Do., 18.05.2017

Gesamtschule kämpft gegen Diskriminierung Verler Schüler erteilen Homophobie die Rote Karte

Rote Karte für den Hass im Alltag: Lehrer Nicolai Domscheit und Schüler der Gesamtschule erteilen Homophobie und Transphobie einen Platzverweis. Die Bildungseinrichtung will im nächsten Jahr zu einer »Schule der Vielfalt« werden.

Rote Karte für den Hass im Alltag: Lehrer Nicolai Domscheit und Schüler der Gesamtschule erteilen Homophobie und Transphobie einen Platzverweis. Die Bildungseinrichtung will im nächsten Jahr zu einer »Schule der Vielfalt« werden. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Verl (WB). »Homophobie hat hier keinen Platz!« Eine ganz klare Absage erteilen die Schüler der Gesamtschule jeglicher Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen. Im nächsten Jahr wollen sie ihre Bildungseinrichtung so zu einer »Schule der Vielfalt« machen.

»Du bist doch schwul«, ist immer noch eine gängige Beleidigung auf deutschen Schulhöfen. Dabei dürften die wenigsten Schüler tatsächlich ein Problem mit Homosexualität haben. Vielmehr ist der Begriff »schwul« im Wortschatz vieler Erwachsener – und dort schnappen Kinder so einiges auf – ein Synonym für etwas Schlechtes. Und diskriminiert so unter anderem laut dem Projekt »Schule der Vielfalt« etwa zehn Prozent aller Schüler, die homo- oder bisexuell sind.

Homophobe Äußerungen schüren Ängste

Dem wollen die Gesamtschüler nun entschieden entgegentreten. Unter der Leitung von Lehrer Nicolai Domscheit habe sie jetzt den Stein ins Rollen gebracht und der Homophobie die »Rote Karte« erteilt. »Es ist wichtig, dass wir Stellung beziehen«, erklärt zum Beispiel Lehrerin Vera Freudenthal, die zusammen mit Domscheit und Kollegin Stefanie Meinecke in der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Demokratie sitzt. Diskriminierung komme im Sprachalltag vor, werde von den Schülern aber oft begangen, ohne sich mit der Thematik auszukennen.

Auf Dauer schaffe dies allerdings Ängste bei Schülern, die homosexuell oder sich ihrer geschlechtlichen Identität nicht sicher sind. »Wichtig ist, dass sich jeder angenommen fühlt«, erklärt Nicolai Domscheit. »Sonst kann man nicht erfolgreich lernen.« Der Lehrer für evangelische Religion und Gesellschaftskunde ist selbst schwul, seine Schülern wissen das. Probleme habe es nie gegeben.

Es geht nicht um die Sexualität

Die Schüler einiger Klassen haben sich bis jetzt in verschiedenen Unterrichtsfächern mit dem Thema auseinandergesetzt. »Es geht allerdings nicht um Sexualität«, betont Domscheit. »Es geht um Diskriminierung.« Deshalb wurde zum Beispiel auch über Rassismus gesprochen – und über Ausgrenzung anderer Art. »Inklusion bedeutet, dass auch die Sexualität mit eingeschlossen ist«, meint Domscheit. Schulleiterin Tanja Heinemann unterstützt das Engagement ihrer Schüler: »Wir müssen solche Themen richtig besetzen.«

Die Aktion soll nur der Auftakt sein: Im nächsten Schuljahr will die Gesamtschule sich am Anti-Diskriminierungsprojekt »Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie« beteiligen, ein Projekt in Kooperation mit dem Schulministerium NRW. Im Bundesland gibt es 17 weitere Schulen der Vielfalt, neben einer Schule in Detmold wäre die Verler Einrichtung die zweite im Regierungsbezirk Detmold. In Workshops soll Schülern zum Beispiel Sensibilität im Umgang mit dem Thema Homosexualität vermittelt werden.

Typische Fragen über das Coming Out

Dazu soll es auch eine Kooperation mit dem Aufklärungsprojekt »SCHLAU Bielefeld« geben. Julian Frenz, der selbst auf der Verler Realschule seinen Abschluss gemacht hat und nun für SCHLAU Schülern regelmäßig von seinem Coming Out berichtet, kennt die typischen Fragen: »Wann hatten Sie ihr Coming Out? Wie haben ihre Eltern reagiert?« Er selbst habe sich bereits in der 10. Klasse geoutet. »Für diese Generation muss der Umgang mit dem Thema ganz normal sein«, fordert zum Beispiel Vera Freudenthal.

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