Mo., 19.06.2017

Neue Studie der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung zeigt zugleich große regionale Abweichungen Rücken-Patienten werden immer häufiger operiert

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Arno Burgi/dpa

Von Esther Steinmeier

Gütersloh (WB). Die Zahl der Rücken-Operationen in Deutschland ist massiv gestiegen. Die Häufigkeit dieser Eingriffe ist regional allerdings sehr unterschiedlich. 

Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle »Faktencheck Gesundheit«, den die Bertelsmann-Stiftung am Montag veröffentlichen will. Untersucht wurden Krankenhausdaten der Jahre 2007 bis 2015 aus allen 402 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Im Mittelpunkt standen vier Hauptdiagnosen bei Rückenbeschwerden und drei Arten von operativen Eingriffen, die jeweils 80 Prozent der Krankenhausaufenthalte und 50 Prozent der Operationen nach sich zogen.

Steigerung um 36 Prozent

Im Jahr 2007 kamen demnach 358.000 Menschen in Deutschland mit einer der ausgewählten Rückenschmerz-Hauptdiagnosen ins Krankenhaus, 2015 waren es 489.000. Das entspricht einer Steigerung um 36 Prozent. Bei den drei untersuchten operativen Eingriffen betrug die Zunahme sogar 45 Prozent.

Während NRW bei den operativen Eingriffen mit einer Gesamtsteigerungsrate von 46 Prozent ungefähr dem Bundesschnitt von 45 Prozent entspricht und damit im Ländervergleich auf Rang sieben liegt, wird in Hessen und Thüringen deutlich häufiger zum Skalpell gegriffen: Mit einer Steigerung von 67 und 66 Prozent zwischen den Jahren 2007 und 2015 landen diese Bundesländer auf den Rängen eins und zwei. Der Blick in besonders hervorstechende Kreise zeigt gravierende regionale Unterschiede zum Beispiel bei aufwendigen Versteifungsoperationen: Bei Patienten im Landkreis Fulda finden laut »Faktencheck« 13-mal so viele Eingriffe statt wie in Frankfurt/Oder.

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Es braucht dringend mehr Transparenz.

Brigitte Mohn, Vorstand der Stiftung

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Große regionale Abweichungen sind nach Ansicht der »Faktencheck«-Macher ein Indiz dafür, dass sich die Organisation der Versorgung und die Vorgehensweise bei Diagnostik und Therapie von Rückenbeschwerden sehr stark unterscheiden.

»Die Entscheidung für einen operativen Eingriff darf jedoch nicht aufgrund von individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen«, mahnt Eckhard Volbracht, Gesundheits­experte der Bertelsmann-Stiftung. »Es braucht dringend mehr Transparenz über die Gesundheitsversorgung vor Ort, um Über- oder Unterversorgung zu vermeiden«, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Stiftung.

Zahlen aus Ostwestfalen

In Bielefeld haben sich die stationären Klinikaufenthalte beim Krankheitsbild »Sonstige Spondylopathien« (Wirbelsäulendegeneration) mit plus 137 Prozent zwischen 2007 und 2015 mehr als verdoppelt. Bei der Diagnose »Rückenschmerzen« gibt es in den Kreisen Höxter (171 Prozent), Gütersloh (115 Prozent), Minden-Lübbecke (111 Prozent) und Paderborn (101 Prozent) deutliche Zunahmen.

In Bielefeld wurde der Eingriff »Entfernung knöcherner Anbauten am Wirbelkanal (Knöcherne Dekompression)« im Jahr 2007 noch 53 mal pro 100.000 Einwohner durchgeführt, im Jahr 2015 waren es 230 dieser Operationen pro 100.000 Einwohner. Das entspricht einer Zunahme um 335 Prozent.

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