Sa., 04.11.2017

Nächtlicher Angriff auf dem Alten Markt in Herford – zwei Freunde schwer verletzt Kieferbruch nach Faustschlag

Vor dem Sparkassen-Automaten auf dem Alten Markt ereignete sich der brutale Angriff.

Vor dem Sparkassen-Automaten auf dem Alten Markt ereignete sich der brutale Angriff. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Tatort Alter Markt: Der Angriff kam aus dem Nichts. Zwei Freunde im Alter von 23 Jahren sind willkürlich Opfer eines Schlägers geworden. Einer erlitt einen Kieferbruch, der andere verlor seine Schneidezähne.

Gunnar K. heißt eigentlich anders. Aus Angst vor Repressalien möchte er aber anonym bleiben. Er sagt, er wundere sich, dass der Fall nicht von den Behörden öffentlich gemacht worden sei. Zumal ja Zeugen gesucht würden. Deshalb erzählt er seine Geschichte selbst.

Es ist der 13. Oktober. Ein Freitag. Gunnar K. sitzt mit drei Kumpels zusammen. In der Kneipe »Noa« an der Rennstraße spielen sie »Schocken« – ein beliebtes Würfelspiel. Es fließt Bier. »Wir waren alle angetrunken und richtig gut drauf«, berichtet der Finanzberater. Gegen 2.15 Uhr bricht das Quartett auf. »Um unsere Deckel zu bezahlen, mussten wir noch Geld holen.«

Die vier Freunde verlassen die Gaststätte, um den Sparkassen-Geldautomaten auf dem Alten Markt anzusteuern. Gunnar K. erinnert sich: »Da war eine Gruppe junger Männer, die uns aufgelauert hat. Ungefähr acht Typen, schätzungsweise Südländer. Ich tippe, der Jüngste war 16, der Älteste 25 Jahre alt. Die haben uns angepöbelt, richtig dumm angemacht. Wir sind nicht darauf eingegangen.«

Natürlich sei die Situation beängstigend gewesen. »Wir hatten ein ungutes Gefühl. Aber wir waren ja zu viert, alle sportlich. Einer von uns ist zwei Meter groß. Wir dachten: Es wird schon nichts passieren.«

Doch die aggressiven Störenfriede lassen die vier Freunde auf dem Weg zur Bank nicht in Ruhe. Einer von ihnen wagt es, in den Vorraum der Bank zu kommen, um weiter Stunk zu machen. Gunnar K. hofft, dass der Mann auf den Überwachungsvideos zu erkennen ist und so den Ermittlern bei der Identifizierung helfen kann. Noch weiß die Polizei nicht, wer für die gefährliche Körperverletzung verantwortlich ist. Einen Tatverdächtigen hat sie zumindest noch nicht ermitteln können.

Als sich die Sparkassen-Schiebetüren öffnen, wartet die Gruppe bereits. Gunnar K. weiß noch, dass er versucht habe, beschwichtigend zu agieren. Er habe die Arme hochgenommen und gesagt: »Wir wollen keinen Stress« – dann fliegt sein Kopf nach hinten, er geht zu Boden und wird bewusstlos. Das nächste, an das er sich erinnern kann, ist der metallische Geschmack von Blut im Mund.

Den Faustschlag hat er nicht kommen sehen. Er muss den 23-Jährigen mit voller Wucht getroffen haben. Ohne Vorwarnung. »Ich war überhaupt nicht auf diesen Angriff vorbereitet, konnte mich nicht schützen.« Als ihm sein Kumpel, eben jener Zwei-Meter-Mann, zu Hilfe eilt, wird dieser ebenfalls ausgeknockt.

Mehrere Streifenwagen eilen zum Tatort. Der Täter flieht mit dem Rest der Bande in Richtung Gehrenberg und entkommt im Dunkel der Nacht. Die Opfer bleiben zurück. Sie werden mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort wird Gunnar K. noch am selben Tag operiert. Als er aufwacht, hat er vier Metallschrauben und eine Titanplatte im Mund. Er hat starke Schmerzen, kann wochenlang nichts Festes essen, nicht richtig reden, ist dienstunfähig.

Das Erlebnis lässt den 23-Jährigen ratlos zurück: »Diese hemmungslose Brutalität verstehe ich nicht. Mir fällt einfach kein vernünftiger Grund ein, warum man andere Menschen vollkommen grundlos so schwer verletzen sollte.« Für Gunnar K. steht fest, dass er nachts vorerst nicht mehr durch die Herforder Innenstadt gehen wird.

Mehr Körperverletzungen

Die Kriminalstatistik für den Kreis Herford spricht eine deutliche Sprache: Demnach ist die Anzahl der registrierten Rohheitsdelikte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 104 auf 1681 Fälle gestiegen. Bei Rohheitsdelikten handelt es sich um Raub- und Körperverletzungsdelikte sowie um Delikte der Freiheitsberaubung, Nötigung und Bedrohung. Wesentliche Einflussgröße ist mit einer Steigerung um 76 Fälle die Zahl der Körperverletzungsdelikte mit 1156 Fällen – eine Zunahme um sieben Prozent. Die Aufklärungsquote ist leicht gestiegen und liegt bei den Rohheitsdelikten bei knapp 90 Prozent.

Wolfgang Helm (53), Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei für den Kreis Herford, führt diese Entwicklung auf zu wenig Personal zurück. »Wir müssen mit immer weniger Polizisten immer mehr Einsätze bewältigen.« Die Motivation bei den Kollegen sei zwar nach wie vor hoch, doch es fehle die Zeit für Prävention.

 

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5263946?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198393%2F2514620%2F