Mo., 27.06.2016

Neffe erklärt Gespräche zur Mediation mit Onkel für gescheitert Tönnies-Streit eskaliert erneut

Gero Debusmann sollte als Mediator helfen.

Gero Debusmann sollte als Mediator helfen. Foto: Tim Reckmann

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Machtkampf beim Fleischkonzern Tönnies steuert wieder auf Konfrontation statt Kompromiss zu: Die Suche nach einer Lösung mit Hilfe eines Mediators gilt – zumindest vorerst – als gescheitert. Damit dürfte der Streit zwischen Robert Tönnies und seinem Onkel Clemens vor allem wieder vor Gerichten ausgetragen werden.

Robert Tönnies , der wie sein Onkel 50 Prozent am Rheda-Wiedenbrücker Milliardenkonzern hält, hat die Vorgespräche zur Mediation für erfolglos beendet erklärt. Das war am Montag aus dem Umfeld des 38-Jährigen zu hören.

Der Streit mit Konzernlenker Clemens Tönnies (60) soll vor allem wegen des Kaufs der Meppener Wurstfabrik des Hochwald-Konzerns durch Clemens’ Sohn Maximilian neu eskaliert sein. Robert Tönnies fühle sich hintergangen. In seinem Lager ist die Rede von einer »Ohrfeige« und einem »Affront«. Denn der Neffe habe die Wurstfabrik in den Tönnies-Konzern einbringen wollen.

Vertrauensbasis zerstört

Den Kauf durch den Sohn seines Onkels wertet Robert Tönnies dem Vernehmen nach als »Trick«. Und dieser habe in dem sensiblen Stadium von Vorgesprächen zur Mediation die Vertrauensbasis zerstört und damit auch die Grundlage für einen neuen Anlauf für Einigungsgespräche, ist aus dem Umfeld des Neffen zu hören.

Hinzu komme noch, dass Maximilian Tönnies inzwischen auch Miteigentümer des Versmolder Wurstwarenherstellers Nölke (»Gutfried«) ist. Ende 2014 war die Rede davon, dass Nölke von der Zur-Mühlen-Gruppe übernommen wurde, die im Privatbesitz von Clemens Tönnies ist. Deren Einbringung in den gemeinsamen Fleischkonzern zählt seit jeher zu den zentralen Forderungen von Robert Tönnies.

Mediator oder Moderator?

Die Seite von Clemens Tönnies zeigte sich am Montag auf Anfrage dieser Zeitung »sehr überrascht und enttäuscht, wenn die Gegenseite die Gespräche nun offensichtlich für beendet erklärt hat«. Bei dem im März vom Landgericht Bielefeld vermittelten Mediationsverfahren habe es aber von Beginn an Probleme gegeben, »weil die Gegenseite schon bei der Festlegung der Verfahrensweise immer wieder ungeheuerliche Hürden eingebaut hat«, heißt es von den Anwälten.

So seien die Vorgespräche früh ins Stocken geraten. Unterschiedliche Auffassungen gab es von Beginn an auch über die Rolle des früheren Präsidenten des Oberlandesgerichts Hamm , Gero Debusmann, als Mediator. Während die Seite von Clemens Tönnies ihn als Schlichter sah, sollte er für die Seite des Neffen nur Moderator sein.

»Es ist entlarvend, wie die Gegenseite die Vermittlungsversuche mit Füßen tritt«, heißt es von Clemens Tönnies’ Anwälten. Für den zentralen Prozess, mit dem Robert Tönnies die Schenkung von Firmenanteilen an seinen Onkel wegen groben Undanks und arglistiger Täuschung widerrufen will, gibt es bislang keine weiteren Verhandlungstermine. Aber schon an diesem Dienstag klagt der Neffe wieder vor dem Landgericht Bielefeld. Dieses Mal gegen den Konzern. Es geht um die Auszahlung von bis zu 100 Millionen Euro.

 

 

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