Mo., 28.09.2015

Afghane unter Verdacht – Tumult in Herforder Flüchtlingsunterkunft Angriff in der Frauendusche

Mehrere Polizeiwagen verlassen am Samstag gegen 22.30 Uhr die Herforder Flüchtlingsunterkunft. Dort war es am Abend zu einem Übergriff auf eine Frau gekommen – der Auslöser für eine Schlägerei, an der 20 Männer teilgenommen haben sollen.

Mehrere Polizeiwagen verlassen am Samstag gegen 22.30 Uhr die Herforder Flüchtlingsunterkunft. Dort war es am Abend zu einem Übergriff auf eine Frau gekommen – der Auslöser für eine Schlägerei, an der 20 Männer teilgenommen haben sollen. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). In der Herforder Flüchtlingsunterkunft ist es am Samstagabend zu Tumulten gekommen. Auslöser der Auseinandersetzung zwischen Asylbewerbern verschiedener Ethnien war der Übergriff eines Afghanen auf eine Frau aus Syrien.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll die 25-jährige Syrerin beim Duschen von einem Mann aus Afghanistan angegangen worden sein. Als ihr der Ehemann zu Hilfe eilen wollte, soll der Afghane zunächst herumgepöbelt haben und anschließend gewalttätig geworden sein. Daraufhin soll sich laut etlichen Augenzeugen ein handfester Streit entwickelt haben, in den etwa 20 Männer involviert gewesen sein sollen.

Die Schlägerei konnte durch den Sicherheitsdienst und die Polizei beendet werden. Anschließend hieß es, der Afghane soll betrunken gewesen sein. In der Notunterkunft gilt Alkoholverbot, aber außerhalb der Unterkunft kann niemand das Trinken verbieten.

Nach ersten Erkenntnissen wurde niemand ernsthaft verletzt. Polizeisprecher Michael Albrecht sagt: »Wir konnten die Situation mit unseren eigenen Kräften unter Kontrolle bringen. Einige Beteiligte wurden danach in andere Unterkünfte gebracht.« Ein Ermittlungsverfahren sei nicht eingeleitet worden, weil bisher niemand Anzeige erstattet habe.

Nach dem Zwischenfall versammelten sich die syrischen Flüchtlinge im Eingang der ehemaligen Kaserne und organisierten eine Sitzblockade. Kinder hielten Schilder hoch, auf denen zu lesen war: »I am afraid.« »Wir wollen damit auf die Missstände aufmerksam machen. Wir haben Angst, hier zu leben«, sagt Ezat Shawaf, ein 42-jähriger Computer-Techniker, der mit einem Teil seiner Familie vor dem Krieg in seiner Heimat in einem kleinen Boot über das Mittelmeer nach Europa geflohen war.

Mehrere Syrer berichten davon, dass es in der ehemaligen Kaserne regelmäßig zu Übergriffen komme. Ezat Shawaf: »Oft sind die Leute betrunken, einige haben sogar Messer dabei. Sie bedrohen uns und machen uns Angst. Manche von uns trauen sich nachts nicht mehr zu schlafen. Das Problem ist, dass hier alle Völker gemischt werden. Dabei wäre eine Trennung viel besser.« Ihre Zimmer dürfen die Flüchtlinge nicht abschließen – aus Brandschutzgründen.

Etwa 80 Menschen aus Syrien sind derzeit in der Herforder Unterkunft untergebracht, die anderen 700 kommen aus Nationen wie Afghanistan, Pakistan, Indien, dem Kosovo oder afrikanischen Ländern. Die meisten von ihnen sind junge Männer. Viele Syrer hingegen haben Frauen und Kinder dabei. Mehrfach habe man den Sicherheitsdienst, das Rote Kreuz als Betreiber und die Polizei über die Lage im Lager informiert, sagt Ezat Shawaf. Es fühle sich aber niemand so richtig verantwortlich. »Muss denn erst etwas Schlimmes passieren?«

Ezat Shawaf ist es wichtig, dass seine Botschaft und die seiner Landsleute ankommt. Immer wieder sagt er: »Melden Sie das dem Bürgermeister!« Der 42-Jährige vergisst aber nicht zu betonen, dass er Deutschland und besonders den Herfordern sehr dankbar ist. »Es gibt hier viele freundliche Menschen.«

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