Mi., 05.10.2016

Clemens Tönnies spricht über den Streit mit seinem Neffen, Tierfutter und Schlachthofpläne Tönnies: »Ich lasse es nicht mehr an mich heran«

Clemens Tönnies.

Clemens Tönnies. Foto: dpa

Rheda-Wiedenbrück (WB). Gestiegene Schweinepreise, die es am Markt durchzusetzen gilt. Der seit Jahren tobende Streit mit seinem Neffen. Und große Pläne für den Einstieg ins Geschäft mit Tiernahrung sowie den Bau eines Rinderschlacht­hofes: Der Rheda-Wiedenbrücker Fleisch-Unternehmer Clemens Tönnies(60) ist an vielen Fronten gefragt. Mit ihm sprach Oliver Horst.

Herr Tönnies, wie läuft das Geschäft?

Clemens Tönnies : Aktuell ist es schwieriger als in den letzten Jahren. Das ist nicht bedrohlich, aber wir haben schon damit zu tun, die höheren Schweinepreise im Markt umzusetzen. Der Export läuft gut, vor allem in Asien – auch dank unserer neuen dänischen Tochter Tican. Das war eine super Entscheidung unserer Geschäftsführung, Tican ist eine absolute Top-Marke. Die haben wir in kürzester Zeit aus den roten Zahlen gebracht. In den USA  warten wir auf unsere Zulassung, da kommt aber Bewegung rein. Wir rechnen das Jahr ab, wenn es zu Ende ist.

Das heißt, die Entwicklung drückt auf die Marge?

Tönnies: Klar, der Handel stellt jede Preiserhöhung in Frage.

Wie wichtig ist auf der anderen Seite die Erholung der Preise für die Bauern, die über Existenznöte geklagt hatten?

Tönnies: Der Schweinepreis ist aktuell gut für die Bauern. Das beklagen wir nicht. Im Gegenteil. Wenn die Preise zu niedrig sind, ist das für alle schlecht. Und der Verbraucher ist auch nicht auf Abwegen, weil Schweinefleisch zu teuer wäre. Das ist Quatsch.

Sie haben neue Pläne, arbeiten am Aufbau des  Geschäftsfelds Tiernahrung...

Tönnies: Ja, wir sind schon im Markt, wollen jetzt aber Kapazitäten aufbauen. Wir  suchen eine Produktionsstätte, damit wir weitermachen können. Wir haben Listungen und können die umsetzen. Aber wir wollen mehr produzieren.

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Wir  machen nicht die  Kilo-Dose oder den 20-Kilo-Sack.

Clemens Tönnies

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Wie sehen die Pläne konkret aus?

Tönnies: Die Geschäftsführung hält das  Hochwald-Wurstkonservenwerk in Meppen für hervorragend geeignet. Wir könnten es auch erwerben. Da befinden wir uns mit dem anderen Gesellschafter aber noch in der Meinungsfindung. Er sagt, es eignet sich nicht. Nach meiner Meinung und der der Geschäftsführung aber passt alles, der Standort ist gut, das Personal ebenso. Wir hoffen, dass wir den Gesellschafter noch umstimmen können. Dann kann es kurzfristig losgehen. 

Wie groß ist der Handlungsdruck?

Tönnies: Wir produzieren Innovationen, nicht das, was alle herstellen. Wir sind bemüht, jetzt den Markt  für uns zu bearbeiten. Wir bewegen uns im Belobigungs- und im absoluten Hochqualitätsbereich. Wir  machen nicht die  Kilo-Dose oder den 20-Kilo-Sack.

Welche Chancen sehen Sie in dem Segment?

Tönnies:   Es sind gute Margen und gute Volumina zu erreichen. Der Massenmarkt ist abgesteckt und verteilt, da wollen wir gar nicht rein. Wir wollen mit Spezialartikeln unseren Nutzen suchen und werden ihn finden. Das Ganze flankierend zu unseren gesamten Aktivitäten. Im Petfood-Bereich ist vieles möglich, auch weil uns ganz Europa offensteht. Für den Durchbruch reicht es aber nicht, nur im Auftrag fertigen zu lassen.

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Wir haben intern zwei Stellen besetzt, die abarbeiten, was von meinem Neffen an Fragen kommt.

Clemens Tönnies

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Das Beispiel Hochwald-Werk zeigt Auswirkungen des seit Jahren tobenden Streits mit ihrem Neffen Robert Tönnies auf das operative Geschäft. Wie groß ist das Problem?

Tönnies: Wir haben intern zwei Stellen besetzt, die abarbeiten, was von meinem Neffen an Fragen kommt. Das muss sauber erledigt werden. Das eigentliche Tagesgeschäft ist aber nicht massiv betroffen.

Aber die Geschäftsführung hat jetzt beim Thema Tiernahrung und Hochwald-Werk erstmals öffentlich Stellung bezogen und den Gesellschafter Robert Tönnies kritisiert...

Tönnies: Die Geschäftsführung hat nicht Partei ergriffen. Sie hat aber ihre Aufgabe wahrgenommen und einige Dinge klargestellt. Es gibt eine durchdachte Geschäftsidee, die Erfolg verspricht. Und in der Vergangenheit hat diese Geschäftsführung sehr viele gute Entscheidungen getroffen. Da ist natürlich eine gewisse Verstimmung da. Es ist unbefriedigend, wenn die Interessen des Unternehmens nicht konsequent verfolgt werden können.

Ist es das erste Mal, dass der Streit eine strategische Entscheidung blockiert?

Tönnies: Wir haben eine schnellere Entscheidung erwartet. Aber vielleicht muss man auch Verständnis haben, dass auf der Gegenseite alles erst abgearbeitet werden muss. Natürlich waren wir überrascht. Zumal es zu einem Novum gekommen ist: Die Absage konnten wir in der Zeitung lesen und es wird  mit einem Gutachten argumentiert, das wir bislang gar nicht kennen. 

Wie haben Sie diese Entwicklung aufgenommen?

Tönnies: Mich wundert in diesem Streit schon lange nichts mehr. Ich gehe inzwischen eher gelassen damit um, weil ich immer das große Ganze sehe. Das Unternehmen ist in seiner Art weltweit einmalig und sehr erfolgreich. Und ich persönlich lasse den Streit nicht mehr an mich heran.

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Ich habe den Streit nicht gewollt und ihn nicht provoziert.

Clemens Tönnies

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Dennoch tobt der Konflikt inzwischen seit Jahren, sind viele Gerichte involviert...

Tönnies: Ich weiß gar nicht, wie viele Gerichtsverfahren es inzwischen sind. Ich habe den Streit nicht gewollt und ihn nicht provoziert. Er ist über uns hereingebrochen. Und wir haben jetzt die Aufgabe, ihn sauber und geordnet abzuarbeiten.

Zuletzt ist eine  Schlichtung gescheitert, noch ehe sie wirklich begonnen hat. Welche Perspektiven, welchen Ausweg sehen Sie überhaupt noch?

Tönnies: Die Idee einer Mediation fand ich sehr gut. Leider wurde schon der Beginn von der Gegenseite mit so vielen Vorbehalten überladen, dass dies zum Scheitern führte. Ein Unternehmer, der mehr als 12 000 Mitarbeiter beschäftigt, muss die Dinge sachlich betrachten. Ein Gesellschafter sollte nicht sagen: die Tür ist zu, so wie es meine Neffe in der Presse erklärt hat. Wir haben eine große Verantwortung für die Mitarbeiter, für das Unternehmen, für das Lebenswerk. Deswegen bin ich immer bereit für einen Konsens. Das Ende des Streits habe ich aber nicht in der Hand. Wir sind den Forderungen in nahezu allen Bereichen entgegengekommen. Und immer dann hat mein Neffe neue Forderungen gestellt.

Das ist aber eine teure und sicherlich wenig vergnügliche Angelegenheit, einen Streit derart öffentlich auszutragen. Welche Lösung ist möglich?

Tönnies: Ich bin derjenige, der immer die Hand reicht und sagt, lass uns über jeden Schatten springen. Wenn die Gegenseite dazu aber nicht bereit ist, müssen wir uns weiter verteidigen. Ich habe leider keine Alternative.

Sehen Sie denn überhaupt noch eine Basis für eine gemeinsame Zukunft an der Spitze des Konzerns? Nach all den Vorwürfen und Verletzungen in den vergangenen Jahren?

Tönnies: Wenn man alles untereinander schreibt, muss man über einen sehr großen Schatten springen. Aber man muss die Frage dann  im Sinne des Unternehmens beantworten, wenn sie sich stellt.

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Wir grüßen uns, wenn wir uns sehen.

Clemens Tönnies

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Welche Gesprächsbasis gibt es denn noch zwischen Ihnen und Ihrem Neffen?

Tönnies: Aktuell keine. Wir grüßen uns, wenn wir uns sehen.

Sie warten also ab, was jetzt weiter passiert?

Tönnies: Wissen Sie, in diesem Unternehmen steckt ein Großteil meiner Lebenszeit. Ohne den Streit wären wir in manchen Entscheidungen sicher schneller. Als Unternehmen sind wir aber trotzdem spitze. Und das ist, was für mich zählt. Fertig. Punkt. Den Rest müssen wir jetzt leidensfähig aushalten. Ich denke auch nicht darüber nach, wer mehr leidet.

Kann sich denn  noch einmal eine Basis entwickeln?

Tönnies:   Da spielen die Anwälte eine große Rolle. Er hat die Anwälte getauscht. Die neue Kanzlei gilt als durchaus besonnen. Wir haben ja zwei Mal schon kurz vor einer Einigung gestanden, bevor aus heiterem Himmel immer etwas Neues kam. Wir freuen uns, wenn positive Bewegung reinkommt. Wir müssen aber reagieren, wenn es negative Bewegung gibt.

Lassen Sie uns über ein aktuelles  Branchenthema sprechen. Was halten Sie von der Ankündigung eines staatlichen Tierwohl-Programms?

Tönnies: Ich sehe das sehr positiv – wenn wir Folgendes schaffen: Die Initiative Tierwohl, die durch uns mit begründet wurde, sollte damit verschmolzen werden. Nichts kann mehr Vertrauen schaffen als ein staatliches Label.  Alle Beteiligten diskutieren das jetzt mit dem Ziel, sich anzunähern.

Wie sieht es aus mit ihren Plänen für den Bau eines neuen Rinderschlachthofes?

Tönnies: Die Planungen sind weitgehend abgeschlossen. Wir machen aber noch eine Reise, um uns mehrere große Betriebe anzusehen. Es wird ein völlig neuartiges Schlachtsystem, auch im Umgang mit dem Tier. Da sind wir auf gutem Weg. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir die Anträge einreichen und das Projekt öffentlich vorstellen.

Ist die Standortentscheidung schon gefallen?

Tönnies: Die Entscheidung ist so gut wie gefallen, es gibt noch eine Alternative. Es kann im Bereich nördliches Nordrhein-Westfalen oder Südniedersachsen sein. Die relative Nähe zu unserer Zentrale in Rheda-Wiedenbrück wäre logistisch von Vorteil.

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