Fr., 05.09.2014

Jeside Ibrahim S. aus Enger sorgt sich um die Sicherheit seiner Familie im Irak  »Das Morden muss aufhören«

Mit großer Sorge verfolgt Ibrahim S. die Neuigkeiten aus seinem Heimatland auf dem kurdischen Fernsehsender Rudaw. Der 29-Jährige möchte auf dem Foto nicht erkannt werden. Er hat Angst, dass Salafisten in OWL in erkennen könnten.

Mit großer Sorge verfolgt Ibrahim S. die Neuigkeiten aus seinem Heimatland auf dem kurdischen Fernsehsender Rudaw. Der 29-Jährige möchte auf dem Foto nicht erkannt werden. Er hat Angst, dass Salafisten in OWL in erkennen könnten.

Von Daniel Salmon

Enger (WB).»Jeden Tag gibt es neue schlechte Nachrichten aus meiner Heimat«, sagt Ibrahim S. (Name geändert). Der Engeraner gehört dem jesidischen Glauben an, seine Familie befindet sich noch im Irak. »Sie musste vor den Soldaten der Terrorgruppe IS flüchten. Ich mache mir große Sorgen um die Sicherheit meiner Eltern und Geschwister«, sagt der 29-Jährige.

 Ibrahim S. lebt seit mehr als zehn Jahren in der Bundesrepublik. Seinen richtigen Namen und sein Foto möchte der junge Mann nicht in der Zeitung sehen. Die Attacke auf einen jesidischen Imbissbesitzer vor einigen Wochen in Herford hat in vorsichtig werden lassen. »Es gibt auch hier in der Region Salafisten. Von denen möchte ich nicht erkannt werden«, sagt der Engeraner.

 Geboren wurde Ibrahim S. in der Nähe der Stadt Sindschar. Während des zweiten Irak-Kriegs floh er über die Türkei aus seinem Heimatland. Die Schergen des damaligen Machthabers Saddam Hussein hatten seinen Großvater und dessen Brüder ermordet. »Weil sie Jesiden waren. Und ich hatte Angst, dass sie mich auch umbringen«, sagt der 29-Jährige. Nun muss Ibrahim S. zwar nicht mehr um sein eigenes Leben fürchten, wohl aber um die Sicherheit seiner im Irak verbliebenen Familienmitglieder. »Mein Eltern, meine beiden Brüder und meine Schwester sind noch dort«, erzählt er.

Viele Bekannte wurden hingerichtet

 Als Ibrahim S. vor einigen Wochen über den kurdischen TV-Sender »Rudaw« über den Vormarsch der Terrorgruppe »Islamischer Staat« (IS) auf seine Heimatstadt Sindschar erfuhr, rief er sofort seinen Vater an. »Der sagte zu mir: ›Hier ist Krieg. Die bringen alle um!‹«, schildert Ibrahim S. und ergänzt: »Viele unserer Bekannten wurden hingerichtet und die Frauen verschleppt.« Schreckliche Gräueltaten sollen die IS-Kämpfer laut den Aussagen des Vaters an Jesiden und Kurden verübt haben. »Die Menschen mussten sich auf die Straße legen und dann sind die IS-Kämpfer mit Autos über sie hinweggefahren. Auch die Kinder sollen sie so getötet haben«, erzählt Ibrahim S. sichtlich schockiert.

Er sagt: »Meine Familie ist sofort geflohen. Ich hatte schreckliche Angst um sie« Wie viele andere Jesiden suchten auch Eltern und Geschwister von Ibrahim S. zunächst im nahegelegenen Sindschar-Gebirge Zuflucht. »Sie haben nichts mitnehmen können, außer ein paar Lebensmitteln. Aber die Versorgungslage in den Bergen soll sehr schlecht gewesen sein. Wasser gab es auch keins. Viele Kinder sind verdurstet, hat mein Vater erzählt. Er selbst leidet an Diabetes und ist auf Medikamente angewiesen. Die gab es dort auch nicht. Es ist eine schreckliche Katastrophe, die in meiner Heimat passiert«, so der gebürtige Iraker.

»Wir können nur beten«

 Besonders schlimm für den 29-Jährigen: »Ich sitze hier in Deutschland und kann nichts tun.« Mittlerweile sei seine Familie von kurdischen Peschmergas in die Stadt Zakho – ganz in der Nähe der türkischen Grenze – gebracht worden. »Aber auch dort ist es nicht ganz sicher für meine Leute. Mein Vater sagt, er kann kaum schlafen. Er hat Angst, das er erneut flüchten muss«, sagt Ibrahim S. besorgt. Er fordert: »Europa und die USA müssen Soldaten in die Region schicken und die Kurden im Kampf gegen IS unterstützen. Alleine schaffen die das nicht. Das Morden an meinem Volk muss einfach aufhören«, sagt der junge Mann und blickt in den Fernseher in dem abermals das Programm des kurdischen Nachrichtensenders »Rudaw« über den Bildschirm flimmert.

 Auch mit seinen Landsleuten in Deutschland spricht Ibrahim S. oft über die Situation im Irak. »Viele haben bereits Familienangehörige verloren. Es ist einfach schrecklich für uns, das Leid unseres Volkes aus tausenden Kilometern mitverfolgen zu müssen«, sagt er traurig: »Das Einzige, was wir tun können, ist, für unsere Familien zu beten.«

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