Do., 15.10.2015

Weiter kein Durchbruch im Tönnis-Prozess Was wird aus Josef Tillmann?

Josef Tillmann.

Josef Tillmann. Foto: Wolfgang Wotke

Rheda-Wiedenbrück/Bielefeld (WB). Im Machtkampf beim Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzern Tönnies gibt es bei der Suche nach einer außergerichtlichen Lösung weiter keinen Durchbruch. Bleibt es dabei, kommt es am Montag zum nächsten Wiedersehen von Robert Tönnies (37) und seinem Onkel Clemens (59) vor dem Landgericht Bielefeld.

Dort klagt der Neffe seit einem Jahr, um eine Schenkung von Firmenanteilen zu widerrufen. Es ist der wichtigste von fast 20 Prozessen, die rund um den Konflikt entbrannt sind.

Der entscheidende Streitpunkt in den seit Frühjahr laufenden Gesprächen zur gütlichen Einigung bleibt die Zukunft von Josef Tillmann (62). Der langjährige Geschäftsführer gilt als rechte Hand von Konzernlenker Clemens Tönnies . Dessen Neffe Robert macht die Absetzung von Tillmann zur Bedingung für eine Einigung.

Diese Forderung hat Robert Tönnies per Gesellschafterbeschluss und per Klage durchsetzen wollen – ohne Erfolg. Er bezichtigt den Geschäftsführer, als Zeuge die Unwahrheit über das letzte Telefonat mit seinem 1994 verstorbenen Vater Bernd Tönnies gesagt zu haben. Zugunsten von Clemens Tönnies, der eine Demission des Geschäftsführers kategorisch ablehnt. Tillmann wehrt sich wiederum mit einer Verleumdungsklage.

Devise »alles oder nichts«

Zum Stand der Gespräche wollen sich beide Seiten nicht äußern. Ob die Friedensverhandlungen erfolgreich sind oder scheitern, wird aber maßgeblich von Zugeständnissen in dieser Personalfrage abhängen. Denn sowohl Clemens als auch Robert Tönnies haben als Devise »alles oder nichts« ausgegeben: eine Gesamtlösung oder keine Lösung aller Streitigkeiten.

Das heißt inklusive der Auseinandersetzungen von Robert Tönnies mit dem früheren Testamentsvollstrecker und Steuerberater Josef Schnusenberg, der am kommenden Montag als Zeuge aussagen soll, sowie dem Konflikt mit Tillmann.

Für eine Vielzahl von strittigen Themen zwischen beiden Parteien sollen inzwischen Lösungen gefunden worden sein. Dazu zählt eine Regelung für den Fall des (Teil-)Ausstiegs eines der beiden 50-Prozent-Gesellschafter ebenso wie die Einbringung bislang privater Beteiligungen von Clemens Tönnies in den Konzern.

Holding für den Fleischriesen

Den Fleischriesen mit seinen Tochtergesellschaften soll künftig eine Holding führen, an dessen Spitze Clemens und Robert Tönnies gleichberechtigt als Geschäftsführer stehen. Jeweils ein Vertreter soll zudem berufen werden.

Bei Clemens Tönnies dürfte dies sein Schwager Daniel Nottbrock (39) sein, der auch Finanzvorstand im Konzern ist und ihn in den von Anwälten geführten Friedensverhandlungen vertritt. Bei Robert Tönnies könnte dies dessen Steuerberater sein, der ebenfalls an den laufenden Gesprächen teilnimmt.

Als lösbar gelten dabei die noch strittigen Punkte. Da wäre zum einen die Zeitspanne für den Übergang von Clemens Tönnies aus dem operativen Tagesgeschäft in die Holding-Geschäftsführung. Während Robert Tönnies sechs Monate vorschweben, will Clemens Tönnies noch drei Jahre den Kontakt mit Großkunden pflegen.

Forderung nach Fremdgeschäftsführer

Offen ist die Größe des Beirats, der die Holding-Geschäftsführung beraten und insbesondere in Pattsituationen entscheiden soll. Diskutiert wird dem Vernehmen auch noch über die Rolle von Roberts Mutter Evelin, die eine Tätigkeit im Bereich Tierwohl übernehmen könnte.

Größter Knackpunkt neben Tillmann soll die Forderung des Neffen sein, mindestens einen Fremdgeschäftsführer für das operative Geschäft ohne Zustimmung des Onkels benennen zu dürfen.

Solange es keine Gesamtlösung gibt, wird weiter prozessiert. Bereits heute steht der nächste Termin im Mammutprozess an. Dann muss sich das Landgericht Bielefeld mit der Klage von Robert Tönnies gegen die Bestellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG befassen.

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