunkte des Wahlprogramms seiner Partei zu skizzieren. Laut einer Umfrage unter den PAB-Schülern hätte die rot-grüne Koalition eine klare Mehrheit, und die FDP läge wie die Piraten bei zwei Prozent. Noch schlechter steht nur die AfD da. Diese haben die Organisatoren bewusst nicht eingeladen.

Am deutlichsten treten die unterschiedlichen Positionen der Parteien beim Thema Bildung und Inklusion zutage. Soll das Abitur an jedem Gymnasium nach acht oder neun Jahren abgelegt werden? Führt die Förderung und Teilhabe aller Kinder am gemeinsamen Unterricht in der Regelschule letztlich zum Fernziel »inklusive Gesellschaft« (Fortmeier) oder ist Inklusion schlicht gescheitert, weil sie falsch angepackt wurde, wie es Birgit Ernst formuliert?

Alle Kandidaten loben das umweltpolitische Engagement der PAB-Gesamtschule. Birgit Ernst würdigt sie als »Musterschule«, laut Georg Fortmeier passt sie genau ins Landesprogramm »Schule der Zukunft«. Björn Kerbein äußert seine Hochachtung vor den kreativen Ideen und Wibke Brems wird etwas neidisch, wenn sie an die eigene Schulzeit zurückdenkt.

Bei allen Unterschieden gibt es auch viel Konsens. Alle möchten das Industrieland NRW erhalten, Atomausstieg und erneuerbare Energien sind weitgehend unstrittig. Vor allem die Grünen stehen für eine schnellere Umsetzung der Energiewende, während die übrigen Parteien vor unerfüllbaren Utopien und Arbeitsplatzverlusten warnen. Auch ein NRW-weites Tagesticket für zwei Euro wird wohl an unterschiedlichen Tarifsystemen der Verkehrsverbünde und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheitern. Dabei kritisieren alle allgemein die zu hohen Fahrpreise bei Bus und Bahn.

Bei den abschließenden Fragen aus dem Publikum äußern sich die Politiker kurz, knapp und eindeutig. Georg Fortmeier möchte weiterhin an der doppelten Staatsbürgerschaft festhalten, Birgit Ernst lehnt die Legalisierung von Marihuana strikt ab, Björn Kerbein ist gegen eine Obergrenze bei Flüchtlingen, und Wibke Brems setzt sich für artgerechte Tierhaltung ein.

Ob sich die Umfragewerte der Parteien durch die Diskussion verändert haben, wird bei der Nachbereitung zutage treten. Vielleicht gibt der eine oder andere Nichtwähler doch noch seine Stimme ab. Mit Sicherheit aber nehmen wohl einige Schüler die Gesichter auf den Wahlplakaten ob der Wiedererkennung in den nächsten Tagen mit anderen Augen wahr.

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