Sa., 18.02.2017

Robert Tönnies sieht sich vom eigenen Konzern unter Druck gesetzt Millionen-Jonglage vor Gericht

Robert Tönnies bespricht sich mit seiner Anwältin Christine Gärtner. Der 50-Prozent-Gesellschafter des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies fordert per Klage vom eigenen Unternehmen bis zu 100 Millionen Euro.

Robert Tönnies bespricht sich mit seiner Anwältin Christine Gärtner. Der 50-Prozent-Gesellschafter des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies fordert per Klage vom eigenen Unternehmen bis zu 100 Millionen Euro. Foto: Bernhard Pierel

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Der Ton im Millionenstreit an der Spitze des Fleischkonzerns Tönnies wird rauer. Mitgesellschafter Robert Tönnies fühlt sich vom eigenen Unternehmen, das sein Onkel Clemens Tönnies führt, ­»finanziell unter Druck« gesetzt. Er fordert per Klage bis zu 100 Millionen Euro.

Mit Millionensummen wurde am Freitag in der Fortsetzungsverhandlung am Landgericht Bielefeld verbal jongliert. Robert Tönnies (38) will das Geld loseisen, um seinen chronisch kranken Bruder auszuzahlen, von dem er 2012 dessen 25 Prozent am Rheda-Wiedenbrücker Konzern übernahm. Seither hält er wie sein Onkel, mit dem er im Clinch liegt, 50 Prozent.

Im Gericht fuhr der Kläger die Gegenseite – Geschäftsführer und Rechtsanwälte seines Konzerns – an: »Es geht doch nur darum, Zeit zu schinden, einen Keil zwischen meinen Bruder und mich zu treiben und uns finanziell unter Druck zu setzen.« Der Konzern verweigert die Auszahlung: es liege kein gültiger Gesellschafterbeschluss vor und der Kaufpreis, der dem steuerlichen Buchwert entsprechen soll, stehe nicht fest.

Das Gesellschafterkonto des Neffen ist aktuell tief im Minus. Die Gewinne seit 2010 sind jüngst auf ein Konto für Gewinnvorträge umgebucht worden. Dass dies ohne Zustimmung geschehen ist, begründet der Konzern mit einer »Anweisung« des Wirtschaftsprüfers, weil die Jahresabschlüsse noch nicht festgestellt sind. Es fehlt die Unterschrift von Robert Tönnies, der Klärungsbedarf sieht.

Unstimmigkeiten über verschiedene Posten von Clemens Tönnies seien schon in den Jahren zuvor mit dem Berater der Brüder geklärt und teils in der Bilanz für 2009 berücksichtigt worden, sagte Konzern-Finanzchef Daniel Nottbrock. So sei ein Darlehen für eine private Immobilienfirma des Onkels begrenzt und der Rest zu dessen Lasten verbucht worden.

Der Kläger habe seit 2010 etwa 30 Millionen entnommen, sagte Nottbrock. Bis zu fünf Millionen könne er sich auch weiterhin pro Jahr auszahlen lassen. Der Bruder habe davon offenbar bislang keinen Cent erhalten, fügte der Rechtsanwalt des Konzerns hinzu.

Robert Tönnies empörte sich, ihm sei 2008 sogar eine Entnahme von 50 000 Euro verweigert worden. Für die Kaufpreis-Millionen bezieht er sich auf einen Gesellschafterbeschluss von 2008. Damals sei unbefristet vereinbart worden, dass er den Großteil durch Entnahmen begleichen kann. 102 Millionen Euro hätten auf den Konten der Brüder gestanden, sagte Anwältin Christine Gärtner. Sie beantragte, ein mögliches Urteil auch ohne Sicherungsleistung vorläufig zu vollstrecken.

Der vom Konzern als Zeuge benannte Notar, der 2008 die Schenkung zwischen den Brüdern beurkundet und danach den Gesellschafterbeschluss begleitet hatte, verweigerte die Aussage. Nicht alle Beteiligten hatten ihn von der Schweigepflicht entbunden. Robert Tönnies tat es dann doch – sein Bruder lehne dies aber ab.

Das Gericht will nun Auskünfte des Finanzamtes zu Fragen und zur Feststellung des Buchwertes abwarten. Lässt Letzteres weiter auf sich warten, könne das Verfahren auch erst einmal ohne Entscheidung ausgesetzt werden.

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