Do., 01.12.2016

Stark besuchte Versammlung – Politik will Projekt wohl bremsen Jede Menge Gegenwind für neues Windrad in Häger

Blick aus der Vogelperspektive auf das kürzlich gebaute Windrad in Rotenhagen. Ein ähnlich großes ist jetzt auch in Häger beantragt.

Blick aus der Vogelperspektive auf das kürzlich gebaute Windrad in Rotenhagen. Ein ähnlich großes ist jetzt auch in Häger beantragt.

Von Stefan Küppers

Werther-Häger (WB). Die Botschaft des Abends ist eindeutig: Ein zweites Windrad in Werther, das ein Investor am Holzweg in Häger an der Grenze zu Schröttinghausen bauen will, soll es nicht geben. Bei einer sehr gut besuchten Versammlung des Vereins Lebensraum Häger manifestierte sich jede Menge Gegenwind. Und auch der Rat scheint auf Abwehrhaltung eingestellt zu sein.

»Wir wollen hier keine Hoppla-Hopp-Entscheidung, sondern brauchen Ruhe im Verfahren. Wir sind auch nicht hilflos ausgeliefert«, gab Rainer Schütz als Vorsitzender des Planungsausschusses und geladener Gast bei der Versammlung die Richtung für kommende Woche vor. Denn am Dienstag, 6. Dezember, 18 Uhr tritt der Planungsausschuss zusammen, um über den beim Kreis eingereichten Antrag der Firma Projekt Ökovest aus Oldenburg auf Errichtung einer 3,3 Megawatt starken Windenergieanlage an der Holzstraße zu beraten.

Die Nabe des Windrades läge in 137 Metern Höhe, der Rotordurchmesser bei 126 Metern. Die mithin 200 Meter Gesamthöhe hält die Bürgermeisterin für kritisch, da der Standort schon bei 143 Meter über Normalnull liegt.

Warnung vor Belastungen durch laute, monotone Geräusche

Dem Ausschuss wird eine Doppelstrategie empfohlen. Zum einen die Zurückstellung des Bauantrages, um eine Entscheidung für zwölf Monate auszusetzen. Zum anderen soll die Bauleitplanung für den Bereich zwischen Holzstraße und Schröttinghauser Straße angepasst werden. »Es geht nicht mit Emotionen. Wenn ein Investor anfängt zu klagen, haben wir schon verloren. Wir können nur mit dem Planungsrecht reagieren«, sagte Schütz und deutete an, dass eine Mehrheit dem Vorschlag folgen dürfte.

Dahinter steht auch die Kalkulation, dass eine Genehmigungsverzögerung bis mindestens ins nächste Jahr hinein die Investition für Ökovest unwirtschaftlich werden lassen könnte. Denn die staatlich garantierten Einspeisevergütungen für Windkraftanlagen werden 2017 drastisch reduziert.

Im Gasthof Weinhorst war es mit nahezu 60 Besuchern so voll, dass einige Gäste sogar stehen mussten. Lebensraum-Vorsitzender Helmut Althoff informierte und moderierte in einer sehr sachlichen Weise und ließ erkennen, dass es im Verein auch durchaus Fürsprecher von Windkraft und ein geschärftes Umweltbewusstsein gibt. Dennoch sprach er sich deutlich gegen die Dimension des geplanten Windrades aus. 200 Meter seien deutlich zu viel. Das müsse auch ein bis zwei Nummern kleiner gehen. Althoff verwies auf das jüngst gebaute Windrad in Rotenhagen sowie die Pläne für zwei bis drei neue Anlagen im nahen Jöllenbeck. Der Sprecher warnte vor den Folgen des Repowerings, dass in einigen Jahren sogar 300 Meter hohe Anlagen dort ersetzt werden könnten. Er forderte außerdem eine Rückbauverpflichtung bei Aufgabe des Windrades, inklusive Bankbürgschaft. Deutlich warnte er vor Belastungen durch laute, monotone Geräusche und Schattenschlag.

Die Diskussion wurde zwischenzeitlich sehr rege. Ein Anlieger des Surmann-Windrades, der gegen dessen Genehmigung auch vor dem Verwaltungsgericht klagt, warf der Mehrheit im Rat vor, mit ihrer früheren Entscheidung zur Aufgabe der alten (höhenbegrenzten) Windvorrangzone die heutige Entwicklung überhaupt erst ermöglicht zu haben. Diesen Vorwurf unterstützte sinngemäß auch UWG-Fraktionschef Uwe Gehring aus Häger. Es gehe nur darum, dass ein Investor einen möglichst hohen Ertrag erhalte. Die Belange des Bürgers seien da völlig egal, klagte Uwe Gehring. Leider gebe es Grundeigentümer, die dabei mitmachten.

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