Di., 20.06.2017

»Trinker-Treff« in Herford: Müllsäcke aufgeschlitzt – Mann in Psychiatrie – CDU für Alkoholverbot 33-Jähriger fuchtelt mit Lanze herum

Ein Polizist bringt die selbst gebaute Lanze in Sicherheit. Mit der Waffe hat Montagmorgen ein 33-Jähriger die Mülltüten am »Trinker-Treff« im Martinsgang zerstochen. Der Herforder wurde der Innenstadt verwiesen. Später kam er in die Psychiatrie.

Ein Polizist bringt die selbst gebaute Lanze in Sicherheit. Mit der Waffe hat Montagmorgen ein 33-Jähriger die Mülltüten am »Trinker-Treff« im Martinsgang zerstochen. Der Herforder wurde der Innenstadt verwiesen. Später kam er in die Psychiatrie.

Von Moritz Winde

Herford (WB). Polizeieinsatz am »Trinker-Treff«: Im Martinsgang hat Montagmorgen ein 33-Jähriger mit einer selbst gebauten Lanze herumgefuchtelt und ein Feuer entzündet. Der Mann wurde der City verwiesen, die Waffe wurde sichergestellt. Am Freitag soll der Rat über ein Alkoholverbot entscheiden.

Die Klinge der Lanze misst etwa zehn Zentimeter. Foto: Moritz Winde

Es war gegen 9.30 Uhr, als zwei Streifenwagen am Altstadt-Parkhaus vorfuhren. Dort hatte der 33-Jährige die ohnehin schon ramponierten Hochbeete vor Klingenthal in ein Schlachtfeld verwandelt. Mit einem langen Stab, an den ein Messer mit einer etwa zehn Zentimeter großen Klinge gebunden war, hatte der polizeibekannte Herforder mehrere volle Müllsäcke aufgeschlitzt und deren Inhalt in den Rabatten verteilt.

Platzverweis ausgesprochen

»Das sei Kunst«, habe sich der betrunkene Störenfried für die Aktion gerechtfertigt, sagte Hauptkommissar Andreas Vogt. Zudem hatte der 33-Jährige ein Feuer in einem Einkaufswagen entfacht. Die vier Polizisten sprachen dem Arbeitslosen einen ganztägigen Platzverweis für die gesamte Innenstadt aus und schrieben eine Anzeige wegen illegaler Müllentsorgung.

Eine Anwohnerin bedankte sich daraufhin bei den Beamten. »Gott sei Dank, Sie sind hier!« Die ältere Dame sagte, sie fürchte sich vor dem Mann. »Dem möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. Der schreit hier oft wie wild herum und pöbelt die Leute an. Die Situation ist ganz schrecklich.« Auch ein Klingenthal-Mitarbeiter schilderte von seinen schlechten Erfahrungen mit dem Randalierer. »Der hat mich sogar schon angerempelt und bedroht.« Die Kommissare versprachen, »ein Auge auf den Mann zu haben«. Und Andreas Vogt versicherte, man werde rigoros gegen ihn vorgehen, sollte er gegen Gesetze verstoßen.

Einige Teilnehmer des »Trinker-Treffs« distanzierten sich von dem 33-Jährigen, der seit

Im Korb dieses Einkaufswagens entfachte der Mann ein Feuer. Foto: Winde

ein paar Wochen für Ärger sorgt. »Wir haben ihm mehrfach gesagt, er soll sich in den Griff bekommen. Schließlich schadet er uns allen mit seinem aggressiven Verhalten«, sagte eine junge Frau, die anschließend gemeinsam mit zwei Männern den Müll aus den Blumenbeeten fischte.

Nach diesem Vorfall dürfte der Ruf nach dem von Bürgermeister Tim Kähler angeregten Alkoholverbot im Martinsgang wieder lauter werden. Am Freitag befasst sich der Rat mit dem Thema. Während sich die SPD noch bedeckt hält, positionierte sich die CDU am Montag deutlicher. »Die Tendenz geht dahin, dass wir dem Vorschlag wohl zustimmen werden«, sagte Wolfgang Rußkamp. Der Fraktionschef betonte jedoch zugleich, dass der Bürgermeister als Ordnungsbehörde dafür verantwortlich sei, die Strafmaßnahmen auch durchzusetzen.

In der Innenstadt von Duisburg ist seit einem Monat ein Alkoholverbot wirksam. Nach Einschätzung des Ordnungsamtes werde das Verbot von den Bürgern weitestgehend akzeptiert. »Die Personen der sogenannten Alkoholszene befinden sich überwiegend in geringer Anzahl vor Ort und vermeiden augenscheinlich eine konzentrierte Gruppenbildung. Besondere Vorkommnisse gab es bislang nicht. Platzverweise mussten nicht ausgesprochen werden«, sagte Pressesprecher Peter Hilbrands. In diesen vier Wochen seien zwölf Personen in der Verbotszone beim Konsum von Alkohol angetroffen und mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von je 35 Euro belegt worden. Vier Ordnungswidrigkeitenanzeigen wurden eingeleitet.

Wie am Nachmittag bekannt wurde, wurde der 33-Jährige später in die Psychiatrie eingewiesen. Nach seinen Eskapaden im Martinsgang kletterte er auf das Wittekind-Denkmal am Wilhelmsplatz und brüllte unverständliche Wörter – bis die Polizei erneut kam und ihn mitnahm.

Kommentar

Ja, ein generelles Alkoholverbot im Martinsgang steht juristisch auf wackligen Beinen. Ja, das Grundproblem ist damit sicher nicht vom Tisch. Und trotzdem sollten die Mitglieder des Stadtrates am Freitag den durchaus mutigen, andere nennen ihn populistischen Vorstoß von Bürgermeister Tim Kähler unterstützen.

Natürlich wäre es wünschenswert, die Situation »sozial« in den Griff zu bekommen, wie allen voran der stellvertretende SPD-Bürgermeister Andreas Rödel und die Grünen stets fordern. Doch fragt man nach einem Alternativ-Vorschlag, kommt wenig. Dabei sind exzessive Saufgelage, laute Pöbeleien und wildes Urinieren seit zig Jahren unzumutbar. Wer es nicht glaubt, sollte sich selbst ein Bild vor Ort machen. Doch das hat bislang kaum ein Politiker getan. Die Gelackmeierten sind Anwohner und Geschäftsleute.

In Duisburg zieht die Verwaltung ein positives Fazit nach einem Monat striktem Alkoholverbot in der City. Warum sollte das Modell aus dem Ruhrgebiet nicht auch in Herford funktionieren? Ein Test wäre es doch allemal wert!

 

 

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