Fr., 13.01.2017

Polizisten bringen am Blitzeis-Samstag zwei Ärzte ins Krankenhaus Mit Spikes zum OP-Saal

Polizeihauptkommissar Philipp Hesse zeigt die Spikes-Reifen, die bei Glatteis auf den Streifenwagen aufgezogen werden.

Polizeihauptkommissar Philipp Hesse zeigt die Spikes-Reifen, die bei Glatteis auf den Streifenwagen aufgezogen werden. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Weil zwei Chirurgen des Lukas-Krankenhauses wegen des Blitzeises am Samstag nicht allein in die Klinik kommen konnten, holte die Polizei die beiden Ärzte von zu Hause ab. »Ohne diesen Einsatz hätten viele Patienten auf ihre OP warten müssen«, sagt Krankenhausvorstand Dr. Hans-Ulrich Sorgenfrei.

»Ab 18 Uhr kam der Eisregen – und von da an hatten die Mitarbeiter in unserer Notfallambulanz alle Hände voll zu tun«, sagt Krankenhausmitarbeiter Sven Kampeter , der am besagten Abend in der Telefonzentrale der Klinik seinen Dienst versah. Pausenlos klingelte sein Apparat, immer neue Notfälle wurden gemeldet. Zahlreiche Bürger stürzten auf den spiegelglatten Straßen und Wegen der Region und zogen sich Brüche zu. Ein OP-Team war bereits im Dauersatz.

Ärzte konnten wegen der Glätte selbst nicht fahren

Kampeter: »Aber wir brauchten noch mehr Verstärkung, alarmierten gegen 22 Uhr die Ärzte Dr. Alexander Härter und Dr. Bernd-Wolfgang Bär, um uns zu unterstützen.« Das Problem: Aufgrund der Witterung konnten die Ärzte mit ihren eigenen Autos nicht zur Klinik gelangen. »Ich habe dann die Feuerwehr angerufen und gefragt, ob sie die beiden abholen kann. Aber alle Fahrzeuge waren im Einsatz. Und sämtliche Taxi-Unternehmen hatten bereits ihren Fahrbetrieb eingestellt«, so Kampeter, der schließlich bei der Polizei um Amtshilfe bat: »Das war wirklich unsere letzte Chance.«

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Beamten ein Dienstfahrzeug bereits mit so genannten Spikes ausgerüstet, um bei der Glätte besser voranzukommen. Mit diesem setzte sich Dienstgruppenleiter Philipp Hesse in Bewegung um Dr. Bär abzuholen. Der Polizist betont: »Spikes sind für den normalen Fahrzeugverkehr verboten und nur für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei zugelassen. Vorsichtig fahren musste ich natürlich trotzdem.« Die Beamten Hendrik Brinkmann und Kenan Zilyas fuhren zeitgleich mit ihrem Streifenwagen – ohne Spikes – zu Alexander Bär.

Bereits nach knapp 20 Minuten waren die Ärzte dank der Polizisten im Lukas-Krankenhaus, konnten ihre Kollegen unterstützen. »Insgesamt 36 Operationen haben wir von Samstagabend bis Sonntagnachmittag durchgeführt – und das waren nur die Notfälle«, berichtet Hans-Ulrich Sorgenfrei . Bei anderen Patienten seien die Brüche zunächst eingegipst worden, mittlerweile seien aber auch diese allesamt operiert.

Dank für unkomplizierte Hilfe

Um sich für die unkomplizierte Amtshilfe der Beamten zu bedanken, brachten Sorgenfrei und Kampeter am Donnerstag Schokolade und einen Korb mit Wurst auf der Polizeiwache vorbei. »Wir wollen einfach Danke sagen, auch im Namen unserer Patienten. Deren Versorgung wäre ohne die Unterstützung der Beamten nicht in dem Maße möglich gewesen«, so der Krankenhausvorstand.

Für die Polizisten ist ihr Einsatz jedoch eine Selbstverständlichkeit. »Wir sind für die Strafverfolgung und die Gefahrenabwehr zuständig. Zweiteres war Samstag unsere Aufgabe. Wenn Not am Mann ist, fahren wir natürlich auch Ärzte ins Krankenhaus«, sagt Wachdienstleiter Christian Kri­stahn. Mit Blick auf die Wetterverhältnisse der kommenden Tage appelliert der Beamte zugleich an die Bürger, bei extremer Glätte nicht vor die Tür zu gehen oder mit dem Auto zu fahren, falls es nicht unbedingt sein muss.

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