Do., 09.11.2017

Eigentümer klagt gegen Stadt Herford Briten-Häuser: Streit um Denkmalschutz

Sind die alten Offiziershäuser in der Goethestraße in Herfordschützenswert?

Sind die alten Offiziershäuser in der Goethestraße in Herfordschützenswert? Foto: Moritz Winde

Herford (WB). Die ehemaligen Briten-Immobilien in der Goethestraße in Herford stehen unter Denkmalschutz. Zu Recht? Das muss das Verwaltungsgericht Minden entscheiden. Ein Eigentümer klagt gegen die Stadt.

Gebäude aus den 50er Jahren

Die etwa 100 Gebäude aus den 50er Jahren in der Glatzer Straße im Quartier Ottelau sowie in der Goethe- und Eckermannstraße auf dem Stiftberg sind seit 2004 Denkmäler. »Ziel ist der Erhalt der siedlungstypischen Architektur, vor allem des einheitlichen Erscheinungsbildes«, erklärt Bettina Lange von Herfords Unterer Denkmalbehörde.

Auch die ehemaligen Besatzer-Häuser an der Glatzer Straße im Quartier Ottelau stehen unter Denkmalschutz. Foto: Winde

Das heißt im Umkehrschluss: Jede Umbaumaßnahme muss von der städtischen Bauaufsicht zuvor genehmigt werden. Ob die Farbe des Außenanstrichs, die Größe des Vordachs oder der Lichtausschnitt der Eingangstür: Was in und an den Häusern sowie auf den Grundstücken baulich verändert werden darf, ist bis ins kleinste Detail festgelegt.

Wer ohne Erlaubnis anfängt zu reißen oder zu streichen, dem drohen empfindliche Bußgelder. Und die Verwaltung hat das Recht, den Bauherren zu zwingen, den Ursprungszustand wieder herzustellen. Sämtliche Veränderungen müssen der Behörde anhand von Fotos dokumentiert werden.

Ertan Colak heißt der Mann, der den Denkmalschutz kippen lassen will. Als die früheren Wohnungen der Besatzer vor zwei Jahren verkauft wurden, sicherte er sich ein altes Offiziershaus in der Goethestraße. »Durch den Denkmalschutz wird man enorm eingeschränkt«, sagt der 29-Jährige.

Stadt lehnt Antrag ab

Eigentlich wollte Ertan Colak auf der Rückseite, also der nicht einsehbaren Seite des Hauses, ein sechs Meter breites Panoramafenster einsetzen lassen. Die mehrere tausend Euro teure Spezialanfertigung steht seit einem Jahr zum Einbau beim Glaser bereit, die Stahlträger liegen schon genau so lange in seinem Garten. Doch Colaks Antrag lehnte die Stadt Herford ab. Begründung: Bodentiefe Fenster seien zwar grundsätzlich erlaubt, allerdings dürfen die Öffnungsbreiten nicht verändert werden. »Das Zusammenfassen von drei Fenstern wird als nicht zulässige Veränderung angesehen, die das Baudenkmal wesentlich in seiner Substanz beeinträchtigt und zerstört«, heißt es in der Begründung.

Ertan Colak kann und will dieses Argument nicht akzeptieren. Er sagt: »Es geht lediglich um die Entfernung von zwei 50 Zentimeter breiten Brüstungen. Mir fällt kein triftiger Grund ein, der dagegen spricht. Einen Wintergarten hätte ich schließlich auch davor bauen können. Ich habe das Gefühl, dass hier willkürlich entschieden wird.« Zudem sei zu berücksichtigen, dass bei anderen Briten-Häusern in der selben Straße bodentiefe Fenster im zweiten Stockwerk eingebaut worden seien. »Dadurch wird doch das Erscheinungsbild viel gravierender verändert. Die Stadt widerspricht sich selbst«, findet Ertan Colak.

Ortstermin mit Richterin

Sein Anwalt Burkhard Zurheide aus Bielefeld stellt den Sinn des Denkmalschutzes in Frage. »Ich vermute, dass der Denkmalschutz nur aufgrund steuerrechtlicher Vorteile des Voreigentümers erfolgte. Die Braut wurde sozusagen hübsch gemacht.« Es sei auffällig, dass nur die an den holländischen Investmentfonds IWF verkauften Briten-Häuser unter Denkmalschutz stünden. »Obwohl andere Siedlungen in Herford, die eher dem denkmalschutzrechtlichen Gedanken entsprechen, wie zum Beispiel in der Birken-, Eichen- und Ulmenstraße nicht geschützt sind«, sagt der Fachanwalt für Verwaltungsrecht.

Da weder die Stadt Herford noch Ertan Colak von ihrer Position abrücken wollen und einen Kompromiss bereits im Vorfeld ausgeschlossen haben, wird die Angelegenheit nun ein Fall für die Justiz. Am Mittwoch hat sich die Richterin mit den zerstrittenen Parteien zum Ortstermin in der Goethestraße getroffen. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

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