Di., 03.10.2017

Marktführer aus Verl will Alno-Tochter übernehmen – Warten bei Wellmann in Enger Nobilia soll der Pino-Käufer sein

Blick über das Nobilia-Areal in Verl. Der europaweit führende Küchenbauer soll der Bieter sein, der den Zuschlag für die Alno-Tochter Pino erhalten hat.

Blick über das Nobilia-Areal in Verl. Der europaweit führende Küchenbauer soll der Bieter sein, der den Zuschlag für die Alno-Tochter Pino erhalten hat. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Pfullendorf/Enger/Verl (WB). Beim insolventen Küchenbauer Alno mit der Tochter Wellmann in Enger stehen die Tage der Entscheidung bevor. Derweil verdichtet sich, dass der Verler Branchenprimus Nobilia der potentielle Käufer der Alno-Tochter Pino ist.

Alno hatte am Sonntagabend mitgeteilt, dass die Gläubigerausschüsse einer Kaufofferte für Pino mit Sitz in Coswig (Sachsen-Anhalt) zugestimmt haben. Der Verkauf in Form einer sanierenden Übertragung – das bedeutet eine schuldenfreie Übernahme – steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Insolvenzverwalter sowie die Kartellbehörden.

Pino verfügt über ein reines Montagewerk mit 225 Mitarbeitern, in dem bislang aus angelieferten Teilen Küchen vor allem im Niedrigpreissegment für Baumärkte zusammengebaut werden. Pino gilt von den reinen Finanzdaten als vielversprechendster Teil der Alno-Gruppe.

Insolvenzverwalter Martin Hörmann beabsichtige, das Kaufangebot kurzfristig anzunehmen, teilte dessen Sprecher am Montag mit. Der Investor wolle den Geschäftsbetrieb, die Markenrechte von Pino und alle Mitarbeiter rückwirkend zum 1. Oktober übernehmen. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen handelt es sich dabei um den Marktführer Nobilia. Das Verler Unternehmen ließ eine Anfrage hierzu unbeantwortet.

Arbeitsplätze in Pfullendorf und Enger dauerhaft erhalten

Derweil hat Nobilia, wie berichtet, zwischenzeitlich bestätigt, Vertriebsmitarbeiter von Alno übernehmen zu wollen. In diesem Zusammenhang werde auch geprüft, Büros am Alno-Stammsitz Pfullendorf (Baden-Württemberg) anzumieten. Der »Schwäbischen Zeitung« zufolge geht es um bis zu 30 Vertriebskräfte.

Unterdessen hat das zuständige Amtsgericht Hechingen am Montag die Insolvenzverfahren für die Alno AG und deren deutsche Töchter eröffnet. Als Insolvenzverwalter wurde Hörmann bestätigt. Er hat damit jetzt auch das Recht, Miet- und Leasingverträge mit einer Frist von drei Monaten zu kündigen. Der Fokus gilt aber vor allem der Investorensuche.

Hörmann erklärte, sein Ziel sei es, so schnell wie möglich Fortführungslösungen mit Investoren zu erreichen und möglichst viele Arbeitsplätze auch an den Standorten in Pfullendorf und Enger dauerhaft zu erhalten. Der Insolvenzverwalter führte am Montag konkrete Verhandlungen mit Interessenten. Für Wellmann soll es dem Vernehmen nach bereits mehrere Angebote geben.

Wiederanlauf der Produktion wird vorbereitet

Alno beschäftigt noch rund 1600 Mitarbeiter, davon arbeiten etwa 600 bei der auf Edelküchen spezialisierten Mutter in Pfullendorf, 90 bei einer Logistikfirma am Stammsitz, 440 bei der Mittelklasse-Küchentochter Wellmann in Enger und 230 bei der Noch-Tochter Pino. Der Rest der Mitarbeiter ist im Ausland tätig.

Die Produktion in allen Werken ruht aus finanziellen Gründen seit Mitte September. Die Personalkosten müssen nach dem Auslaufen des Insolvenzgeldes Ende September nun wieder selbst vom Konzern gezahlt werden. Dank eines Notkredits über sechs Millionen Euro , den die britische Investmentgesellschaft Riverrock als Gläubiger gestellt haben soll, dürften die Löhne für mindestens einen Monat gesichert sein.

Mit dem Geld wird der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten. Zudem werde der Wiederanlauf der Produktion in den einzelnen Werken für den Moment vorbereitet, an dem ein Investor übernimmt. Die Mitarbeiter sollen am Mittwoch über die Lage informiert werden.

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