Sa., 21.10.2017

Trauung gleichgeschlechtlicher Paare: Geistliche vertreten unterschiedliche Positionen Gilt die »Ehe für alle« auch in der Kirche?

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). Seit Anfang Oktober dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Doch wie steht es mit dem Segen der Kirche? Die Antworten Geistlicher aus Herford fallen recht unterschiedlich aus.

Für Gerald Haringhaus, Leiter des katholischen Dekanates Herford-Minden, steht fest – und zwar bis in alle Ewigkeit: »Unsere Definition von Ehe bezieht sich auf die Lebensgemeinschaft von Mann und Frau.« Dies sei die Position der katholischen Kirche, folglich könne man nicht zwei Männer oder zwei Frauen trauen. Haringhaus betont, dass er persönlich die Haltung seiner Kirche teile, und sagt: »Ein Umdenken kann ich mir nicht vorstellen.« Die Position der katholischen Kirche habe eine biblische Grundlage und die sei das Wesentliche.

Bibel als Grundlage

Ähnlich, wenn auch modifiziert äußert sich Heinrich Schmidt (Landeskirchliche Gemeinschaft). Auch für ihn ist die Ehe eine Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau. Er frage sich angesichts der aktuellen Diskussion aber natürlich: »Kann man die Ehe auch auf gleichgeschlechtliche Paare übertragen?« Auch Schmidt verweist auf die Bibel als Grundlage und erklärt, er selbst könne sich nicht vorstellen, zum Beispiel zwei Männer zu trauen. Gleichwohl – und hier liegt der Unterschied zu Haringhaus – geht er nicht davon aus, dass dies für alle Zeiten so sein muss: »Vielleicht sehe ich das in 20 Jahren anders.«

Die Landeskirchliche Gemeinschaft, ein eingetragener Verein, fühlt sich der Evangelischen Kirche verbunden – ohne allerdings jeder ihrer Positionen zuzustimmen. Auf der Synode von 2014 hat die Landeskirche beschlossen: Gleichgeschlechtliche Paare können sich in einem Gottesdienst segnen lassen. Der Gottesdienst soll Elemente einer Trauung enthalten, heißt aber nicht Trauung.

Von Liebe geleitet

Annette Beer, evangelische Pfarrerin in Herford, geht für sich davon aus, dass sie sich auch auf eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare einlassen kann: »Ich habe es noch nicht gemacht, aber ich habe für mich beschlossen, dass ich es machen möchte.«

Auch Kai-Uwe Spanhofer von der Stephanus-Gemeinde in Hiddenhausen kann sich die Trauung homosexueller Paare vorstellen. Der promovierte Theologe räumt ein, dass in der Bibel von Mann und Frau die Rede ist. Doch wie absolut ist dies zu verstehen? Für Spanhofer ist wichtig, dass die Grundwerte der Bibel gewahrt bleiben, dass man ein Zitat »aus der Mitte der Bibel« heraus verstehe. Wenn die Entscheidung für eine Ehe von hoher Verbindlichkeit sei und von Liebe geleitet werde, spricht aus seiner Sicht nichts gegen eine Trauung gleichgeschlechtlicher Partner. Auch das Presbyterium teile diese Ansicht.

Thema auf Landessynode?

Superintendent Michael Krause geht davon aus, dass die Ehe für alle auf der nächsten Landessynode im November ein wichtiges Thema wird. Krause war auf Landeskichen-Ebene maßgeblich an der Konzeption der Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare beteiligt. Sie orientierte sich an der Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Durch die Ehe für alle ergibt sich eine neue rechtliche Situation. Die Frage, um die es bei der Synode geht: Folgt die Kirche der vom Gesetzgeber formulierten Gleichstellung?

Kommentare

@Hebel: Dass Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren aufwachsen, Nachteile hätten, ist Teil der Legende, mit der Homosexuelle in der Öffentlichkeit verleumdet und diffamiert werden. Tatsache ist: Es existieren weltweit 75 repräsenatative Studien zu dem Thema, darunter auch Langzeitstudien mit Untersuchungszeiträumen von über 20 Jahren. Alle 75 Studien ergeben, dass die Kinder ohne Nachteile aufwachsen. Repräsentative Studien mit gegenteiligem Ergebnis: keine.

http://whatweknow.law.columbia.edu/topics/lgbt-equality/what-does-the-scholarly-research-say-about-the-wellbeing-of-children-with-gay-or-lesbian-parents/

Sie schreiben von Verantwortung, nehmen aber billigend in Kauf, Desinformationen über Mitbürger zu verbreiten, indem Sie sich nicht einmal mit den allseits verfügbaren wissenschaftlichen Fakten auseinandersetzen. Wer beschützt also unsere Kinder vor Ihnen?

Die Ehe für alle bringt eine gewissse Diskriminierungsgefahr von Kleinkindern: Das eigentlichen Problem ist dabei die Homo-Adoption von Kleinkindern: Sicher wird das volle Adoptionsrecht hinzukommen. Aber das eigentliche Kindeswohl steht nur bedingt im Mittelpunkt der gleichgeschlechtlichen Adoptionswünsche und ist auch durch sicher in vielen Fällen gegebene, beachtliche Liebeszuwendung nicht zu garantieren. Denn eigentümlicherweise wird durch diejenigen, welche Freiheit in jeder Beziehung fordern, eine Beschneidung der Freiheit der Kinder billigend in Kauf genommen.
Im Gegensatz zu einem Kind in einer Vater-Mutter-Gruppierung, erleidet das in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung heranwachsende Kind eine gewisse Deprivationssituation bzw. Diskriminierung, da ihm der enge Kontakt mit der Gegengeschlechtlichkeit verwehrt bleibt (Fehlende Aktivierung von wichtigen Spiegelneuronen).
Die Frage nach dem Wohl des Kindes wird hier bei der versuchten Verwirklichung abstrakter Gleichheitsideen oder dem Versuch der Beseitigung eines auszuhaltenden, vielleicht unangenehmen Defizits, in der Regel gar nicht erst gestellt.
[Einzelheiten über „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4 nachzulesen]

Das Leid, das das Christentum Menschen zugefügt hat, unterscheidet sich wenig von dem, das andere Religionen Menschen zufügen. Christliche Priester versprachen unseren Vorfahren dass sie direkt in den Himmel kommen, falls sie auf den Kreuzzügen gegen Muslime getötet werden. Das gleiche versprechen heute muslimische Geistliche Selbstmordattentätern, wenn sie „Ungläubige“ ermorden. Wo ist der Unterschied?

Das Leid, das Priester Menschen antun, wenn sie ihnen sagen, dass sie eine unglückliche Ehe nicht beenden dürfen oder dass sie ledigen Müttern und ihren Kindern angetan haben, ist leicht vermeidbar, wenn wir Priestern widersprechen und ihnen nicht folgen.

Religionen und ihre Priester haben immer miteinander gekämpft und konkurriert um den „richtigen“ Gott und die „richtige“ Auslegung seiner Worte, und häufig hat die Feuerkraft von Kanonen über den „richtigen“ Gott entschieden.

Wir sollten uns von Priestern und Theologen nicht erzählen lassen, dass sie mehr von Göttern verstehen als wir. Die Grundlage ihres „Götterwissens“ ist die gleiche wie unsere: Fantasie.

Aus meiner Sicht, benötigen heute die Menschen ,,Die 10 Gebote" dringender denn je.
Denn was die ,, Ersatzgötter" aus allen Bereichen und auf allen Ebenen,
vielfach besonders an Ungeborenen, Kindern und Jugendlichen anrichten, ist nicht mehr zu übersehen.
Deren Verführungen, unter verschiedensten Deckmäntelchen, sind grenzenlos und viele Erwachsene
schauen da tatenlos oder sogar selbst verführt,bejahend zu.
Jedwede uferlose Grenzenlosigket in einer ichbezogenen Gesellschaft
führt letztlich in ein Erkennen durch Leiderfahrung oder auch ganz in den Untergang...

In der Bibel steht geschrieben...

Es ist verblüffend, wie punktuell Theologen und Geistliche die Bibel zitieren. Schließlich steht darin vieles geschrieben, was unseren Werten zutiefst widerspricht. Zehn Gebote (Ex 20:3), von denen uns drei die Religionsfreiheit nehmen, sind mit dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht vereinbar. Nahezu täglich erleben wir, was die in „Heiligen Büchern„ geschriebene Aufforderung bewirkt, Andersgläubige zu ermorden (5 Mose 17:5). Ein Gott, der uns erlaubt andere Menschen als Sklaven zu besitzen (3 Mose 25), kann unser Gott nicht sein. Religion spaltet unsere Familien und unsere Gesellschaften. Wir sind frei, unsere Götter so zu kreieren, dass sie mit unseren Werten vereinbar sind. Wir müssen Priestern und Theologen widersprechen und uns gegen sie auflehnen, die uns Götterkreationen vorsetzen, die uns Menschenrechte nehmen wie die Gleichheit der Geschlechter (Eph 5:22) oder das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Die Bibel lehnt Homosexualität eindeutig ab…
Demnach würde sich ein ,,Zeitgeistverführter“ Pfarrer
mit einer Segnung dieser Verbindung selbst versündigen.
Kein Wunder also, dass sie in ihrer Vorbildfunktion genau abwägen sollten, wem sie letztlich dienen.

´

6 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5235575?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198393%2F2514620%2F