Fr., 15.07.2016

Weinert-Brüder zeigen den Konflikt im Ostkongo – neues Projekt in Moldawien Mit der Kamera in die Krisenregion

Dennis (links) und Patrick Weinert haben das Leben in ostkongolesischen Dörfern festgehalten – die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellenmilizen sorgen für ständige Gefahr. Für ihr nächstes Projekt sind die Brüder aus Rheda-Wiedenbrück in die Republik Moldau gereist.

Dennis (links) und Patrick Weinert haben das Leben in ostkongolesischen Dörfern festgehalten – die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Rebellenmilizen sorgen für ständige Gefahr. Für ihr nächstes Projekt sind die Brüder aus Rheda-Wiedenbrück in die Republik Moldau gereist. Foto: Weinert Brothers

Von Jan Gruhn

Rheda-Wiedenbrück(WB). Ihr neuester Film »Ashes of Kivu«, der die Kämpfe im Ostkongo dokumentiert, ist gerade erst angelaufen. Trotzdem sind die Filmemacher-Brüder Patrick und Dennis Weinert für ihr neues Projekt schon wieder in Moldawien unterwegs, um die Folgen von Migration und Menschenhandel zu zeigen.

Noch heute sind ihnen die Bilder aus den kongolesischen Dörfern präsent: Maschinengewehre rattern in Hörweite. Die Front, an der sich Regierungstruppen und Rebellenmilizen aus Mpati bekämpfen, ist nicht weit. »So etwas verschweigt man dann natürlich, wenn man mit den Eltern telefoniert«, sagt Dennis Weinert, Jahrgang 1992.

Die Brüder sind aktuell in Moldawien unterwegs

Erst ist gemeinsam mit Bruder Patrick, zwei Jahre jünger, in der Republik Moldau unterwegs. »Migration ist hier das Hauptthema«, erklären die Dokumentarfilmer. Viele wandern aus und geraten dann in die Fänge von Menschenhändlern, schildert Dennis Weinert das Hauptproblem. Die Opfer werden dann ausgebeutet, häufig auch zur Prostitution gezwungen.

Dieser junge Mann wurde von Rebellen zwangsrekrutiert, heute boxt er. Foto: Weinert-Brothers

Einfache Themen sind es nicht, die sich die beiden Rheda-Wiedenbrücker vornehmen. Vor wenigen Wochen ist ihr aktueller Film »Ashes of Kivu« angelaufen: eine 50-minütige Dokumentation über den seit mehr als 20 Jahren andauernden Konflikt im Ostkongo. Die Protagonisten: ein junger Künstler, ein ehemaliger Kindersoldat und die Landbevölkerung in der Kivu-Region, die massiv unter den Kämpfen leidet.

Wie gehen Menschen mit Krieg um?

Zwei Monate lang waren sie im Kongo unterwegs, suchten den Kontakt zu lokalen Sicherheitsbehörden und – notwendigerweise – auch zu den Rebellen. Die fast nicht vorhandene Infrastruktur zwang sie zu stundenlangen Motorradfahrten und kilometerweiten Fußmärschen. Alles, um die Frage zu beanworten: »Wie gehen Menschen in unserem Alter, die beinahe über den gesamten Zeitraum ihres Lebens mit Krieg konfrontiert sind, mit ihrem Schicksal um?«

Die beiden Jungfilmemacher wollen politisches Bewusstsein wecken, Sie wollen gerade die jüngere Generation in Deutschland für die Probleme im Kongo sensibilisieren und Empathie erzeugen. Dafür nehmen sie viel in Kauf. »Ich bin zum Beispiel schon lange mit meiner Freundin zusammen«, erklärt Dennis Weinert, aber manchmal lässt der Lebensrhythmus eines Dokumentarfilmers nur wenig Familienfreude zu.

Kurzer Zwischenstopp in Deutschland, dann geht es weiter

In einer Woche sind sie wieder kurz in Deutschland, »dann geht es nach Dubai oder vielleicht auch in die Türkei«, sagt Patrick Weinert. »Sicher ist das noch nicht.« Ungewissheit, mitunter auch Lebensgefahr: alles Dinge, die die beiden Filmaktivisten bereit sind, auf sich zu nehmen – um den Menschen die Probleme der Krisenherde der Welt näher zu bringen.

Demnächst zieht es sie wohl nach Asien. »Wir wollen uns da eine Wohnung nehmen«, erklärt Dennis Weinert. »Hier gibt es viele interessante Themen. Dann muss man auch nicht mehr zigtausende Kilometer anreisen.«

Intensive Beziehung zwischen den Brüdern

Was macht dieses Leben auf Achse, das Pendeln zwischen Kontinenten und Krisenländern mit zwei Brüdern, die im friedlichen Ostwestfalen aufgewachsen sind? »Es schweißt definitiv zusammen«, meint Patrick Weinert. Schließlich ist es gut zu wissen, dass der eigene Bruder neben einem liegt, wenn in der Nacht die Maschinengewehre rattern.

weinertbrothers.com

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