Do., 09.03.2017

Teile des Augustinerklosters in Herford stammen aus dem 13. Jahrhundert Alte Klostermauer entdeckt

Die Archäologen Maria Hahne und Dr. Sven Spiong haben die Baggerarbeiten begleitet und neben der Mauer (links) einige kleine Fundstücke entdeckt.

Die Archäologen Maria Hahne und Dr. Sven Spiong haben die Baggerarbeiten begleitet und neben der Mauer (links) einige kleine Fundstücke entdeckt. Foto: Moritz Winde

Von Christina Bode

Herford (WB). Dass auf dem Kaufhof-Gelände im 14. Jahrhundert ein Augustinerkloster gestanden hat, ist nichts Neues. Wohl kaum jemand hatte aber damit gerechnet, unter dem Erdreich noch Teile dieses Klosters zu finden. Dort, wo bald ein Treppenhaus für den neuen Kaufhof-Komplex entstehen soll, haben Archäologen jetzt eine alte Klostermauer entdeckt.

Als am Montag die Baggerarbeiten zwischen Kaufhof und Depot starteten, war auch Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie, vor Ort. »Ich hatte damit gerechnet, alte Fliesen oder Architekturreste des Klosters zu finden. Dass wir auf eine Mauer stoßen, hätte ich nicht geglaubt«, sagt er.

Rest der Nordmauer der Kirche gefunden

Zusammen mit Grabungstechnikerin Maria Hahne begleitete er die Baggerarbeiten. Neben Architekturteilen wie Säulenfragmenten und Scherbenresten von Krügen und Töpfen stießen die Archäologen schließlich auf die alte Mauer, die – wie Stadtführer Mathias Polster erklärt – aus Rhätquarzit aus Schwarzenmoor und dem Stuckenberg besteht. Es handelt sich um den letzten Rest der Nordmauer der Kirche, die im späten 13. Jahrhundert errichtet wurde.

»Bislang hatten wir zwar Pläne von dieser Kirche, aber keine genauen Maße. Jetzt konnten wir den Grundriss zentimentergenau einmessen«, berichtet Sven Spiong.

Was Stadtarchivar Christoph Laue »klasse« findet, könnte die Pläne von Gernot Ladleif, Bauleiter der Ingenieurgesellschaft Laskowski, mächtig durcheinander bringen. »Die Mauer liegt genau an der Fundamentgrenze für das Treppenhaus, das die Tiefgarage künftig mit dem Gebäude verbinden soll«, sagt er.

Entscheidung am Dienstag

Lange Diskussionen um den Verbleib der Mauer könne er sich nicht leisten. »Spätestens auf der nächsten Baubesprechung am kommenden Dienstag muss sich entscheiden, was mit der Mauer passiert«, sagt der Bauleiter. Dann seien auch Architekten vor Ort, die die Situation beurteilen könnten. Sollte das Fundstück dort verbleiben, müsse die komplette Statik für den Kaufhof-Neubau geändert werden. »Eine weitere Möglichkeit wäre es, die Mauer in einem Stück abzutragen und der Öffentlichkeit an anderer Stelle zugänglich zu machen«, ergänzt Mathias Polster.

Vermutlich werde die Mauer nicht an diesem Ort erhalten bleiben können. Man wolle nun mit der Stadt in Dialog treten, ob das Fundstück in die Gestaltung des neuen Platzes einbezogen werden könne. »Die Brüderstraße weist ja schon auf den historischen Hintergrund hin. Es wäre toll, wenn wir diesen Platz in der Altstadt nutzen könnten, um die Geschichte zu erklären«, sagt Polster.

Sorgen darüber, dass noch weitere Teile des Klosters gefunden werden, brauche man sich allerdings nicht machen, erklärt Sven Spiong: »Alle umliegenden Gebäude sind unterkellert. Da hätte man sonst längst etwas gefunden.« Gernot Ladleif weist ausdrücklich darauf hin, dass Schaulustige die Baustelle nicht betreten dürfen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4690046?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198393%2F2514620%2F