Di., 18.10.2016

Miscanthus als nachwachsender Energieträger Bauer Seeger heizt mit Elefantengras

Meterhoch wächst das Elefantengras auf den Feldern von Werner Seeger in Schwarzenmoor: Es gehört zur Familie der Süßgräser, die von Afrika bis Ostasien beheimatet ist. Besonders das winterharte Riesen-Chinaschilf oder Elefantengras (Miscanthus giganteus) gilt als Energiepflanze mit hohem Brennwert.

Meterhoch wächst das Elefantengras auf den Feldern von Werner Seeger in Schwarzenmoor: Es gehört zur Familie der Süßgräser, die von Afrika bis Ostasien beheimatet ist. Besonders das winterharte Riesen-Chinaschilf oder Elefantengras (Miscanthus giganteus) gilt als Energiepflanze mit hohem Brennwert. Foto: Oliver Schwabe

Von Peter Schelberg

Herford(WB). Wenn viele andere Hauseigentümer sorgenvoll die Preisentwicklung bei Erdgas, Heizöl oder Pellets verfolgen, bleibt Werner Seeger ganz gelassen: Der 68-Jährige heizt zuhause mit Elefantengras, so genanntem Miscanthus, einem nachwachsenden natürlichen Rohstoff.

Zusammen mit Schwiegersohn Christian Wehmeier (39) erntet der frühere Kreislandwirt das für seinen Hof benötigte Heizmaterial selbst – auf eigenen Feldern in Schwarzenmoor. Vor vier Jahren stand die Renovierung der Hof­stelle an, die aus zwei älteren Wohngebäuden mit Deele und zum Teil vier Meter hohen Räumen besteht. »Weil auch die 30 Jahre alte Heizungsanlage ersetzt werden musste, habe ich die Kosten durchgerechnet. Einer meiner Freunde baute damals bereits Miscanthus an und nach kurzer Diskussion stand fest: Wir versuchen es mit der Mis­canthus-Heizung«, berichtet Christian Wehmeier. Der 39-Jährige ist Geschäftsführer eines Baustoffhandels und lebt mit seiner Familie ebenfalls auf dem Bauernhof.

Pflanzen wachsen 20 Jahre nach

Um Elefantengras ernten zu können, mussten zunächst Wurzelstöckchen ­– so genannte Rhizome – auf mehreren Feldern mit insgesamt drei Hektar Anbaufläche gesetzt werden. Im ersten Jahr gibt es noch keinen Ertrag. Dann aber wachsen die Pflanzen etwa 20 Jahre immer wieder nach und können jährlich im März/April geerntet werden. Ab dem dritten Jahr werden gute Erträge erzielt, nach 20 Jahren gehen sie deutlich zurück. Eine aufwändige Bodenbearbeitung entfällt. »Wir brauchen auch keine Pflanzenschutzmittel. Lediglich eine Erhaltungsdüngung nach der Ernte ist nötig«, erläutert Werner Seeger. Bei der Ernte sind die bis zu vier Meter hohen und durch den Frost abgestorbenen Pflanzen bereits trocken: »Und nach wenigen Stunden ist die Ernte eingebracht.«

Die gehäckselten Grasteile werden in einer Scheune gelagert und per Förderschnecke zum Verbrennungsofen transportiert. Die Anlage stammt von einem österreichischen Hersteller, der über langjährige Erfahrung mit Holzpellet-Systemen verfüge, berichtet Wehmeier. Mit der Heizung können Pellets, Hackschnitzel und Miscanthus-Schnitzel verfeuert werden. Die 110-Kilowatt-Anlage, die Warmwasser für einen 3000-Liter-Speicher liefert, wurde mit Zuschüssen der KfW-Bank gefördert.

Literpreis von 70 Cent

Die Kalkulation geht für den Hof in Schwarzenmoor auf: Die Mis­canthus-Ernte eines Hektars entspricht dem Energiewert von 5000 Litern Heizöl. Bei einem Literpreis von 70 Cent wären dafür 3500 Euro anzusetzen: »Soviel kann man zurzeit mit Getreideanbau nicht erlösen«, sagt Seeger. Einen kleinen Haken verschweigt er nicht: »Der Platzbedarf für Miscanthus ist relativ groß. Man sollte daher schon über die nötigen Lagerkapazitäten verfügen.« Denn um den Heizwert von 40 bis 50 Kubikmetern Holzhackschnitzeln zu erreichen, sei etwa die zehnfache Menge Miscanthus- Schnitzel erforderlich. Für den Landwirt, der seit vielen Jahren Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses im Rat ist, allerdings kein Problem: Er nutzt eine ansonsten leer stehende Scheune.

400 Kubikmeter des nachwachsenden Energieträgers ernten Seeger und Wehmeier pro Jahr auf ihren Feldern. Das entspricht etwa 15 000 Litern Heizöl. Nach der Verbrennung bleiben davon maximal drei Kubikmeter Asche übrig.

»Das ist die umweltfreundlichste Heizung, die wir uns vorstellen können«, sagt Werner Seeger, der im Kreis Herford zu den Pionieren beim Einsatz der Elefantengras-Heizung zählt: »Es rechnet sich, wir sind unabhängig von fossilen Energieträgern und können eine solche Anlage weiterempfehlen.« Seeger schätzt, dass allein im Kreis Herford mittlerweile 20 Mis­canthus-Brenner in Betrieb sind.

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