Do., 14.09.2017

Zwei junge Gütersloher haben Bodenplatte und Füße der gestohlenen Stadtpark-Skulptur zu Geld gemacht Teile vom »Wasserträger« einfach verkauft

Ein beliebtes Fotomotiv im Stadtpark war »Der Wasserträger«, eine 100-Kilo schwere Messingskulptur, die gestohlen wurde.

Ein beliebtes Fotomotiv im Stadtpark war »Der Wasserträger«, eine 100-Kilo schwere Messingskulptur, die gestohlen wurde.

Von Wolfgang Wotke

Gütersloh (WB). Im Mai 2013 ist eines der bekanntesten Fotomotive Güterslohs gestohlen worden und nie wieder aufgetaucht: die Messingskulptur »Der Wasserträger« am Stadtparkteich. Am Mittwoch sind zwei Gütersloher verurteilt worden, weil sie Teile dieser Figur an einen Schrotthändler verkauft haben sollen. Beide müssen jeweils 300 Euro Strafe bezahlen, danach wird das Verfahren eingestellt.

»Seit Wochen haben diese Metallteile am Straßenrand zwischen der Oststraße und dem Holzweg gelegen. Wir hatten Hunger und waren in Geldnot, deshalb haben wir sie auf den Gepäckträger eines Fahrrades geladen und sind damit zum Altmetallhändler gefahren«, gaben beide Angeklagten (30 und 26) im Amtsgericht Gütersloh zu.

64,80 Euro für 27,24 Kilo »Mischschrott«

»Zuerst dachten wir, dass es sich dabei um Kupfer handelt, doch dann wurde uns gesagt, dass es nur Mischschrott sei.« Für die 27,24 Kilogramm Messing haben sie schließlich nur 64,80 Euro ausgezahlt bekommen.

Über den Verbleib der gesamten Skulptur (mehr als 100 Kilogramm schwer) würden sie nichts wissen. »Die kennen wir gar nicht«, erklärten die Beschuldigten, die ohne Verteidiger gekommen waren. Man könne ihnen ihre Geschichte nicht widerlegen, sagte der Staatsanwalt und forderte lediglich eine Geldbuße.

Skulptur doch kein Unikat

Die Skulptur war in der Gießerei Schwab (Münster) nach einem Entwurf des heimischen Künstlers Bernd Hartmann gegossen worden. Der Wert war mit rund 30.000 Euro angeben worden. Der Wasserträger, eines der Wahrzeichen des Stadtparks, sei ein Unikat und könne nie wieder beschafft werden, sagte damals die Stadt.

Doch Recherchen des WESTFALEN-BLATTes sorgten für eine Überraschung: Es existierten noch fünf Skulpturen, zwei in Grünwald bei München und drei in Paderborn. Selbst die Gussform war noch vorhanden. Sie befindet sich im Besitz von Manfred Hagen, Immobilieninvestor aus Grünwald.

Hagen war Ehemann der verstorbenen Dr. Ima Rochelle, die in erster Ehe mit dem Schöpfer des Wasserträgers, dem Wiedenbrücker Bildhauer Bernd Hartmann, liiert war. Schließlich entschied sich die Stadt, keinen neuen Wasserträger mehr zu installieren.

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