Do., 09.11.2017

Nach Überfall: kritische Nachfragen im Polizeibeirat Gewaltopfer fühlt sich nicht ernst genommen

Nach dem Überfall auf zwei junge Männer Mitte Oktober auf dem Alten Markt wirft der Polizeieinsatz Fragen auf.

Nach dem Überfall auf zwei junge Männer Mitte Oktober auf dem Alten Markt wirft der Polizeieinsatz Fragen auf. Foto: Moritz Winde

Von Peter Schelberg

Herford (WB). Hat die Polizei nach dem brutalen Überfall auf zwei junge Männer auf dem Alten Markt eine Chance vertan, die Täter rasch festzunehmen? Diese Frage drängte sich in der Sitzung des Polizeibeirates am Dienstag auf.

Der Vater eines der beiden Opfer, die von Unbekannten krankenhausreif geschlagen wurden, hakte wegen des Polizeieinsatzes in der Nacht zum 14. Oktober nach, ebenso die beiden 23-Jährigen. Polizeidirektor Dirk Zühlke kündigte an, die Polizei werde den Vorwürfen nachgehen.

Zwar seien drei Streifenwagen rasch am Tatort eingetroffen. Trotz des Hinweises der Überfallenen, dass die Täter noch in Sichtweite seien, habe aber keiner der Polizisten Anstalten gemacht, die acht Unbekannten zu verfolgen: »Warum nicht?«, fragte der 57-jährige Vater. Als eines der Opfer die Verfolgung bei den Einsatzkräften anmahnte, habe man stattdessen nach seinen Personalien gefragt – während die Täter unbehelligt verschwanden: »Eine Bemerkung war sinngemäß, wenn wir jetzt der Polizei erzählen wollten, wie sie ihre Arbeit zu machen habe, dann würden wir gleich im Streifenwagen sitzen«, berichtete einer der Angegriffenen.

Ein Täter wohl von Kamera gefilmt

Da der 23-Jährige seine Papiere erst aus dem Auto holen musste und »wohl einen alkoholisierten Eindruck machte«, hätten die Polizisten nicht die Verfolgung gestartet, sondern kommentiert: »Aber Auto fahren Sie ja wohl heute nicht mehr?« Der Vater eines der Verletzten, dem aufgrund des Kieferbruchs das Sprechen und Essen bis heute Probleme bereiten: »Warum hat man die Täter nicht gleich verfolgt? Zur Personalienaufnahme hätte doch eine Streifenwagenbesatzung gereicht...«

Er selbst habe am 15. Oktober die Polizei darauf hinweisen wollen, dass ein Täter – nach Angaben der Opfer vermutlich Südländer – von einer Videokamera gefilmt worden sein könnte. Auf der Wache habe man ihm gesagt, er solle sich in Minden melden, weil sein Sohn dort im Krankenhaus liege. Seine Information sei auch nicht relevant, da er kein direkt beteiligter Zeuge sei.

Der Vater: »Ist die Polizei nicht an sachdienlichen Hinweisen der Bürger interessiert?« Unverständlich sei, dass die Polizei keinen Pressebericht über den Fall veröffentlicht habe: »Sollen Rohheitsdelikte unter den Tisch gekehrt werden?«

Fahndung in der Innenstadt nicht erfolgreich

Einer der Verletzten: »Ich fühlte mich von der Polizei nicht ernst genommen.« Als er nach der Tat eine Anzeige aufgeben wollte, habe ihm ein Beamter gesagt, »das könne ich online machen, dafür müsse ich nicht die Polizeiarbeit bemühen«. Der Vater des zweiten Opfers ergänzte, die Online-Plattform sei zu dieser Zeit defekt gewesen, und fragte: »Haben Opfer nicht mehr Beachtung verdient?«

Polizeidirektor Zühlke versicherte: »Wir werden dem nachgehen. Wenn Sie bei der Polizei Anzeige erstatten wollen, können Sie erwarten, dass das aufgenommen wird.« Die drei Streifenwagen am Tatort wertete er als Zeichen, »dass die Polizei den Anruf und die Situation ernst genommen hat«. Er könne sich kaum vorstellen, dass ein Polizist nicht reagiere, wenn man ihm sage: »Da vorn ist der Täter«. Zühlke: »Das würde mich zutiefst erschüttern.«

Eine Fahndung in der City habe es gegeben: »Leider nicht erfolgreich.« Die Ermittlungen liefen weiter, auch Videoaufnahmen würden ausgewertet. Im Presseportal berichte die Polizei nicht über jeden Einsatz: »Hier hatten wir gehofft, dass wir im Zuge der Ermittlungen später einen konkreteren Zeugenaufruf hätten starten können.« Er bot an, über den Fall noch einmal in kleiner Runde zu sprechen.

Kommentare

Verdachtsmomente

Zu diesem Bericht und dem skizzierten Verhalten der Polizei fallen mir folgende Verdachtsmomente ein :
a) Die Polizei ist überfordert : zu wenig Kollegen, zu viele Straftaten
b) Verfolgung ist zu aufwändig, da die Täter mit festem Wohnsitz umgehend wieder freigelassen werden
c) Wenn Täter "südländisches" Aussehen haben, wird bei der oberen Polizeibehörde und dem Landesparlament die Statistik zu eindeutig, also besser unbearbeitet lassen.

Erinnerung

Da fällt mir gerade wieder der hier veröffentlichte Artikel aus dem Juni ein. Dort wurde berichtet wie die Polizei in einer groß angelegten Aktion minderjährigen Radfahrern 20 Euro abgeknüpfte, weil diese an der Werre auf der falschen Straßenseite gefahren sind.

Wenn man sich die Hände nicht schmutzig machen will, kontrolliert man wohl lieber Blinklichter anstatt brutale Schlägertruppen.

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