Mi., 29.06.2016

Evelin Tönnies fordert Millionen-Schadenersatz von Josef Schnusenberg Beraten oder betrogen?

Wiedersehen vor Gericht: Klägerin Evelin Tönnies und der frühere Freund der Familie, Josef Schnusenberg, der mindestens sechs Millionen Euro Schadenersatz zahlen soll.

Wiedersehen vor Gericht: Klägerin Evelin Tönnies und der frühere Freund der Familie, Josef Schnusenberg, der mindestens sechs Millionen Euro Schadenersatz zahlen soll. Foto: Oliver Schwabe

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld (WB). Ist er guter Berater als Freund der Familie gewesen – oder hat Josef Schnusenberg als Testamentsvollstrecker für Gründerwitwe Evelin Tönnies fungiert und sie betrogen? Von dieser Frage hängen mögliche Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe ab. Antworten suchte das Landgericht Bielefeld am Dienstag.

Die 9. Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Jörg Schröder befasste sich fast fünf Stunden mit dem Streit. Er ist im Schatten des Machtkampfs beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies entbrannt, der zwischen Evelin Tönnies ’ Sohn Robert und ihrem Schwager Clemens tobt.

Vor der Verhandlung reichen sich die Frau des 1994 verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies und der langjährige Steuerberater und Freund der Familie, Josef Schnusenberg , noch die Hände. Während der Befragung tun sich dann aber Gräben auf, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Im Gericht duzen sich beide dennoch fast durchweg.

»Ich habe Josef immer voll vertraut«

Evelin Tönnies hat sich »nie um Finanzen und Verträge« gekümmert. Nicht zu Lebzeiten ihres Mannes und auch nicht nach dessen Tod. »Ich habe Josef immer voll vertraut.« Im Nachhinein fühlt sie sich von Schnusenberg schlecht beraten und bei Immobiliengeschäften um Millionen betrogen.

Im Mittelpunkt steht der Verkauf ihres Anteils am Einkaufszentrum »Heuwegcenter« in Weißenfels ( Sachsen-Anhalt ). Ihre Anteile daran waren 1996 teils vom Fleischkonzern, teils von Clemens Tönnies gekauft worden – für knapp 20 Millionen Mark.

Zuvor habe Schnusenberg ihr gesagt, dass sie »pleite« sei. Das Areal des Heuwegcenters sei verseucht, die Altlastenbeseitigung gehe in die Millionen, auf der Immobilie lasteten Kredite und ihr Mann habe zehn Millionen Mark Schulden bei der Firma hinterlassen. »Ich war im Schockzustand, stand plötzlich vor dem Nichts.«

Nur als Freund der Familie beraten

Auf Schnusenbergs Initiative hin kam es zum Verkauf. »Ziel war es, Evelin von den Verbindlichkeiten zu befreien«, erklärt er. Zudem habe der Kaufpreis dem Grundstücks- und Gebäudewert entsprochen.

Evelin Tönnies’ Anwalt Ulf Bohn hält dagegen, er habe ein Gutachten erstellen lassen, wonach der Anteil rund 30 Millionen Mark Wert gewesen sei. Die Differenz von knapp sechs Millionen Euro klagt die Witwe jetzt ein.

Doch dafür müsste Schnusenberg eine Pflichtverletzung als Testamentsvollstrecker nachgewiesen werden. Strittig ist, in welcher Rolle er aktiv war. Für die beiden Söhne von Evelin Tönnies war er bis Mai 2008 Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter. Für sie habe sich mit diesem Stichtag nichts geändert, sagt Evelin Tönnies.

Sie habe er nur als Freund der Familie beraten, betont Schnusenberg. In Grundbüchern und Dokumenten – auch beim Verkauf des Heuwegcenters – ist er aber als Testamentsvollstrecker aufgeführt. Das sei ein Fehler anderer gewesen, sagt Schnusenberg. »Ich habe immer versucht, für alle Beteiligten das Beste herauszuholen. Und ich glaube, dass mir das gelungen ist.«

Sollte die Tätigkeit als Testamentsvollstreckung eingestuft werden, fordert Schnusenberg 100 000 Euro Vergütung. Das Gericht will am 29. August eine Entscheidung verkünden. Der Prozess wird wahrscheinlich fortgesetzt.

 

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