Fr., 19.05.2017

Sinneswandel in Borgholzhausen – Auch Halle fordert Neubewertung Amprion prüft Erdkabel-Variante

Verschwinden die Masten in Borgholzhausen doch? Zumindest keimt wieder Hoffnung.

Verschwinden die Masten in Borgholzhausen doch? Zumindest keimt wieder Hoffnung. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Borgholzhausen/Halle (WB/hn/rec). In Borgholzhausen geht das Verfahren um die umstrittene 380-Kilovolt-Stromtrasse von vorne los. Netzbetreiber Amprion verkündete am Donnerstag, dass die dort von den Bewohnern vehement geforderte Erdverkabelung nun noch einmal geprüft werde. Die Stadt Halle will sich gegen die Ungleichbehandlung wehren.

Am Donnerstag klangen die Töne aus Borgholzhausen verhalten optimistisch. »Das Verfahren beginnt noch einmal bei Null. Wir haben zumindest einen ersten Teilerfolg erzielt«, ordnet Dierk Bollin, einer der Sprecher der »Bürgerinitiative Keine 380-kV-Leitung am Teuto« in Pium, das Amprion-Angebot ein, dort diese Variante zu prüfen. Daher beginnt das gesamte Genehmigungsverfahren von vorn. Damit kann Amprion ganz gut leben, da in diesem Gebiet noch nicht einmal das Raumordnungsverfahren begonnen hat, das am Start solcher Großprojekte steht.

Dierk Bollin sieht den Sinneswandel als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Bürgerinitiative. Diese hätten in Borgholzhausen den Schulterschluss gesucht und entsprechend vehement gegen die Pläne zur Überlandleitung gekämpft. »Und wir haben immer fachlich für die Erdverkabelung argumentiert«, sagt Bollin.

Erdwärme entziehen

Diese Erdverkabelung wird im Energieleitungs-Ausbaugesetz ausdrücklich als Pilotprojekt-Variante empfohlen. Landwirte warnen dagegen vor dem gigantischen Flächenverbrauch und ungewissen Auswirkungen einer in ihren Böden verlegten Starkstromtrasse.

Bollin verweist auf die Überlegungen, mittels moderner Technologie dem Boden die durch Erdverkabelung entstehende Erdwärme zu entziehen und zu speichern. »Damit ließen sich 200 Häuser heizen«, rechnet er hoch.

»Ungerecht«

»Unabhängig davon, was am Ende technisch möglich ist, möchten wir auch in Halle eine solche Prüfung. Es geht darum zu sehen, ob und wo eine Erdverkabelung sinnvoll ist«, sagt Anne Rodenbrock-Wesselmann. »Ich bin überrascht«, kommentiert Halles Bürgermeisterin die Sichtweise des Energie-Unternehmens.

Halle habe zwar mit dem Verlegen der geplanten 380-kV-Leitung weg von der Wohnbebauung bereits etwas bei der Trassenplanung für die betroffenen Bewohner erreicht. »Dass im Gegensatz zu Borgholzhausen weitere Optionen nun seitens von Amprion hier gar nicht geprüft werden sollen, empfinde ich als ungerecht«, sagt Rodenbrock-Wesselmann. Sie will nun mit Rat und Verwaltung das weitere Vorgehen abstimmen.

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