Do., 09.11.2017

17 Mitarbeiterinnen verlieren am Löhner Standort Schillenbrink ihre Arbeit – 15 weitere könnten 2019 folgen Hermes entlässt Beschäftigte

Am Hermes-Standort Schillenbrink sollen 17 Mitarbeiterinnen entlassen werden. Sie sind bisher in jenem Lagerbereich beschäftigt, in dem kleinvolumige Artikel wie Textilien für bekannte Händler versendet werden. Dieses Geschäft ist rückläufig.

Am Hermes-Standort Schillenbrink sollen 17 Mitarbeiterinnen entlassen werden. Sie sind bisher in jenem Lagerbereich beschäftigt, in dem kleinvolumige Artikel wie Textilien für bekannte Händler versendet werden. Dieses Geschäft ist rückläufig. Foto: Emilia Schofeld

Von Rajkumar Mukherjee

Löhne (WB). Am Hermes-Fulfilment-Standort Schillenbrink verlieren 17 Mitarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz. Im Dezember werden sie ihre Kündigungen erhalten. Das teilte Dr. Georg Rau, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hermes Fulfilment GmbH, mit. Der Standort sei nicht gefährdet: Das Geschäft mit dem Versand von Möbeln und Waschmaschinen wachse weiter.

In einer Betriebsversammlung hatten Georg Rau sowie Kevin Kufs, Betriebsleiter des Hermes-Fulfilment-Standortes Schillenbrink, die Mitarbeiter informiert. Auch Bürgermeister Bernd Poggemöller wurde über die betriebsbedingten Kündigungen in Kenntnis gesetzt.

Dr. Georg Rau ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Hermes Fulfilment GmbH. Foto: Hermes Fulfilment

Insgesamt beschäftigt Hermes Fulfilment an den beiden Löhner Standorten, zu dem das 2016 eröffnete Logistik-Zentrum im Gewerbegebiet Scheidkamp gehört, etwa 500 Mitarbeiter, sagte Georg Rau. 106 seien es am Schillenbrink. Dort seien 35 Frauen tätig.

Grund für die Entlassungen sei das rückläufige Geschäft mit sogenannten kleinvolumigen Artikeln. Im »Ein-Mann-Handling« versenden die Mitarbeiterinnen bislang beispielsweise Textilien. Als Logistik-Dienstleister ist Hermes-Fulfilment hierbei auch für bekannte Händler tätig, die nicht zur Otto-Gruppe gehören. Diese Verträge sollen aber bis 2019 auslaufen, sagte Georg Rau.

Dagegen wachse das Geschäft im sogenannten »Zwei-Mann-Handling«: Hier sind Männer beschäftigt, die zu zweit großvolumige Artikel, darunter Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Wäschetrockner, bewegen – mehr als 31,5 Kilogramm schwer. Zu den Artikeln gehören vor allem Möbel – auch im Internetversand. Die Otto-Gruppe, zu der Hermes gehört, verzeichne einen starken Anstieg dieses Geschäftes, sagte Georg Rau (siehe Kasten).

Die Entlassungen der Mitarbeiterinnen fielen Hermes-Fulfil­ment nicht leicht. »Wir wollen keine Frauen diskriminieren«, sagte Georg Rau. Ihnen könne HermesFulfilment im Zuge der Aufgabe des Geschäfts mit kleinvolumigen Artikeln am Standort Schillenbrink aber keine vergleichbaren Arbeitsplätze in Löhne anbieten. Dies sei im Zuge der Sozialauswahl geprüft worden.

Das Logistikzentrum am Hermes-Fulfilment-Standort Schillenbrink ist zuletzt 2015/2016 für einen zweistelligen Millionenbetrag modernisiert und erweitert worden. Foto: Hermes Fulfilment

Im Frühjahr dieses Jahres sei Hermes Fulfilment in »intensive Gespräche« mit dem Betriebsrat bezüglich möglicher Entlassungen getreten. Im Oktober sei dann die Entscheidung gefallen. Den Mitarbeiterinnen würden im Dezember die Kündigungen ausgesprochen. Nach einer zweimonatigen Kündigungsfrist würden sie dann von Februar an nicht mehr beschäftigt. In den nächsten vier Wochen werde es im Zuge des Interessenausgleichs auch um Abfindungen für die betroffenen Mitarbeiterinnen gehen.

Während der Betriebsversammlung habe Georg Rau die Mitarbeiterinnen als »sehr konzentriert und gefasst« wahrgenommen. »Wir haben die Situation offen dargelegt, auch wenn wir wissen, dass jede einzelne Kündigung schmerzt«, fügte er hinzu.

Aus Sicht von Kai Südmersen, Betriebsratsvorsitzender, sei die rückläufige Entwicklung des kleinvolumigen Geschäftes lange absehbar gewesen. Schon 2014 und 2015 sei mit dem Teleshopping-Sender »HSE24« ein wichtiger Kunde weggefallen – die Belegschaft dennoch weiterbeschäftigt worden. »Wir beobachten den Trend auf dem Markt schon lange, dass Unternehmen wie Adidas ihre Logistik nicht mehr ausgliedern, sondern selbst betreiben. Und davon sind jetzt leider auch unsere Kolleginnen mit ihrer bisherigen Tätigkeit betroffen«, sagte Kai Südmersen. Harte Auseinandersetzungen bezüglich des Sozialplans erwarte er nicht: »Die Abfindungen im Haus sind ordentlich.«

Waschmaschinen und Wäschetrockner gehören beispielsweise zu den großvolumigen Artikeln, die in immer größeren Stückzahlen in Löhne für Kunden gelagert werden. Foto: Hermes Fulfilment

Die aktuellen Entlassungen seien aber nur Teil der ersten von zwei Wellen: »Wir haben am Standort Schillenbrink 48 gewerbliche Vollzeitarbeitsplätze für Frauen. Davon fallen, mit einer zweiten Welle im April 2019, insgesamt 31,5 Arbeitsplätze weg«, sagte Kai Südmersen.

Dazu ließ Hermes-Fulfilment mitteilen, dass über die 17 Kündigungen hinaus weitere Frauen bis zum Auslaufen der Händler-Verträge im April 2019 gebraucht würden. In einem Jahr wolle man schauen, ob sie weiterbeschäftigt werden können. Maximal würden dann 15 weitere Frauen entlassen.

Unterdessen bedauerte Bürgermeister Bernd Poggemöller die Entlassungen der Mitarbeiterinnen: »Auch wenn es Hermes gut geht, müssen wir bedenken, dass jede sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wichtig für die Stadt ist. Zugleich denken wir in diesem Moment auch an die Familien, die nun betroffen sind.«

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