Di., 14.03.2017

Profiler Axel Petermann zeigt Tatortfotos während der Lesung in Harsewinkel Nichts für schwache Nerven

Von Wolfgang Wotke

Marienfeld (WB). Erwürgt, erstochen, stranguliert: Der ungeklärte Mord an der 19-jährigen Heike Rimbach vor 21 Jahren im Harz beschäftigt ihn auch noch heute. Axel Petermann, Deutschlands bester Profiler, hat diesmal Tatortfotos von damals mitgebracht. In der Hotel Residence Klosterpforte in Marienfeld zeigt er sie.

130 Zuhörer, die am Sonntag zu seiner Lesung gekommen sind, blicken gespannt und voller Aufmerksamkeit auf die Großbildleinwand. Es gibt Kriminalfälle, die noch viele Jahre später die Gemüter bewegen. Das Verbrechen an Heike Rimbach zählt dazu. Die Mutter der Toten versucht zwei Jahrzehnte nach der Tat mit verzweifelter Vehemenz, den Mörder zu finden. Sie geht in Talkshows, schreibt einen Blog.

Und sie hat Axel Petermann engagiert. Der übernimmt den Fall kostenlos, recherchiert vor Ort und verarbeitet alles in einem Buch »Der Profiler«, mit dem er 2016 die Spiegel-Bestsellerliste erstürmt.

Der Kriminalist liefert eine umfassende Beschreibung

In Marienfeld berichtet der 64-jährige ehemalige Kriminalhauptkommissar über seine Arbeit an diesem Fall, »denn bis zum 28. August 1995 schien das beschauliche Leben im 1500-Seelen-Dorf Lüttgenrode in Sachsen-Anhalt unerschütterlich«, sagt er.

Stiefvater Karl-Heinz findet Heike an diesem Morgen auf dem Dachboden des Rimbachschen Hauses: erhängt, blutüberströmt mit schweren Verletzungen am Kopf und mehreren Einstichwunden. Der Täter muss die Umgebung und das Haus gut gekannt haben, vermutet die Polizei. Das glaubt auch Petermann. Was der Kriminalist liefert, ist eine umfassende und umfangreiche Beschreibung von dessen Vorgehen.

Was den erfahrenen Ermittler immer noch entsetzt, ist die Grausamkeit dieser Tat. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass der Mörder mit der Tötung technisch überfordert gewesen ist. »Ich denke, dass es überhaupt nicht geplant war von dem Täter«, vermutet Petermann.

Fälle aus seiner Zeit als Mordermittler bei der Bremer Polizei

Seine Nachforschungen, für die der Profiler ab August 2014 oft an den heute verlassenen Tatort gereist ist, ergeben schließlich einige neue Details. Nüchtern und sachlich beschreibt er, wie er durch Aktenstudium, Gespräche und sogar Selbstversuche zu seinen Ergebnissen gekommen ist.

Das gilt auch für die weiteren Fälle des Buches, die aus seiner Zeit als Mordermittler bei der Bremer Polizei stammen. Auch darüber spricht Petermann mit seinem Publikum, er präsentiert Filmausschnitte aus einem Frankfurter »Tatort«, der einen seiner Fälle behandelt (»Der Tote im Zug«).

Ob Axel Petermann jemals den Mord an Heike Rimbach aufklären kann, weiß er nicht. Dazu fehlten ihm noch einige Ergebnisse. Und nach seiner Lesung verrät er noch: »Ich habe einen Verdacht. Vielleicht kann ich den durch neue Beweise erhärten.«

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