Do., 01.12.2016

Wegen Bekenntnisschule: Ratsherr Norbert Darnauer (UWG) schreibt Brief an Pädagogen Ratsherr kritisiert Schulleiter

Nur zu gerne würde der Trägerverein der Georg-Müller-Schulen den alten Gebäudekomplex an der Schierholzstraße in Ahle erwerben. Über dieses Thema werden die Mitglieder des Bünder Schulausschusses in der kommenden Woche beraten.

Nur zu gerne würde der Trägerverein der Georg-Müller-Schulen den alten Gebäudekomplex an der Schierholzstraße in Ahle erwerben. Über dieses Thema werden die Mitglieder des Bünder Schulausschusses in der kommenden Woche beraten. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB).UWG-Ratsherr Norbert Darnauer wirft den Bünder Grundschulleitern in einem Schreiben vor, mit aller Macht die mögliche Einrichtung einer Bekenntnisschule in Ahle torpedieren zu wollen. »Sie setzen alles daran, dies zu verhindern«, schreibt der Unabhängige in dem Brief mit kritischem Inhalt.

Sitzung am 7. Dezember

Der Schulausschuss der Stadt Bünde wird am 7. Dezember zusammenkommen und sich mit dem möglichen Verkauf des ehemaligen Ahler Grundschulgebäudes beschäftigen. Wie mehrfach berichtet, hat der Trägerverein der Georg-Müller-Schulen sein Interesse bekundet, in dem Komplex eine Bekenntnisschule evangelikaler Prägung errichten zu wollen. Nicht nur die Schulleiter der acht öffentlichen Bünder Grundschulen, sondern auch große Teile der örtlichen Politik hatten im Vorfeld Kritik an diesem Vorhaben geäußert. Für eine Bekenntnisschule hatte sich unter anderem die Ahler Dorfgemeinschaft stark gemacht.

Im Beschlussvorschlag für die Ausschusssitzung em­pfiehlt die Verwaltung, einen Verkauf des Schulgebäudes an einen anderen Schulträger nicht in Betracht zu ziehen, um den Bestand der bestehenden Einrichtungen – und somit den Schulentwicklungsplan – nicht zu gefährden. Die Entscheidung über den Verkauf wird letztlich der Verwaltungsrat der Kommunalbetriebe Bünde (KBB), die Eigner des Gebäudekomplexes sind, treffen.

Mit seinem Schreiben, das er am Montag per Mail an die Schulen versandt hat, will Darnauer seine Enttäuschung über das Verhalten der Pädagogen zum Ausdruck bringen. Diese befürchten – nach Ansicht des Ratsherrn allerdings zu Unrecht –, dass die Bekenntnisschule evangelikaler Prägung, die der Trägerverein der Georg-Müller-Schulen nur zu gern im alten Ahler Schulkomplex etablieren will, den bereits bestehenden Bildungseinrichtungen die Schüler wegnehmen könne (wir berichteten exklusiv).

»Wahrscheinlich werden maximal 25 Schüler aus Bünde pro Einschulungsjahrgang diese Schule besuchen. Bei zirka 400 Einschulungen im Jahr haben Sie Sorge, die öffentlichen Grundschule wären im Bestand bedroht. Dies ist mathematisch unmöglich«, wendet sich Darnauer an die Schulleiter. Entsprechende Zahlen hat er dem Schulentwicklungsplan der Stadt entnommen.

Darnauer betont in dem Schreiben seine Überzeugung, dass die Lehrer an den öffentlichen Schulen hervorragende Arbeit leisten. Allerdings verstehe er nicht, warum die Pädagogen ihre eigene Arbeit für so schlecht halten würden, dass sie bei der Einrichtung einer Bekenntnisschule »befürchten müssen, die Schüler verlassen in Scharen die öffentlichen Schulen«. »Wäre dies der Fall, hätten wir ein ganz anderes Problem. Sie urteilen pauschal über eine ganze Gruppe, in diesem Fall über die Russlanddeutschen. Die pauschale Verurteilung ganzer Gruppen wird Rassismus genannt«, so Darnauer. Der UWG-Ratsherr wirft den Schulleitungen zudem vor, den christlichen Glauben auf eine Stufe mit islamistischen Fundamentalismus zu stellen. »Woher kommt die Fachkenntnis, dies beurteilen zu können?«, fragt Darnauer, der zudem kritisiert, dass die Pädagogen behauptet hätten, die Hospitationsanfrage von Bünder Lehrern an einer Georg-Müller-Schule sei abgelehnt worden.

Darnauer: »Laut Auskunft der Georg-Müller-Schulen hat es diese Anfrage nicht gegeben. Ich bin zuerst von einem Missverständnis ausgegangen und wollte dies ohne Öffentlichkeit klären.« Doch auch auf mehrfache Bitten an Iris Wilsmann, die Sprecherin der Bünder Schulleiter, wenigstens das Datum der Anfrage und den Namen des Mitarbeiters, der die Anfrage abgelehnt hat, zu nennen, habe Darnauer bislang keine Auskunft erhalten: »Verständlicherweise entsteht so bei mir der Eindruck, dass es diese Anfrage und Ablehnung nie gegeben hat.«

Weiterhin betont der Lokalpolitiker gegenüber den Schulleitern: »Ich finde es erschreckend, mit welcher Einstellung Sie als Landesbeamte einer durch das Land NRW genehmigten und von der Verfassung dieses Landes geschützten Schule gegenüberstehen.« Die Pädagogen wollen zu den Vorwürfen Darnauers öffentlich keine Stellung beziehen, wie Barbara Hommel, Leiterin der Grundschule in Hunnebrock, mitteilte. Am Dienstagabend hatten die Rektoren sich zu dem Brief des UWG-Politiker ausgetauscht. Hommel: »Von unserer Seite ist alles gesagt. Wir werden keine weitere Stellungnahme abgeben.«

Kommentare

Bekenntnisschule - Quo vadis?

Was mich bei der "Diskussion" um die Bekenntnisschule verwundert ist der Umstand, dass das Schulverwaltungsamt Bünde bemüht ist, ein durch die Verfassung gegebenes Recht durch Verwaltungsrecht zu verhindern. Zugegeben es ist ein Recht für eine bundesweite Minderheit, aber eine Minderheit die eben nicht negativ in der Gesellschaft auffällt - der Kreisverband der CDU in Gütersloh stellte zur Integration russland-deutscher Christen fest: " Kein signifikantes Kriminalitätsprofil" aber "Mitwirkung im
gesellschaftlich politischen Kernbereich". Soll dieses Recht nun für dreißig Silberlinge verschachert werden? Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ist nicht zum Nulltarif zu haben und diese Grundordnung gilt für jeden. Wenn in der bisherigen Diskussion nicht begründbare und haltbare Anschuldigungen in den Raum geworfen werden und diese nicht ausgeräumt werden, haben die beteiligten Parteien definitiv ein Problem mit dem achten Gebot.

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