Di., 15.07.2014

Kartellamt greift durch: 21 Hersteller, sechs aus dem Kreis Gütersloh, und zahlreiche Führungskräfte sollen zahlen Preiskartell: 338 Millionen Euro Geldbußen für Wursthersteller

Wiener Würstchen.

Wiener Würstchen. Foto: dpa

Bonn (dpa). Millionen Verbraucher in Deutschland haben offenbar jahrelang zu viel Geld für Wurst und Schinken bezahlt. Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte das Bundeskartellamt am Dienstag Geldbußen von mehr als 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und zahlreiche Führungskräfte der Branche.

Millionen Verbraucher in Deutschland haben offenbar jahrelang zu viel Geld für Wurst und Schinken bezahlt. Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte das Bundeskartellamt am Dienstag Geldbußen von mehr als 338 Millionen Euro gegen 21 Wursthersteller und zahlreiche Führungskräfte der Branche.

An den Absprachen sollen die folgenden Unternehmen beteiligt gewesen sein (in Klammer sind ggf. die hinter den Unternehmen stehenden Konzerne benannt):

- Bell Deutschland Holding GmbH, Seevetal (vormals Abraham/Zimbo, Coop-Gruppe)
- Böklunder Plumrose GmbH & Co. KG, Böklund/Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Bremen (Zur Mühlen-Gruppe, Clemens-Tönnies-Gruppe);
- Döllinghareico GmbH & Co. KG, Elmshorn
- Herta GmbH, Herten (Nestlé)
- Franz Wiltmann GmbH & Co. KG, Versmold
- H. Kemper GmbH & Co. KG, Notrup
- H. & E. Reinert Holding GmbH & Co. KG, Versmold/ Sickendiek Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Neuenkirchen-Vörden
- Hans Kupfer & Sohn GmbH & Co. KG, Heilsbronn
- Heidemark Mästerkreis GmbH & Co. KG, Emstek-Höltinghausen
- Heinrich Nölke GmbH & Co. KG, Versmold
- Höhenrainer Delikatessen GmbH, Feldkirchen-Westerham
- Lutz Fleischwaren GmbH, Landsberg am Lech (Vion)
- Marten Vertriebs GmbH & Co. KG, Gütersloh
- Meica Ammerländische Fleischwarenfabrik Fritz Meinen GmbH & Co. KG, Edewecht
- Metten Fleischwaren GmbH & Co. KG, Finnentrop
- Ponnath DIE MEISTERMETZGER GmbH, Kemnath
- Rudolf und Robert Houdek GmbH, Starnberg
- Rügenwalder Mühle Carl Müller GmbH & Co. KG; Bad Zwischenahn
- Westfälische Fleischwarenfabrik Stockmeyer GmbH, Sassenberg (heristo AG)
- Wiesenhof Geflügelwurst GmbH & Co. KG, Rietberg (PHW-Gruppe)
- Willms Fleisch GmbH, Ruppichteroth

Betroffen sind auch bekannte Marken wie Böklunder, Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof, wie die Wettbewerbsbehörde am Dienstag in Bonn mitteilte. Die Hersteller hätten sich jahrelang über Preisspannen für Produktgruppen wie Brühwurst oder Schinken abgestimmt und beim Handel so höhere Preise durchgesetzt, erklärte die Wettbewerbsbehörde.

Keine Angaben zur Höhe der einzelnen Bußgelder

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte: »Die Preisabsprachen wurden über viele Jahre praktiziert.« Das Gesamtbußgeld erscheine zwar hoch, relativiere sich aber vor dem Hintergrund der großen Zahl der beteiligten Unternehmen, der Kartelldauer und der Milliardenumsätze der Branche. Angaben zur Höhe der einzelnen Bußgelder machte die Behörde nicht. Die Bandbreite reiche von wenigen Hunderttausend Euro bis hin zu hohen Millionenbeträgen, hieß es lediglich.

Im Laufe des Verfahrens hätten insgesamt elf Unternehmen mit der Behörde kooperiert und schließlich Geständnisse abgelegt, berichtete das Kartellamt. Auf die Spur des Kartells waren die Wettbewerbshüter durch einen anonymen Hinweis gekommen.

Die Zur-Mühlen-Gruppe bestreitet die Vorwürfe

Deutschlands größter Wursthersteller, die Zur-Mühlen-Gruppe, bestritt allerdings bereits die Vorwürfe und kündigte an, sich gegen ein Bußgeld wehren und Rechtsmittel einlegen zu wollen. Zur Zur-Mühlen-Gruppe gehören auch die Marken Böklunder und Könecke.

Die hohen Strafen zeigen, wie ernst es dem Bundeskartellamt im Kampf gegen verbotene Preisabsprachen ist. Damit stieg die Summe der von der Wettbewerbsbehörde allein in diesem Jahr verhängten Bußgelder auf fast eine Milliarde Euro. Das ist ein neuer Rekord. Bislang galt das Jahr 2003 mit einer Strafe von rund 660 Millionen Euro gegen Firmen aus der Zementindustrie als Rekordjahr. Davon wurden aber nur gut 400 Millionen rechtskräftig.

2014 verhängte das Bundeskartellamt bereits gegen elf Brauereien Geldbußen von fast 340 Millionen Euro

Auch andere Branchen bekamen in diesem Jahr bereits den Zorn der Wettbewerbshüter zu spüren. In der ersten Jahreshälfte verhängte das Bundeskartellamt auch gegen elf Brauereien Geldbußen von fast 340 Millionen Euro. Die Branche soll nach den Ermittlungen der Wettbewerbshüter Preiserhöhungen für Fass- und Flaschenbier abgesprochen haben. Auch hier traf es bekannte Namen wie Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner oder die Radeberger-Gruppe.

Im Februar verhängte die Wettbewerbsbehörde wegen verbotener Preisabsprachen außerdem gegen die drei größten deutschen Zuckerhersteller Südzucker, Nordzucker und Pfeifer & Langen (Diamant-Zucker) Bußgelder in einer Gesamthöhe von rund 280 Millionen Euro.

Kommentare

hilft es dem verbraucher?

strafgelder verhängt das ist ok. aber wie bekomme ich jetzt mein geld zurück?

1 Kommentare

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