Do., 07.01.2016

Fünfter Prozesstag: Flüchtling aus Somalia soll 88-Jährige vergewaltigt haben Geistig behindert – oder alles Show?

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Er  ist traumatisiert von seiner Flucht aus Somalia, von Folter und Terror. In Deutschland suchte er ein neues Leben. Und soll es begonnen haben, indem der 20-Jährige  eine 88-jährige Frau vergewaltigt haben soll. Am Mittwoch war der fünfte Prozesstag mit  Verlesung seines psychologischen Gutachtens. 

Weil der Asylbewerber als unberechenbar eingestuft wird, wird er erneut in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Gleich drei Justizbeamte sind in seiner Nähe. Die Tür zum Sicherheitsraum steht weit offen, der Mann wird beobachtet. Nicht noch einmal soll er den Prozess verzögern, weil er sich – wie am dritten Tag geschehen – pitschnass gemacht hat, um nicht ungewaschen vor die Richterin treten zu müssen. Doch er ist friedlich, die Handschellen werden aufgeschlossen.

Bei Vernehmung gestanden

Erste Aufregung aber zeigt der Somalier, als ein Polizist als Zeuge gehört wird, der bei der ersten Vernehmung dabei gewesen ist. Der gibt an, dass der junge Mann die Vorwürfe zugegeben habe – auf Nachfragen seines Anwalts allerdings soll es lediglich der sexuelle Akt gewesen sein, nicht die brutale Vergewaltigung. Der 20-Jährige behauptet, der Geschlechtsverkehr mit der Seniorin sei einvernehmlich gewesen; Hämatome an den Armen der Frau kann er bis heute nicht erklären. Der Flüchtling habe, so der Kripobeamte, zu Protokoll gegeben, dass er in Deutschland eine Frau suche, um durch eine Heirat eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Deshalb will er »mehrere 100 Male« an Häusern und auf der Straße Frauen gefragt haben, ob sie mit ihm Sex machen würden. Einige Male will er dabei Erfolg gehabt haben.

An viele Details aus dem Protokoll kann sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Über seinen Dolmetscher erzählt er weinend von seiner Flucht aus Somalia, dass er sich das Leben in Deutschland ganz anders vorgestellt habe und dass er wieder zurück in seine afrikanische Heimat wolle. Seine Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit bestätigt die Gutachterin, eine Ärztin für Kinder- und Jugendpsychia-trie. Sie berichtet, dass sie den traumatisierten Flüchtling sowohl labil und aufgedreht als auch entspannt und konzentriert erlebt habe. »Er reagiert auf Kleinigkeiten manchmal sehr heftig, verwüstet dann sogar seine Zelle. Über seine Gefühle sprechen kann er nicht. Heute habe ich ihn zum ersten Mal weinen gesehen«, sagt die Psychiaterin.

Sprachprobleme machen Bewertung schwierig

Nach vielen Gesprächen komme sie zu der Einschätzung, dass der 20-Jährige eine differenzierte Persönlichkeit habe. Zu berücksichtigen sei, dass er aus einem anderen Kulturkreis komme und man ihm die hiesigen Standards von Tests nicht einfach überstülpen könne. Auch Sprachprobleme machten eine Bewertung schwierig. Manche Fragen und Zusammenhänge habe er nicht verstanden. »Deshalb ist das polizeiliche Protokoll für mich schwer nachvollziehbar, in dem er so konkrete Angaben macht und sogar in perfektem Englisch. Tut er bewusst blöd und spielt uns vielleicht eine Show vor?« Eine eindeutige Antwort auf diese Fragen kann die Gutachterin nicht geben. Tests hätten ergeben, dass der Asylbewerber einen Intelligenzquotienten zwischen »lernbehindert und geistig behindert« habe.

Wichtig für das Gericht und eine Urteilsfindung ist die Einschätzung darüber, ob der Angeklagte aufgrund von Alkohol und Medikamenten den sexuellen Übergriff trotzdem bewusst gesteuert haben kann. Und ob er sich aus seiner derzeitigen Opferrolle als Flüchtling in eine Machtposition begeben hat. Muslime, so die Ärztin, hätten mit der europäischen Freizügigkeit der Frauen und deren Darstellung in den Medien oft große Probleme – auf manche könne es wie eine Einladung wirken.

Ein Urteil soll am nächsten Mittwoch gesprochen werden.

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