Mi., 19.10.2016

Nach Unfall in Herford leiten Beamte fünf Verfahren ein Sterbenden fotografiert: Polizei zeigt Autofahrer an

In Herford starb ein 54-Jähriger auf der B 239.

In Herford starb ein 54-Jähriger auf der B 239. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde und Christian Althoff

Herford(WB). Nach einem Unfall in Herford haben Autofahrer am Dienstag einen Sterbenden fotografiert. Fünf Gaffer müssen jetzt mit Strafverfahren rechnen.

Wachleiter Rainer Koch war am Unfallort, und die Erschütterung war dem Polizisten noch Stunden später anzuhören. »Da lag ein Mann vor uns auf der Straße im Sterben, und diese respektlosen Menschen hatten nichts anderes zu tun, als das mit ihren Handys aufzunehmen.«

Die Polizei geht davon aus, dass das Opfer, ein 54-jähriger Bielefelder, auf der vierspurigen B 239 während der Fahrt einen Herzinfarkt erlitt. Er kam mit seinem Opel von der Straße ab und landete im Graben. Helfer zogen ihn aus dem Opel, und Rettungskräfte versuchten 45 Minuten lang, ihn auf der Straße wiederzubeleben.

Die Herforder Polizei war mit etlichen Beamten vor Ort, um den Verkehr umzuleiten. Eine Polizeikommissarin: »Ich sah, wie Lkws und Autos langsamer wurden und die Fahrer ihre Handy herausholten. Man konnte erkennen, dass sie Fotos machten und filmten.«

Autofahrer stoppten, um Aufnahmen zu machen

In der Gegenrichtung, in der Tempo 100 erlaubt ist, stoppten einige Autofahrer, um Aufnahmen zu machen. Polizeisprecher Steven Haydon: »Nachdem die Feuerwehr einen Sichtschutz aufgestellt hatte, versuchten Lkw-Fahrer sogar, in den Bereich hineinzufotografieren.« Eine Kommissarin nahm kurzerhand ihren Fotoapparat, mit dem sie den Unfall dokumentiert hatte, und fotografierte die Gaffer, ihre Autos und ihre Kennzeichen. Die Täter sollen jetzt identifiziert und angezeigt werden. Die Polizistin: »Es waren ausschließlich Männer. Ich schätze sie auf 25 bis 35 Jahre.«

Gaffen ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 1000 Euro Strafe geahndet wird. Das Fotografieren und Filmen kann sogar eine Straftat sein. Paragraph 201a des Strafgesetzbuchs sieht bis zu zwei Jahre Haft für Täter vor, die auf Fotos oder Videos die Hilflosigkeit eines anderen zur Schau stellen oder solche Bilder verbreiten.

Kommentare

Abartig!

Widerlich und abstoßendes Verhalten. Ein Spiegelbild der Gesellschaft, der selbstverständliche Dinge wie Taktgefühl und Pietät immer mehr abhanden kommen?
Ich hoffe doch sehr, daß diese "Helden der Smartphones" identifiziert werden können und nicht nur billig mit 1000 Euro Gledstrafe davon kommen.

Führerscheinentzug

Nicht nur Geldstrafe ist da angesagt , Führerscheinentzug von 6 Monaten bis 1 Jahr . Egal ob er beruflich gebraucht wird oder nicht .

Werte Zeitungsleute, nennt doch diese Leute nicht Gaffer.

Das sind widerliche Gaffer,

und ich hätte nichts dagegen wenn zukünftig in der Berichterstattung von widerlichen oder blöden Gaffern gesprochen wird, den dieses Verhalten ist einfach nur Widerlich !!!

Die Erklärung des Wortes widerlich lt.Duden :
physischen Widerwillen, Ekel hervorrufend, in hohem Maße unsympathisch, abstoßend

Unfall in Herford

Ich bin erschüttert und fassungslos zugleich! In einem solchen Moment sollten vielmehr Takt- und Mitgefühl zählen als Neugier oder Sensationslust! Kein Mensch möchte in einem solch dramatischen Moment gefilmt oder fotografiert werden, das Recht der Privatsphäre/Intimsphäre ist in jedem Fall zu wahren! Ich kann nur inständig hoffen, dass die "Gaffer" mit gerechten Strafen zu rechnen haben und somit ein Zeichen der Solidarität ggf. Menschen in Unfallsituationen gesetzt wird.

Die Strafe von 1000 € ist einfach zu niedrig, ich finde man sollte noch 2 Nullen dran hängen und dann diese Leute aber auch finden und wirklich zur Zahlung auffordern. Sobald dies ein paar Leute am Geldbeutel gespührt haben und das öffentlich wird, könnte es vielleicht weniger werden.
Aber bei dieser Gesellschaft in Deutschland ist es wirklich schwer daran zu glauben, alles nur noch Deppen auf der Straßen ;-)

Ja, das ist schlimm und zeigt einmal mehr, wie weit Takt und Mitgefühl unserer Gesellschaft abhanden gekommen sind.
Dummerweise werden die Personen, so sie denn tatsächlich ermittelt werden können, mit einem lauen Bußgeld davonkommen. Und das ist schlimmer!

6 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4378975?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198393%2F2514620%2F