Fr., 10.11.2017

Rote Rosen am jüdischen Mahnmal in Bünde niedergelegt Schüler setzen ein Zeichen gegen das Vergessen

Zeichen setzen: Schülerinnen und Schüler der Realschule Mitte, Lehrer und Vertreter der Verwaltung legten je eine Rose an das jüdische Mahnmal am Marktplatz.

Zeichen setzen: Schülerinnen und Schüler der Realschule Mitte, Lehrer und Vertreter der Verwaltung legten je eine Rose an das jüdische Mahnmal am Marktplatz. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Von Karl-Hendrik Tittel

Bünde (WB). Ein kalter Wind fegt das Laub über die Straße, begleitet von melancholischen Blechbläserklängen. Als Farbtupfer im Novembergrau zeichnen sich die roten Rosen in den Händen der versammelten Menschen ab – sie sind Zeichen des Erinnerns an die Opfer der Naziherrschaft sowie des damit verbundenen Terrors, der auch vor Bünde nicht haltmachte.

Kaufhaus ging in Flammen auf

Diesmal ausgerichtet von der Realschule Mitte, nahmen Schüler der zehnten Jahrgangsstufen aller weiterführenden Schulen in Bünde an einer Gedenkfeier am jüdischen Mahnmal am Marktplatz teil. Sie waren am Donnerstag – dem Jahrestag der Novemberpogrome, zusammengekommen – die vom Naziregime gelenkten Terror- und Gewaltmaßnahmen gegen Juden in ganz Deutschland.

»Die Zerstörungswut erreichte Bünde am 10. November«, sagte Wolfgang Koch in seiner Ansprache nach der Kranzniederlegung am Mahnmal. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Gewalt gegen die Bünder Juden auf Initiative des damaligen Herforder Landrates Hartmann ausging. Als Folge wurden die Synagoge an der Eschstraße zerstört und die liturgischen Gegenstände zur Schau gestellt. Das Kaufhaus Spanier am Goetheplatz ging in Flammen auf und 25 Bünder Juden wurden deportiert.

Das sei 79 Jahre her, welche Bedeutung habe das heute noch für uns? »Judenhass und Diskriminierung sind keine Vorkommnisse aus einer lange zurückliegenden Vergangenheit – sie sind erschreckend aktuell«, sagte Koch und schilderte einen vor Kurzem erst bekannt gewordenen Fall von gewalttätigem Antisemitismus an einer Berliner Schule. Die unfassbaren Verbrechen des Naziregimes dürften nie in Vergessenheit geraten, man müsse sich bewusst erinnern – und für Menschenrechte, Frieden, Freiheit und Demokratie einstehen. »Aufklärung und klare Positionierung sind Bausteine einer Mauer, an der Hass und Gewalt abprallen«, so Koch.

52 Bünder Juden von den Nazis ermordet

Klar positionierten sich – stellvertretend für alle Anwesenden – sieben Schüler aus der

10b der Realschule Mitte während ihres Wortbeitrages. Sie beschrieben die verbrecherischen Geschehnisse am 10. November in Bünde und betonten ebenfalls, dass diese von den Nationalsozialisten »zentral geplant« waren. 52 Bünder jüdischen Glaubens wurden während der nationalsozialistischen Diktatur ermordet. »Wir werden die Namen der Opfer nicht vergessen« – einige Namen wurden verlesen.

Anschließend legten Schüler, Lehrer, Bürger und Vertreter der Verwaltung Rosen an das Mahnmal. »Ich finde es wichtig, ein Zeichen für Respekt und Menschenrechte zu setzen«, sagte Saleh Mustafayev. Der 16-jährige Schüler lebt seit vier Jahren in Deutschland, aus seinem Heimatland Aserbaidschan kennt er politische Verfolgung aus eigener Erfahrung.

Die Gedenkfeier wurde musikalisch von der Big Band des Markt-Gymnasiums unter der Leitung von Elke Henkemeier begleitet.

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