Do., 09.11.2017

Löhner Zwillinge wegen mehrerer Delikte vor Gericht – Frage nach Schuldfähigkeit Psychiatrisches Gutachten wird angefordert

Die Löhner Zwillinge müssen sich vor Gericht wegen verschiedener Delikte verantworten: Darunter Diebstähle und Beleidigungen. Ein psychiatrisches Gutachten soll die Frage nach der Schuldfähigkeit der Angeklagten klären.

Die Löhner Zwillinge müssen sich vor Gericht wegen verschiedener Delikte verantworten: Darunter Diebstähle und Beleidigungen. Ein psychiatrisches Gutachten soll die Frage nach der Schuldfähigkeit der Angeklagten klären. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Lukas Brekenkamp

Löhne/Bad Oeynhausen (WB). Der Ansturm auf Saal 13 im Amtsgericht Bad Oeynhausen war ungewohnt groß: Bis zu 35 Personen wollten an dem Prozess teilnehmen, bei dem sich die polizeibekannten Löhner Zwillinge wegen mehrerer Delikte verantworten mussten.

»Man sollte zu dem stehen, was man gemacht hat«, appellierte der Vorsitzende Richter Werner Meier an die 19-jährigen Zwillinge aus Löhne, die bei einer Pflegemutter untergebracht sind. Immer wieder sind die beiden in der Vergangenheit wegen verschiedener Delikten in den Fokus geraten. Das führte auch dazu, dass sich sogar eine Elterninitiative gegründet hat. Bei der Verhandlung waren die Vorwürfe, Kinder am Schulzentrum Melbergen belästigt zu haben, nicht Gegenstand.

Katharina Stausberg (von links) sowie Manuela und Tim Tertocha von der Elterninitiative Pro Kind Melbergen sind mit dem richterlichen Entschluss zufrieden, ein psychatrische Gutachten zur Schulffähigkeit der Zwillinge einzuholen Foto: Lukas Brekenkamp

Angeklagt wurden die beiden wegen vier, beziehungsweise fünf verschiedenen Straftaten: Beleidigung, Bedrohung, Diebstahl. So sollen die Zwillinge laut Anklage am 12. November 2016 ein Portemonnaie geklaut und mit der sich darin befindenden EC-Karte 225 Euro abhoben haben.

Am 24. November 2016 sollen die beiden Zaunkappen einer Nachbarin gestohlen haben. Am 19. Dezember vergangenen Jahres hätten sie zwei Personen massiv beleidigt und zum Teil auch bedroht. In der Nacht auf den 29. Januar 2o17 sollen die Angeklagten außerdem diverse Gegenstände – darunter Parfüm und eine Kette – aus einer Wohnung in Bad Oeynhausen gestohlen haben. Einem der beiden wird darüber hinaus zur Last gelegt, am 22. Februar dieses Jahres ein Fahrrad aus dem Keller einer Schule gestohlen zu haben.

Zum Teil räumten die beiden Angeklagten die Taten ein: So gestanden sie die Beleidigung in zwei Fällen und die Bedrohung. Auch den Diebstahl der Zaunkappen räumten die Beiden ein.

Im Fall des gestohlenen Portemonnaie herrschte jedoch Unklarheit: Die Zwillinge hätten das Portemonnaie samt EC-Karte und dazugehörendem Pin-Code von der Geschädigten und ihrem Freund erhalten, mit dem Auftrag, unter anderem Alkohol einzukaufen. Die Geschädigte – eine 43-Jährige aus Bad Oeynhausen – sagte jedoch, die Angeklagten hätten ihr das Portemonnaie in der Wohnung ihres Freundes gestohlen. Der 47-jährige Freund des Opfers, bei dem die Zwillinge öfter zu Besuch waren, legte ihnen auch zur Last, ihn mehrfach bestohlen zu haben. Den Diebstahl am 29. Januar dieses Jahres bestritten die beiden ebenfalls. Auch hier herrschte Unklarheit. So erschienen die Opfer als Zeugen nicht vor Gericht, womit eine Rekonstruktion der Tat nicht möglich war.

Polizist sorgt mit Aussage für Aufsehen

Den Diebstahl des Fahrrads streitet der beschuldigte Zwilling derweil ab. Allerdings: Eine Lehrerin sagte vor Gericht aus, sie habe den 19-Jährigen am Tattag auf dem geklauten Rad gesehen.

Für Aufsehen sorgte die Aussage eines Polizisten – ein Bezirksbeamter aus Löhne. In der Vergangenheit hatte der Beamte immer wieder mit den Jugendlichen zu tun. »So wie es momentan läuft, kann es nicht weitergehen«, betonte er. Von Seiten der Polizei sei viel gemacht worden, um das Problem mit den Zwillingen in den Griff zu bekommen: Darunter Betretverbote und Bestreifung einzelner Gebiete. Mit Erfolg – immerhin sei es zwischenzeitlich ruhiger geworden.

»In letzter Zeit geht es allerdings wieder in eine andere Richtung«, sagte der Beamte. Er gab auch zu bedenken, dass die Zwillinge durch psychische Auffälligkeiten labil und damit leicht zu beeinflussen seien. Somit stellte sich Richter und Staatsanwaltschaft die Frage nach der Schuldfähigkeit. Um diese zu beantworten ordnete Richter Meier ein psychiatrisches Gutachten der Zwillinge an. Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen.

Während der Verhandlung versuchte Richter Meier immer wieder den zahlreichen Besuchern – darunter viele besorgte Anwohner aus der Nachbarschaft der Zwillinge – die Schwierigkeit des Falles sowie die Ziele des Gerichts zu vermitteln. Sehr zum Unmut eines Verteidigers der Angeklagten: Dieser hatte bereits zuvor in einem Rechtsgespräch die Überlegung ausgesprochen, einen Befangenheitsantrag gegen den vorsitzenden Richter zu stellen.

»Pro Kind Melbergen«

Untern den vielen Zuhörern der Gerichtsverhandlung waren auch Katharina Stausberg, sowie Tim und Manuela Tertocha von der Elterninitiative Pro Kind Melbergen. Gegründet hat sich diese Initiative am 6. Juli 2017. »Wir waren mal 16 Mitglieder, mittlerweile besteht der harte Kern aus fünf Personen«, so Katharina Stausberg. Gegründet habe sich die Gruppe vor allem als Reaktion auf Ereignisse in Löhne, an denen die Zwillinge beteiligt gewesen sein sollen.

Gemeinsam haben die Mitglieder verschiedene Instanzen angeschrieben, um Fälle der Zwillinge vor das Gericht zu bringen – darunter den Justizminister NRW, Peter Biesenbach, den Präsidenten des Oberlandesgerichts in Hamm, Johannes Keders, und auch die lokalen Gerichte. Somit sei der Stein ins Rollen gekommen. Dabei betonen die Mitglieder, dass es ihnen nicht um die Bestrafung der Jugendlichen ginge: »Wir wollen, dass den beiden geholfen wird«, sagt Katharina Stausberg.

Mit der Entscheidung von dem Vorsitzenden Richter Werner Meier, ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit der Zwillinge anzufordern, sind die drei Mitglieder zufrieden.

 

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