Fr., 10.11.2017

Christina Schulze Föcking moniert veraltetes Bild der Landwirtschaft in einigen Schulbüchern Ministerin fordert mehr Dialog

Das Interesse an der Rede von Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (2. von rechts) war groß. Vorsitzender Hermann Dedert (rechts) sowie seine Stellvertreter Heinrich Quakernack (von links) und Friederike Detering begrüßten sie in Dallmanns Deele.

Das Interesse an der Rede von Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (2. von rechts) war groß. Vorsitzender Hermann Dedert (rechts) sowie seine Stellvertreter Heinrich Quakernack (von links) und Friederike Detering begrüßten sie in Dallmanns Deele.

Von Ralf Meistes

Herford (WB). »Es ist gut, dass die neue Ministerin selbst von einem bäuerlichen Hof kommt.« Dieser Satz war am Donnerstag in Dallmanns Deele häufiger zu hören. Insofern hatte Christina Schulze Föcking (40), seit Juni NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, ein Heimspiel.

Der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld hatte zum Kreisverbandstag eingeladen und angesichts der prominenten Gastrednerin gab es an diesem Abend nicht für alle Gäste einen Sitzplatz. Wer erst um 19.45 Uhr kam, musste stehen, dabei war die Rede der neuen Ministerin erst für 20.15 Uhr angekündigt.

Zu viel Bürokratie

Die Themen, die den Landwirten aktuell am meisten unter den Nägeln brennen, gab Kreisverbandsvorsitzender Hermann Dedert in seiner Begrüßung vor: Das Problem des Flächenverbrauchs, zu viel Bürokratie, die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest und das Gefühl, die Landwirtschaft stehe in der Öffentlichkeit zunehmend am Pranger.

Auf all die Punkte ging die Ministerin ein und beantwortete im Anschluss auch noch Fragen aus der Zuhörerschaft. Zu Beginn wies Schulze Föcking auf die Bedeutung der Landwirtschaft für die Gesamtwirtschaft in Deutschland hin. NRW zähle zu den Top-3-Agrarländern in Deutschland und jeder achte Arbeitsplatz hänge an der grünen Branche. Die Gräben, die in der Debatte über konventionelle versus ökologische Landwirtschaft gezogen worden seien, gelte es, zuzuschütten.

Beim Thema Flächenfraß lieferte die Gastrednerin aus dem Kreis Steinfurt ein Beispiel aus ihrer Nachbarschaft. Dort sei eine Umgehungsstraße gebaut worden. Der Flächenverbrauch für den Bau habe acht Hektar betragen. Hinzugekommen seien allerdings noch 52 Hektar Ausgleichsfläche, die dadurch als landwirtschaftliche Nutzfläche wegfalle.

»Müssen zu anderen Lösungen kommen«

»Hier müssen wir zu anderen Lösungen kommen«, betonte Schulze Föcking und präsentierte erste Ideen. So könnten Industriebrachen als Kompensationsflächen genommen werden, beispielsweise in der Form, dass dort die Böden gesäubert werden. Die Aufwertung innerhalb von bestehenden Naturschutzgebieten sei eine weitere Möglichkeit.

Die Kritik angesichts einer überbordenden Bürokratie habe sie zum Anlass genommen, direkt nach ihrer Amtseinführung Mitarbeitern ihres Ministeriums einen Prüfauftrag zu erteilen. »Ich will wissen, was wir in NRW jenseits der Vorgaben aus der EU und vom Bund noch oben draufgelegt haben«, sagte die Ministerin. Es könne nicht sein, dass die Landwirte einige Vorgänge drei- bis vierfach dokumentieren müssten.

Kooperation bei Gewässerschutz

Auf den Begriff »Landwirtschaft am Pranger« antwortete die 40-Jährige differenziert. Mehrfach betonte sie, dass beispielsweise die Düngeverordnung nicht vom Himmel gefallen sei, sondern dass in der Vergangenheit »die Werte nicht passten«. Gleichwohl müsse man die Anstrengungen anerkennen und auch die Erfolge im Bereich des Gewässerschutzes sehen. In dem Zusammenhang wies Hermann Dedert auf die hervorragende Zusammenarbeit zwischen der heimischen Landwirtschaftskammer und den hiesigen Wasserversorgern hin.

Kooperationsberaterin Johanna Obermowe erinnerte die Ministerin daran, dass in NRW das Aufbringen der Gülle auf gefrorenem Boden verboten ist, während es im benachbarten Niedersachsen erlaubt ist. Schulze Föcking sagte zu, das Thema noch einmal zu besprechen. Auch das Thema Digitalisierung im ländlichen Raum, das Werner Seeger zur Sprache brachte, landete auf dem Zettel ihres Referenten. Das Thema falle ins Ressort des NRW-Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart. Schulze Föcking versprach, in dieser Frage einen Kontakt zu vermitteln.

Veraltete Darstellung in Schulbüchern

Außerdem habe sie mit NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer über die Darstellung von Landwirtschaft und Umwelt in Schulbüchern gesprochen. »In einigen Schulbüchern, die noch genutzt werden, wird eine Tierhaltung gezeigt, die in Deutschland längst verboten ist. Das ist eine Darstellung von Anno Tuck.« In diesem Bereich müssten die Schulbücher dringend aktualisiert werden.

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