Mi., 19.10.2016

Pastor Dieter Osthus tritt seinen Dienst in St. Ursula an Weltweit vernetzt

Dieter Osthus ist in das Pfarrhaus an der Kirchstraße in Schloß Holte eingezogen. Am kommenden Sonntag wird er während des Hochamtes um 9.45 Uhr in der St.-Ursula-Kirche in sein Amt eingeführt.

Dieter Osthus ist in das Pfarrhaus an der Kirchstraße in Schloß Holte eingezogen. Am kommenden Sonntag wird er während des Hochamtes um 9.45 Uhr in der St.-Ursula-Kirche in sein Amt eingeführt. Foto: Matthias Kleemann

Von Matthias Kleemann

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Die St.-Ursula-Gemeinde und die Pastoralverbünde Schloß Holte-Stukenbrock und Verl bekommen mit Dieter Osthus einen Priester mit einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Lebenslauf.

Das fängt schon mit der Priesterweihe an, die Osthus nicht im Paderborner Dom von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt empfangen hat, sondern in der Rhedaer St.-Johannes-Baptist-Kirche von Weihbischof Friedrich Rintelen. Osthus gehörte zu einem »Zwischenkurs« mit einigen wenigen Priesteramtskandidaten. Bei der Weihe in seiner Heimatstadt im Jahr 1979 war er aber der einzige. »Für die Bevölkerung war das damals eine große Sache.«

Viel ungewöhnlicher ist jedoch Osthus’ weitere Priesterlaufbahn. Er ist nicht, wie so viele seine Amtsbrüder, von Gemeinde zu Gemeinde im Erzbistum gewechselt, sondern hat einen großen Teil seines Wirkens im Ausland verbracht, vor allem in Lateinamerika. »Ich habe alle Länder Südamerikas kennen gelernt, bis auf Argentinien«, erzählt er.

Er kann auf Tätigkeiten in Venezuela und Nicaragua zurückblicken, später eine kurze Zeit in Südafrika. Privat hat er Kontakte nach Benin in Afrika und nach Indien. Dort ist er in den 70er-Jahren sogar Mutter Theresa begegnet. »Der Gedanke Weltkirche war für mich ein Magnet«, sagt Osthus.

"

»Indien hat meinen Blickwinkel total verändert.«

"

Die Reisen nach Indien liegen zum Teil vor seiner Priester-Ausbildung. Osthus hat als Schüler das Collegium Marianum in Neuss besucht, dort Abitur gemacht und kennt aus dieser Zeit auch den ehemaligen Stukenbrocker Pfarrer Bernhard Hamich. »Das Collegium hatte eine internationale Schülerschaft«, erzählt Osthus. Da waren also auch Inder, und so kamen seine ersten Reisen zustande.

»Ich bin acht Mal dort gewesen, vor allem in Kerala. Indien hat meinen Blickwinkel total verändert. Die Armut, die man dort sieht, wie die Menschen auf der Straße leben, das ist unglaublich.« Sein Engagement bleibt den Personalverantwortlichen des Bistums nicht verborgen. Nachdem er Vikarstellen in Iserlohn, Herford und Unna absolviert hat, wird er 1986 während einer Konferenz in Schwerte vom damaligen Personalchef Gerhard Horstkemper angesprochen. Er soll als Nachfolger von Bernhard Hombach, der nach Nicaragua geht, die deutsche Gemeinde in der venezolanischen Hauptstadt Caracas übernehmen.

Dort bleibt Osthus fünf Jahre. Er kümmert sich um die Menschen in einem Armenviertel und baut mit einer Gruppe junger Leute eine Musikband auf. Mit 18 von ihnen tourt er im Jahr 1989 fünf Wochen lang durch Deutschland. »Casemillas« (Weizenkörner) hieß die Band, »exzellente Musiker«. »Das war eine unglaubliche Zeit. Wir sind in zwei kleinen Mercedes-Bussen unterwegs gewesen, kurz vor der Wende.« Und auch finanziell ist die Tour ein Erfolg. 40 000 D-Mark bleiben am Ende als Gewinn.

Dieter Osthus mit Kindern in einem Township. Wo immer er tätig war, hat er sich für die Armen engagiert.

Es folgen fünf Jahre in Unna, dann geht es erneut nach Lateinamerika, diesmal Nicaragua, wo Bernhard Hombach mittlerweile Bischof geworden ist. Im Bistum Juigalpa betreut Osthus eine Gemeinde mit 10 000 Katholiken. »Manche Orte sind dort nur mit dem Maulesel zu erreichen.« Der Priester baut Schulen und Gesundheitszentren, geht erneut in die Armenviertel. »Das sind Bretterhütten und Pappkartons.« Osthus muss miterleben, wie eine Flut eines dieser Viertel komplett zerstört. »All das war auch physisch sehr anstrengend.«

Ab 2001 ist er wieder in Deutschland, diesmal in Hagen. 13 Jahre lang, davon 10 als Dechant. Er engagiert sich für die sozial gerechte Stadt, legt den Schwerpunkt auf die Ökumene und gründet einen interreligiösen Gesprächskreis mit Christen, Juden, Muslimen und Bahá’í (eine Religionsgemeinschaft aus dem Iran).

"

»Man ist sensibilisiert für eine Wirklichkeit, die im Alltag einer normalen Gemeinde ausgeblendet ist.«

"

Noch einmal wird er nach Übersee geschickt, diesmal ist es Kapstadt in Südafrika, wo er erneut die deutsche Gemeinde betreuen soll. Er merkt schnell, dass das nicht sein Ding ist. »Die Weißen leben dort in einer Blase. Man wohnt in schwer bewachten Siedlungen. Als Weißer können Sie auch nicht einfach in ein schwarzes Gebiet gehen. Ich brauche aber einfach Freiheit.«

Seiner Bitte auf Ablösung wird entsprochen. Mit 66 Jahren geht er »zurück zu den Wurzeln«, nah bei Bruder und Schwester, Nichten und Neffen. »Ich bin jetzt erst mal hier und habe Zeit für Begegnungen.«

Was er noch tun kann? Osthus lässt durchblicken, dass ihn die Arbeit mit Flüchtlingen interessieren würde. »Man ist sensibilisiert für eine Wirklichkeit, die im Alltag einer normalen Gemeinde ausgeblendet ist«, sagt er mit Blick auf seine Erfahrungen. »Wir müssen mit anderen eine Kirche sein«, und die Betonung liegt auf dem Wort »mit«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4380100?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198389%2F2516080%2F