Do., 09.11.2017

Ingo Froböse beim Unternehmertag: In Gesundheit muss man investieren Bewegt euch!

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (links) und Werner Thorwesten (rechts) begrüßen Prof. Dr. Ingo Froböse, der gestern Abend in der Aula des Gymnasiums den Vortrag vor den geladenen Unternehmern hielt.

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (links) und Werner Thorwesten (rechts) begrüßen Prof. Dr. Ingo Froböse, der gestern Abend in der Aula des Gymnasiums den Vortrag vor den geladenen Unternehmern hielt. Foto: Matthias Kleemann

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Leistungsfähige Mitarbeiter sind das Kapital der Unternehmen. Die hat der Gastredner des Unternehmertags, Professor Dr. Ingo Froböse, am Donnerstagabend in der Aula am Gymnasium mit den Leistungssportlern eines Fußballvereins verglichen, der auch nichts anderes sei als ein mittelständisches Unternehmen. In Gesundheit müssen die Mitarbeiter und ihre Chefs investieren. Das erhält das Kapital.

»Wir haben kein Belastungsproblem, wir haben ein Regenerationsproblem«, sagt der Sportwissenschaftler. Im Leistungssport wie zum Beispiel im Fußball sei das erkannt worden. »Sportler werden durch die Pausen gut. Nach der Leistung werden sie gehätschelt und getätschelt, ein bisschen Badewanne hier, Massage da. Das geht soweit, dass sie Freizeitcoaches bekommen, um sie im System zu halten.« Was für Sportler gilt, gilt für jeden Menschen, der täglich Leistungen erbringen muss. »Wenn Sie jetzt nach Hause gehen, müssen sie es bis morgen früh schaffen zu regenerieren.«

Regeneration heiße nicht: Ab aufs Sofa, Fernseher an und eine gute Pulle auf den Tisch. Vielmehr bringe Bewegung den Effekt. »Lockeres Auslaufen« oder Cooldown auf Neudeutsch – wie Fußballer nach einem Länderspiel – das regt die Aktivität und den Stoffwechsel an, setzt Hormone fürs Wohlbefinden frei und pustet das Hirn durch. »Danach sind alle Probleme ein Stück kleiner geworden.« Auch im Urlaub, in dem sich der Mensch erholen will, gilt das. Nichts sei erholsamer als eine Woche Skiurlaub: Jeden Tag früh aufstehen, den ganzen Tag in Bewegung an frischer Luft, nachts erholsam schlafen.

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Wer an der Belastungsschraube dreht, muss auch an der Regenerationsschraube drehen.

Ingo Froböse

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In die Gesundheit könne nur investiert werden – und zwar kontinuierlich. Rücklagen bilden könne man nicht. »Wer an der Belastungsschraube dreht, muss auch an der Regenerationsschraube drehen.« Ausreden lasse er nicht gelten. Vor allem nicht die, es fehle die Zeit. »30 Sekunden zwei mal am Tag – das ist eine Vollkaskoversicherung gegen Rückenschmerzen«, macht er mit den 120 Gästen eine einfache Übung. »Sieht blöd aus«, sagt er, als alle auf der Stuhlkante sitzen und die Arme auf und ab bewegen, »ist egal, geht meinetwegen aufs Klo, wo euch keiner sieht.«

Bewegung macht schlau

Ebenso wenig gelten lässt Froböse das Argument, man sei zu alt für Sport und Bewegung. »Muskeln erneuern sich alle 15 Jahre. Das heißt, dass kein Muskel älter als 15 Jahre ist, also in der Pubertät. Und mit Pubertierenden kann man auf die Rolle gehen.« Muskeln muss man allerdings ständig trainieren. »Von nix kütt nix«, kann er locker im Kölschen Dialekt motivieren. Muskeln machen nicht nur schön, sondern stabilisieren die Wirbelsäule und garantieren Mobilität und damit Selbstständigkeit. »Muskulatur ist in jeden Alter trainierbar. Investieren Sie! Machen Sie Gymnastik oder Cross-Fit, egal wie Sie es nennen.« Knochen und Knorpel hängen am Tropf der Bewegung – und: Bewegung macht schlau. »Das bringt Sauerstoff ins Gehirn, ist auch ein Ventil für Stress.«

Bewegung muss nicht in Quälerei ausarten. »Machen Sie es so, dass Sie sich unterfordert fühlen. Wenn Sie sagen: Boah, war dat schön, dann machen Sie es morgen wieder. Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht.« Den Zuhörern machte der Vortrag Spaß. Einer fragte nach Literatur zum Nachlesen. Die gibt’s reichlich – auch von Froböse.

Zur Person

Ingo Froböse, geboren 1957, leitet an der Deutschen Sporthochschule in Köln das Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung und ist Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation. Er hat Sportwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft studiert, wurde 1986 promoviert, 1993 habilitierte er sich. 1995 wurde er zum Hochschullehrer berufen. Er selbst war in der Studienzeit deutscher Vizemeister über 100 Meter Sprint und aktiver Leichtathlet. Für Institutionen und Vereine ist er zudem beratend tätig und als Experte in Medien gefragt, oft mit Beiträgen im ARD-Morgenmagazin oder in n-tv, aber auch in Illustrierten wie Stern, der Brigitte, Fit for Fun oder Men’s Health.

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