Sa., 14.01.2017

Firma Dimac will Steilhang im Steinbruch Hesseln mit Abbau sichern Bergkuppe droht abzubrechen

Von unten sieht der 70 Meter hohe Hang harmlos aus. Udo Cosfeld schaut hier aus einiger Entfernung auf das Gefahrenschild. Die Dimac ist eine Tochter der Versmolder Firma Dieckmann, die wiederum an dem Haller Asphalt Mischwerk im Hesseltal beteiligt ist.

Von unten sieht der 70 Meter hohe Hang harmlos aus. Udo Cosfeld schaut hier aus einiger Entfernung auf das Gefahrenschild. Die Dimac ist eine Tochter der Versmolder Firma Dieckmann, die wiederum an dem Haller Asphalt Mischwerk im Hesseltal beteiligt ist. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle  (WB). Spaziergänger und Fossiliensucher im Steinbruch Dimac in Hesseln schweben ebenso in Lebensgefahr wie Hobbysportler mit dem Geländemotorrad: Ein 70 Meter hoher Steilhang im Osten droht abzurutschen. Weil die Bergkuppe zum Mödsiek akut abbruchgefährdet ist, soll sie abgetragen werden – über die genehmigte Abbaugrenze hinaus.

Im Dezember 2011 ist der Berg schon zweimal ins Rutschen gekommen. Damals krachten 5000 Kubikmeter Kalkstein zu Tal. Die Gesteinslawine verschüttete einen 250.000 Euro teuren Bagger. Erst ein halbes Jahr später grub man die Maschine unter Mühen wieder aus. Seitdem sucht die Firma Dimac , die Betreiberin des Steinbruchs sowie eines weiteren in Hilter-Hankenberge, eine Lösung, um die gefährliche Wand zu sichern. »Gutachter Prof. Dr. Müller aus Bünde hat festgestellt, dass die Wand beräumt werden muss«, berichtet Dimac-Geschäftsführer Udo Cosfeld (59). Nur durch einen weiteren Abbau könne man den hohen Druck auf die untere Wand verringern und damit weitere Felsabgänge verhindern.

Von oben ist das Problem mit bloßem Auge zu erkennen: Neben der Abbruchkante zieht sich ein bis zu zwei Meter breiter Riss durchs Gelände. Von dort könnte das Gestein die etwa 70 Grad steile Böschung herunter nachrutschen. Wie es in der Wand aussieht, das beschreibt das Gutachten: In den Cenoman-Kalksteinschichten verläuft ein Band aus Tonmergel. »Eine Schwachstelle«, wie auch Umweltbeauftragter Stephan Borghoff sagt. Denn die Last der oberen Schichten drückt auf die untere Wand. Erschütterungen wie eine Sprengung, aber auch Starkregen und Frost sorgen für eine permanente Abbruchgefahr. »Die Frage ist nur, wann es runter kommt. Das ist ein ziemliches Risiko«, bewertet Stephan Borghoff die Situation.

Zur Sicherung schlägt der Gutachter vor, die Bergkuppe um sechs oder sieben Meter abzutragen und zwar auf 260 Meter Gesamtlänge. Das Bodenprofil soll in Stufen bis zu 25 Meter weit angelegt werden. »Die Wand soll einen ganz flachen Anlauf bekommen«, wie Udo Cosfeld sagt. Die Firma Dimac will dadurch bis zu 40.000 Tonnen Kalk abbauen. Vor der Rutschung soll oben am Berg ein Plateau entstehen, von dem das abgetragene Material über ein Förderband nach unten in den Steinbruch gekippt wird.

Weil FFH-Gebiet und Landschaftsschutzgebiet betroffen sind, müssen die Stadt Halle und der Kreis Gütersloh grünes Licht geben. Ausgleichsmaßnahmen wie ein »Waldumbau« in einen Waldmeister-Buchenwald sind in unmittelbarer Nähe geplant.

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