Di., 24.10.2017

400 der 570 Beschäftigten in Pfullendorf betroffen – schwierige Investorensuche für Wellmann in Enger Freigestellt: Nun trifft es auch die Mitarbeiter am Alno-Stammsitz

Alno-Werk in Pfullendorf in Baden-Württemberg: Die zum Teil langjährigen Mitarbeiter des Küchenherstellers hoffen nun, dass die Gespräche mit einem Investor erfolgreich sind.

Alno-Werk in Pfullendorf in Baden-Württemberg: Die zum Teil langjährigen Mitarbeiter des Küchenherstellers hoffen nun, dass die Gespräche mit einem Investor erfolgreich sind.

Von Edgar Fels

Pullendorf/Enger (WB) . Betroffene Gesichter bei den Alno-Beschäftigten in Pfullendorf: 400 der 570 Mitarbeiter des insolventen Küchenherstellers werden – wie es bereits bei der Alno-Tochter Wellmann in Enger der Fall ist – von Dienstag an freigestellt.

Das teilte, wie berichtet, Insolvenzverwalter Martin Hörmann am Montag nach einer Mitarbeiterversammlung in Pfullendorf in Baden-Württemberg mit. Die finanzielle Lage von Alno habe den Schritt notwendig gemacht. Die IG Metall sprach von einem »schwarzen Tag« für Alno.

170 Mitarbeiter dürfen bleiben

170 Mitarbeiter einschließlich der Auszubildenden dürfen vorerst bleiben. Sie gehören einem Team an, das den Investorenprozess begleiten und insolvenzspezifische Aufgaben erledigen soll. Dazu gehörten etwa Buchhaltung, EDV und Werksschutz.

Zudem wurden 47 der 87 Mitarbeiter der in Pfullendorf angesiedelten Logistik-Tochter ebenfalls freigestellt. Bei der Tochter Wellmann sind bereits seit längerem 365 von knapp 400 Mitarbeitern freigestellt. In Enger gehören 31 Beschäftigte zum Team, das den so genannten Investorenprozess begleiten soll. Hinzu kommen die Auszubildenden.

Damit hat die Alno AG nun einen Großteil ihrer etwa 1060 Beschäftigten freigestellt. Die 230 Mitarbeiter der Alno-Tochter Pino in Coswig (Sachsen-Anhalt) sind dagegen wohl gerettet, nachdem der Verler Küchenhersteller Nobilia die Firma übernahm.

Freigestellte Mitarbeiter erhalten zunächst Gelder von der Agentur für Arbeit

Die freigestellten Alno-Mitarbeiter erhalten Geld von der Agentur für Arbeit – etwa in Höhe des Arbeitslosengeldes. Wie lange dieser Zustand andauert, kann derzeit niemand sagen. Nur soviel: Der Insolvenzverwalter will bis Ende Oktober einen Sozialplan und Interessenausgleich mit dem Betriebsrat aushandeln. Erst danach könnten Kündigungen ausgesprochen werden, heißt es.

Alno hatte im Juli Insolvenzantrag gestellt. Seit Mitte September kann das Unternehmen aus Geldmangel schon nicht mehr produzieren. Ende September lief zudem das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur aus, seitdem musste Alno die Mitarbeiter selbst bezahlen.

Verhandlungen über Verkauf des Unternehmens laufen

In Pfullendorf werde weiter mit einem »ernstzunehmenden Interessenten« über einen Verkauf des Unternehmens verhandelt, betonte Hörmann am Dienstag. »Die Übernahmeverhandlungen befinden sich in entscheidender Phase.« Hier gibt es offenbar Hoffnung auf eine Lösung.

Anders offenbar in Enger: Auch für die Tochter Wellmann laufen Gespräche mit Investoren. Namen werden aus Gründen der zugesagten Vertraulichkeit nicht genannt. Allerdings gestalte sich die Situation in Ostwestfalen sehr schwierig. »Es zeichnet sich ab, dass eine Fortführungslösung eher unwahrscheinlich wird«, ließ Insolvenzverwalter Hörmann mitteilen. »Die Lage ist schwierig und steht unter einem enormen Zeitdruck. Ich bedauere sehr, dass es aufgrund der Liquiditätssituation zu den Freistellungen kommen musste. Aber wir geben nicht auf und werden alles versuchen, um eine Zukunftslösung für Alno und die Mitarbeiter zu erzielen.«

 

Kommentare

Wer glaubt jetzt noch dem "Sprücheklopfer" Hörmann. Alles was Hörman biskang von sich gegeben hat, ist doch nur heiße Luft. Erst hieß es, es gebe ein 6-Millionen-Kredit, der die Löhne und Gehälter bis Ende Oktober sicherstellt, dann ist auf einmal Mitte Oktober kein Geld mehr da. Erst hieß es, für Wellmann gebe es ernsthafte Investoren, jetzt sind auf einmal die Verhandlungen sehr schwierig und eine Fortführungslösung sei eher unwahrscheinlich. Jetzt will der Insolvenzverwalter bis Ende Oktober einen Sozialplan und Interessenausgleich aushandeln, wahrscheinlich springen pro Arbeitnemer 50 Cent heraus, von denen 45 Cent in die Insolvenzkasse zurückgeführt werden müssen. Tolle Aussichten für die Alno- und Wellmann-Beschäftigten also.

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