Fr., 13.01.2017

Fleischereichef erhebt Vorwürfe gegen Lebensmittelkontrolleure Ende der »Genuss-Bar«

Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Ein dicker Schinken hängt noch am Haken, ein paar Dauerwürste liegen auf dem Tresen. Ansonsten sind die Auslagen leer. Die »Genuss-Bar« in der Kastanienallee ist schon wieder Geschichte. Der Besitzer behauptet, dass ihn die Lebensmittelüberwachung in die Knie gezwungen habe.

20000 Euro investiert

Allan T. Jettkowski ist am Ende. Mitte Oktober hatte er seine Fleischerei mit einem befreundeten Metzgermeister im Friedenstal eröffnet – und damit an eine alte Tradition angeknüpft. In dem Haus mit der Nummer 48 waren jahrzehntelang Fleischereibetriebe ansässig, zuletzt Robrook. Doch nach nur acht Wochen zog der 57-Jährige die Reißleine. Viel Herzblut und jede Menge Geld – nach eigenen Angaben 20000 Euro – habe er in das Projekt investiert.

Jettkowski erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Kreis Herford . »Von Anfang an hat man uns das Leben schwer gemacht. Dieser Behörde konnten wir es gar nicht recht machen. Immer wieder wurden neue, angebliche Verstöße moniert. Man hat uns unter Druck gesetzt.« So hätten am Eröffnungstag drei Mitarbeiter des Kreises Herford stundenlang den Laden inspiziert. »Reine Schikane«, urteilt der 57-Jährige.

Mängelliste mit 89 Punkten

89 Punkte – so lang ist die Mängelliste der Lebensmittelkontrolleure. Die Bandbreite ist riesig. Sie reicht von kleinen Schönheitsfehlern wie nicht gestrichenen Heizungen bis zu groben Verstößen gegen vorgeschriebene Hygienemaßnahmen.

Die »Genuss-Bar« in Herford ist seit dem 12. Dezember geschlossen. Foto: Winde

Dabei ist Jettkowski ein alter Hase in der Gastronomiebranche. Acht Jahre habe er die Kantine der Stadt Bad Salzuflen geleitet und zehn Köche ausgebildet. Er führe derzeit ein Delikatessen-Geschäft und einen Hofladen. Mit der »Genuss-Bar« in Herford habe er sich einen langen Traum erfüllen wollen. »Nach dem ganzen Theater habe ich jetzt Alpträume und bin in psychologischer Behandlung.«

Wiederholt Fristen versäumt?

Jürgen Rolf , Chef der Lebensmittelüberwachung des Kreises, will die Anschuldigungen gegen seine Abteilung nicht auf sich sitzen lassen. »Es handelte sich um ein ganz normales ordnungsbehördliches Handeln. Mehrfach haben wir unsere Hilfe angeboten. Wir legen Wert auf ein gutes Miteinander. Allerdings ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Immerhin geht es um schnell verderbliche Waren. Ich erinnere nur an den Gammelfleisch-Skandal.« Wiederholt habe man Allan Jettkowski auf Mängel hingewiesen und Fristen gesetzt, diese zu beseitigen. Das sei nicht passiert. »Weil uns vorher kein Zugang zur Fleischerei gewährt wurde, mussten wir am Eröffnungstag kommen«, sagt Jürgen Rolf.

Die Fronten sind verhärtet. Gegen den Bußgeldbescheid von 750 Euro hat Allan Jettkowski Einspruch eingelegt. Der Kreis Herford will diesen aber nicht akzeptieren. »Dann werden wir uns demnächst wohl vor Gericht wiedersehen«, sagt Jettkowski.

Vorwürfe und Antworten

Vorwurf: Die erforderlichen Temperaturen für Fleisch wurden nicht eingehalten, manche Stücke waren etwa 13 Grad warm.Antwort: Die Temperatur wurde erst nach der Begehung gemessen. Zuvor waren die Fleischstücke aus der Kühlung genommen worden.

Vorwurf: Es wurde auf die erforderliche helle Arbeitskleidung hingewiesen.Antwort: Ich trug eine saubere helle Jacke sowie eine Kopfbedeckung, lediglich eine schwarz-weiße Kochhose. Was spricht dagegen?

Vorwurf: Nicht alle Produkte waren ausreichend gekennzeichnet.Antwort: Bei einem Verkaufstresen mit 80 Preisschildern fehlte vermeintlich das der Zwiebelmettwurst. Es war von einem anderen verdeckt.

Vorwurf: Hinter der Theke war eine Erhitzungsvorrichtung zur Bevorratung von Heißwürstchen.Antwort: Darin liegt kein Verstoß.

Vorwurf: Unter dem Arbeitstisch waren Spinnenreste ersichtlich. Eine ordnungsgemäße und regelmäßige Reinigung und Desinfektion ist somit nicht erfolgt.Antwort: Der Arbeitstisch wird täglich mit Hochdruck gereinigt und desinfiziert. Spinnenreste wurden nicht wahrgenommen.

Vorwurf: Auf dem Fußboden lag ein kleines rohes Stück Fleisch. An einem Konzept zur Einhaltung der Produktionshygiene mangelte es.Antwort: Es kann immer mal vorkommen, dass kleine Fleischstücke beim Arbeiten auf den Boden fallen. Diese werden dann entsorgt.

Vorwurf: Es fehlte an Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen Duroc- und konventionellem Schweinefleisch. Eine Verbrauchertäuschung konnte somit nicht wirksam verhindert werden.Antwort: Die verschiedenen Schweinefleischsorten wurden deutlich gekennzeichnet.

Vorwurf: Der Abfallbehälter wies keine Abdeckung auf.Antwort: Der Abfallbehälter hatte einen Deckel, eventuell stand dieser jedoch offen.

Kommentare

Armes Herford

Ich wohne in unmittelbarer Nachbarschaft und war dort gerne Kunde. Dem Mann tut man Unrecht. Die oben genannten Anschuldigungen treffen überhaupt nicht zu. Ich selbst bin Gastronom und Küchenchef und weiß worauf geachtet werden muß. Ich habe bei meinen Einkäufen niemals einen dreckigen Laden vorgefunden, wo gehobelt wird fallen Späne, alles war gut sortiert und kenntlich gemacht in der Auslage! Da werden Steine in den weg gelegt! Wieviele Metzger haben wir noch in Herford!? Über solche Anschuldigungen fühle ich mich persönlich als Koch und Küchenchef angegriffen und wie soll da die Gesellschaft noch vertrauen in Kleinunternehmer haben, die den Mut aufbringen sich selbständig zu machen!?

Und warum...

... ist der Laden jetzt geschlossen? Nur weil das Gesundheitsamt eine lange Liste mit kleinen Mängeln geschrieben hat? Wenn man sein Geschäft ernst nimmt, kann man diese Mängel doch beseitigen.

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