Do., 09.11.2017

Küchenhersteller immer noch zwischen Schließung und Übernahme Wellmann: Sozialplan steht – Zukunft weiterhin ungewiss

Mit dem Sozialplan ist am Montag die rechtliche Voraussetzung für die Kündigung geschaffen worden: Der überwiegende Teil der etwa 400 Wellmann-Beschäftigten ist bereits seit längerem von der Arbeit freigestellt.

Mit dem Sozialplan ist am Montag die rechtliche Voraussetzung für die Kündigung geschaffen worden: Der überwiegende Teil der etwa 400 Wellmann-Beschäftigten ist bereits seit längerem von der Arbeit freigestellt. Foto: Oliver Schwabe

Von Peter Schelberg

Enger (WB). Für die etwa 400 Beschäftigten des insolventen Küchenherstellers Wellmann gibt es einen Sozialplan: Das hat der Sprecher des Betriebsrates bestätigt.

»Man hat sich am Montag in Enger geeinigt – über den Weg einer Einigungsstelle«, hieß es. Die Vereinbarung sehe vor, bis maximal 2,5 Bruttomonatslöhne als Abfindung zu zahlen. Der Sozialplan sei für den Fall abgeschlossen worden, dass das Engeraner Unternehmen abgewickelt werde.

Ob der Fertigungsbetrieb geschlossen werde, stehe noch nicht endgültig fest, sagte der Betriebsratssprecher: »Es geht in diese Richtung. Allerdings könnte es auch sein, dass sich ein Investor findet im Zusammenhang mit dem Hauptwerk von Alno in Pfullendorf, der noch Interesse an Wellmann hat.«

Entscheidung bis nächste Woche

Inwieweit die Verhandlungen gediehen seien, könne er nicht sagen. »Wir haben nur den Interessenausgleich verhandelt. Der hat Gültigkeit für den Fall, dass der Arbeitgeber bzw. Insolvenzverwalter abwickeln möchte und dann auch Kündigungen aussprechen kann.«

Er rechne mit einer Entscheidung im Laufe dieser, spätestens Anfang nächster Woche, sagte der Betriebsrat. Kündigungen müssten zum Monatsende erfolgen: Ab dann liefen die Kündigungsfristen, laut Insolvenzrecht seien maximal drei Monate möglich.

Fortführungslösung nicht in Sicht

Der Abfindungsanspruch gelte für den Fall einer Betriebsschließung und würde dann erfüllt, wenn der Insolvenzverwalter das Geld zahlen könne. Das wiederum hänge von der Gesamtsumme ab, die den Gläubigern zur Verfügung stehe. Daraus berechne sich am Ende die Höhe der Abfindung.

Die überwiegende Zahl der 400 Wellmann-Beschäftigten ist bereits seit 13. Oktober freigestellt . Für die Alno-Tochter in Enger hatte Insolvenzverwalter Martin Hörmann die Situation Ende Oktober als sehr schwierig beschrieben: Es zeichne sich ab, dass eine Fortführungslösung in Ostwestfalen eher unwahrscheinlich werde, ließ Hörmann seinerzeit mitteilen.

Verkauf von Gebäuden und Maschinen möglich

Frank Branka (IG Metall) zeigte sich gestern wenig optimistisch, dass der Betrieb in Enger fortgeführt wird. »Es wird mit jedem Tag schwieriger. Es kann sein, dass noch ein weißer Ritter am Horizont erscheint und über eine Übernahme verhandelt wird – aber im Moment sieht es so aus, als wenn der Betrieb geschlossen wird.« Er gehe davon aus, dass der Insolvenzverwalter in Kürze die Kündigungen aussprechen werde. Mit dem Sozialplan sei die rechtliche Voraussetzung geschaffen worden.

Im Falle einer Abwicklung gilt auch als denkbares Szenario, dass Gebäude und Maschinen an einen Investor verkauft werden. Dieser könnte dann die bislang tarifgebundenen Mitarbeiter zu anderen Konditionen neu einstellen. Die Tarifbindung bei Wellmann gilt als ein Hemmnis für eine Übernahme aus der Insolvenz.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5275792?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198393%2F2514624%2F