Mo., 16.01.2017

Zeugen befragt Streit bei Tönnies: Vor Gericht weiter Aussage gegen Aussage

Schon seit Jahren streiten sich Clemens (links) und Robert Tönnies.

Schon seit Jahren streiten sich Clemens (links) und Robert Tönnies. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Der Kampf um die Macht im Fleischkonzern Tönnies bleibt eine zähe Angelegenheit. Auch ein siebenstündiger Prozessmarathon im Landgericht Bielefeld brachte am Montag wenig Bewegung. Dafür gab es einen neuen Tiefpunkt im Schlagabtausch zwischen Robert Tönnies (38) und seinem Onkel Clemens Tönnies (60): Ein an Gedächtnislücken leidender 82-Jähriger musste in den Zeugenstand.

Der Neffe hält wie Clemens Tönnies 50 Prozent am Rheda-Wiedenbrücker Konzern (12 500 Mitarbeiter/6,3 Milliarden Euro Umsatz). Mit dem seit November 2014 laufenden Prozess will er die Schenkung von fünf Prozent der Firmenanteile an seinen Onkel widerrufen – wegen »arglistiger Täuschung und groben Undanks«. Es ist das Kernverfahren in dem Familienstreit.

Am Montag ging es um ein umstrittenes Wettbewerbsverbot für Clemens Tönnies und seinen Kauf des Würstchenherstellers Böklunder 1998 auf eigene Rechnung und außerhalb des gemeinsamen Konzerns.

Robert Tönnies sieht darin einen Verstoß und fühlt sich von seinem Onkel hintergangen. Der habe ein »Schattenreich« aufgebaut. Clemens Tönnies dagegen bekräftigte, den eminent wichtigen Kunden Böklunder nur »zum Wohl des Unternehmens« mit erheblichem Risiko privat übernommen zu haben. Böklunder sei hochdefizitär gewesen, habe einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag ausgewiesen und er habe hohe Pensionsverbindlichkeiten übernommen.

Beklagter Clemens Tönnies nennt viele Risiken

Robert Tönnies’ Anwältin Christine Gärtner entgegnete, der Verkäufer habe noch Millionen ins Unternehmen gegeben und durch Sonderposten sei das Eigenkapital positiv gewesen, so dass von einem großen Risiko kaum eine Rede sein könne. Der Beklagte betonte, es habe viele Risiken gegeben, die ihm schlaflose Nächte bereitet hätten.

Der Tönnies-Konzern selbst habe den Kauf nicht durchführen können. Eine Übernahme durch die Gruppe habe Josef Schnusenberg in seiner Funktion als Testamentsvollstrecker für Robert und dessen Bruder als finanziell zu riskant untersagt. Schnusenberg, der ebenfalls befragt werden sollte, fehlte gestern wegen einer Erkrankung.

Dieses Veto Schnusenbergs bestätigten mehrere Zeugen, darunter der früher zuständige Regionalleiter (72) der Industriebank IKB . Er sagte, dass die Tönnies-Gruppe seinerzeit »klamm« gewesen sei und Liquiditätsprobleme hatte. Es habe zwischenzeitlich sogar die Gefahr bestanden, dass »das ganze Kartenhaus zusammenbricht«.

Letztlich habe die Firma aber jede Kreditrate fristgerecht bedient. Dass Clemens Tönnies Böklunder über den Unternehmer Peter zur Mühlen als Mittelsmann gekauft hat, sei ihm erst Jahre später zugetragen worden.

Anwalt Bürgers: »Beschämender Vorgang«

Betretenheit herrschte dann bei der Vernehmung eines früheren IKB-Niederlassungsleiters, der einst auch einen von der Bank angeregten Tönnies-Beraterkreis führte. Der von der Klägerseite benannte Zeuge (82) leidet unter Gedächtnislücken, konnte keine Angaben machen.

Ihn hatte Robert Tönnies im Oktober noch getroffen und ein Schreiben unterzeichnen lassen. Clemens Tönnies’ Anwalt Dr. Tobias Bürgers sprach von einem »unerträglichen, beschämenden Vorgang«.

Aussage gegen Aussage herrschte indes in der Frage, ob das Wettbewerbsverbot für Clemens Tönnies an Heiligabend 2002 wirksam gestrichen wurde. Roberts Bruder Clemens Tönnies junior (41) sagte, dass er nie zugestimmt hätte, wenn der Schritt solch weitreichende Folgen gehabt hätte. Ihm sei gesagt worden, dass sich nichts Wesentliches ändern solle und die Anpassung nur wegen interner Tätigkeiten etwa bei Schwesterfirmen notwendig sei. Bei den Urkunden sei es nur darum gegangen, den Banken etwas vorzulegen, was diese forderten.

Notar Horst-Dieter Swienty sagte dagegen, die Streichung des Wettbewerbsverbots sei auch in der Bedeutung umfassend erörtert worden. Alle hätten zugestimmt. Clemens Tönnies sollte so gestellt werden wie dessen 1994 verstorbener Bruder Bernd. Für den Firmengründer habe nie ein Wettbewerbsverbot bestanden.

Der Prozess soll am 13. März mit der Befragung von Josef Schnusenberg fortgesetzt worden. Er hatte auch an der Beurkundung teilgenommen.

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