Do., 14.09.2017

Etikette-Trainerin spricht in Werther über gutes Benehmen und Fettnäpfchen im Alltag Birte Steinkamp: »Wer verkrampft, wirkt steif und unsympathisch«

Die Perlenkette allein ist kein Garant: Wer einen guten ersten Eindruck hinterlassen will, sollte nicht nur auf ein gepflegtes Äußeres achten. Birte Steinkamp gibt Tipps für gutes Benehmen.

Die Perlenkette allein ist kein Garant: Wer einen guten ersten Eindruck hinterlassen will, sollte nicht nur auf ein gepflegtes Äußeres achten. Birte Steinkamp gibt Tipps für gutes Benehmen.

Werther (WB/jog). Gutes Benehmen, aber zeitgemäß. Darüber spricht die Trainerin für Business-Etikette Birte Steinkamp am Donnerstag um 20 Uhr im Haus Werther. Welche typischen Fettnäpfchen es gibt und wie man sie vermeidet, möchte Johannes Gerhards vom Vorstandsmitglied der Deutschen Knigge-Gesellschaft wissen.

Ist im Brief die Anrede »Hallo und guten Tag« in Ordnung, obwohl ich Sie nicht kenne? Oder sollte ich lieber »Sehr geehrte Frau Steinkamp« nutzen?

Birte Steinkamp: Mit einem »Guten Tag« oder einem ähnlichen Gruß trete ich heutzutage sicher kaum jemandem auf den Schlips, wenn mir »Sehr geehrte Frau / geehrter Herr« zu steif klingt. Allerdings ist das immer noch eine gängige Anrede, mit der ich nichts falsch machen kann. Je fremder mir die Person ist, desto höflicher wirkt gerade diese Anrede. Im Zweifel würde ich mich hier immer für die höflichste Variante entscheiden.

Was sollte man in einer E-Mail unbedingt vermeiden?

Steinkamp: Fehler. Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler sind oft ein Zeichen von Eile oder eben mangelnder Bildung. Seien Sie sich bewusst, dass Ihre E-Mail einen Eindruck hinterlässt. Außerdem sind Beleidigungen oder verbale Angriffe natürlich unbedingt zu vermeiden.

Wie ruft man im Restaurant die Kellnerin oder den Kellner an den Tisch? Oder wartet man lieber dezent, bis das Bedienungspersonal von sich aus aufmerksam wird?

Steinkamp: Die Königsdisziplin lautet hier: Blickkontakt. Das setzt allerdings voraus, dass auch der Service entsprechend geschult ist und so stets mit dem Gastgeber am Tisch Kontakt hält. Natürlich ist auch ein Handzeichen eine höfliche Geste, mit der ich auf mich aufmerksam machen kann – allerdings ohne Schnipsen oder Klatschen. Unbedingt vermieden werden sollte das Rufen jeglicher Art: »Fräulein«, »Hallo« oder »Entschuldigung« dürfen heutzutage nicht mehr nötig sein, um als Gast bedient zu werden.

Wie verhalte ich mich, wenn ich von einem Mann per Handschlag begrüßt werde und eine Frau neben ihm steht? Ist es korrekt, seine Hand zurück zu weisen, um die Dame zuerst zu begrüßen?

Steinkamp: Bitte nicht! Das Zurückweisen einer zum Gruß ausgestreckten Hand ist eine echte Unhöflichkeit. Damit stellen Sie Ihren Kunden bloß und bringen ihn nur unnötig in Verlegenheit. Ungeachtet der Tatsache, was hier rangtechnisch korrekt wäre gehen Sie korrekt mit der Situation um, indem Sie den Gruß erwidern. Im Business gibt es übrigens kein »Ladies first«.

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Das größte Fettnäpfchen ist, wenn ich mein Gegenüber bloßstelle.

Birte Steinkamp

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Was ist die am meisten begangene oder am weitesten verbreitete »Benimmsünde«?

Steinkamp: Ich würde es gar nicht »Benimmsünde« nennen, denn Benimm ist immer auch eine Form von Respekt und Höflichkeit. So kann ich am tiefsten in ein Fettnäpfchen treten, wenn ich mein Gegenüber nicht angemessen behandle oder bloßstelle. Das kann ein fehlender Gruß sein, ein unangebrachter Schulterklopfer beim Vorstandschef oder auch einfach ein fehlendes »Danke«. Sie merken, ich kann Ihnen kein konkretes Beispiel nennen, das häufig schief läuft. Etikette und Benimm ist stets eine Sache des sozialen Miteinanders und stark von der Situation und von den Rollen der Beteiligten abhängig.

Kann gutes Benehmen auch nach hinten losgehen, wenn es antiquiert wirkt?

Steinkamp: Und wie! Nämlich immer dann, wenn ich es übertreibe. Gespielte Etikette bringt mich irgendwann nur in Schwierigkeiten. Wer verkrampft versucht, alle Regeln einzuhalten, wirkt steif und unnatürlich und damit auch unsympathisch. Darum seien Sie lieber natürlich höflich als gespielt perfekt.

Welches Benehmen war Ihnen schon mal peinlich?

Steinkamp: Wirklich peinlich tatsächlich nichts. Aber es gab und gibt natürlich auch für mich Momente, in denen ich mit Etikette und Spontaneität jonglieren muss. Da sind der vergessene Name, der fallengelassene Löffel oder die Verspätung zum Termin die besten Beispiele. Die Kunst aber ist, mit diesen Situationen souverän umzugehen, ohne dabei seinen Charme und die Natürlichkeit zu verlieren.

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