Sa., 20.05.2017

Trinkerszene soll Raum an Hermannstraße in Herford erhalten Martinsgang: Stadt plant Alkoholverbot

Im vergangenen Sommer ist es immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern und der Trinkerszene gekommen.

Im vergangenen Sommer ist es immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern und der Trinkerszene gekommen. Foto: Moritz Winde

Von Ralf Meistes

Herford (WB). Die Stadt Herford will am Martinsgang und an anderen Orten in der Innenstadt ein Alkoholverbot verhängen. Ein entsprechender Beschluss soll noch in der Juni-Sitzung vom Stadtrat gefasst werden, teilte Bürgermeister Tim Kähler mit.

Das Verbot soll probeweise zunächst für sechs Monate gelten. Damit reagiert die Stadt auf die zunehmenden Probleme mit dem Trinker-Treff zwischen Parkhaus Altstadt und Klingenthal-Passage. Zugleich sollen den Menschen, die sich dort täglich versammeln, um Alkohol zu konsumieren, Hilfsangebote gemacht werden. Sie sollen im Haus Hermannstraße (Hermannstraße 16) einen Raum erhalten und auch im Außenbereich einen Treffpunkt bekommen. Mit der Diakoniestiftung, die in dem Haus den Sozialberatungsdienst untergebracht hat, soll das Angebot eines Tagesaufenthalts erarbeitet werden.

Kähler verweist auf die Stadt Duisburg, in der seit dieser Woche ein Alkoholverbot an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet gilt. »Ich weiß, dass eine Verordnung, die das öffentliche konsumieren von Alkohol untersagt, rechtlich umstritten ist. Es gibt in dieser Frage kein endgültiges Urteil. Wir wollen aber, analog zu Duisburg, einen Versuch starten«, betonte Kähler.

Dieser Versuch werde auch Geld kosten, stellte der Bürgermeister klar. Schließlich gehe es darum, den Menschen, die erkennbar Probleme mit zu viel Alkoholkonsum haben, ein Raumangebot zu machen und ihnen soziale Betreuung anzubieten.

Mit Blick auf die Geschäftsleute, Hauseigentümer und Anwohner, die sich in der Vergangenheit über Lärm, Drogenkonsum und wildes Urinieren am Martinsgang beschwert hatten, betonte Kähler: »Wir wollen mit so einer Verordnung auch deutlich machen, dass gewisse Rechte dort enden, wo die Rechte anderer eingeschränkt werden.«

Die rechtlichen Möglichkeiten der Kreispolizeibehörde sowie des Ordnungsamtes, gegen den Trinker-Treff vorzugehen, seien ausgeschöpft. Auch aus Sicht der Sucht- beziehungsweise Drogenberatungsstelle des Diakonischen Werkes kommen weitergehende Angebote nicht in Betracht.

Deshalb soll der Rat im Juni eine »Ordnungsbehördliche Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Herford«, wie es im Behördendeutsch heißt, verabschieden. Die Bereiche, in denen das Alkoholverbot, außerhalb der konzessionierten Gastronomie, gelten soll, müssen noch bestimmt werden. Der Martinsgang wird aber in jedem Fall dazu gehören.

Die Caritas, deren Mitarbeiter seit Monaten, die Gruppe am Martinsgang betreut, soll aktiv dafür werben, dass die Menschen das Raumangebot an der Hermannstraße auch wahrnehmen.

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