Mi., 15.11.2017

Abriss und Neubau der Sudbachtalbrücke in Löhne kosten 4,5 Millionen Euro Eine Sprengung wie aus dem Lehrbuch

Nach der Zündung der an allen vier Pfeilern angebrachten Sprengladungen ist die Fahrbahn der Sudbachtalbrücke planmäßig in sich zusammengesackt.

Nach der Zündung der an allen vier Pfeilern angebrachten Sprengladungen ist die Fahrbahn der Sudbachtalbrücke planmäßig in sich zusammengesackt. Foto: Lukas Brekenkamp

Von Malte Samtenschnieder

Löhne  (WB). Nach der Sprengung am Dienstag gegen 15 Uhr ist Jens Kemper die Erleichterung deutlich anzusehen. »Die Sudbachtalbrücke ist wie geplant in sich zusammengesunken«, sagt der Projektleiter der Abbruchfirma TVF Altwert. Nun müssen 2500 Tonnen Stahlbetonschutt beseitigt werden, bevor der Neuaufbau beginnt.

Als der große Moment da ist, ist er fast schon wieder vorbei. Wenige Augenblicke, nachdem Sprengmeister Oliver Marks die Explosion von 40 Kilogramm Sprengstoff an den vier Pfeilern der Sudbachtalbrücke ausgelöst hat, ist der 89 Meter lange ehemalige Fahrbahnabschnitt der B61 in sich zusammengesackt. Mehrere Tage hatten die Abbruchexperten von TVF Altwert darauf hin gearbeitet.

»Wir haben an jedem Brückenpfeiler acht Bohrungen vorgenommen«, erläutert Oliver Marks. In jedem der 1,35 Meter tiefen Löchern seien knapp 1,2 Kilogramm Sprengstoff versenkt worden. »Damit bei der Sprengung keine Trümmerteile umherfliegen, haben wir jeden Brückenpfeiler zweifach mit Vlies und mit Maschendraht umwickelt«, sagt Jens Kemper. Dennoch sei das Einrichten einer Sperrzone mit 200 Meter Radius erforderlich gewesen.

»Das hat dazu geführt, dass wir 46 Anwohner dazu auffordern mussten, die zehn Wohnhäuser in unmittelbarer Nähe der Sudbachtalbrücke zu verlassen«, sagt Wolfgang Greinke, Leiter des Löhner Ordnungsamtes. Die Betroffenen seien nicht sich selbst überlassen. Wer wolle, könne sich auf Einladung der Stadt Löhne im Gemeindehaus Wittel mit Kaffee und Kuchen stärken.

Offizieller Countdown dauert eine halbe Stunde

Der offizielle Countdown beginnt eine halbe Stunde vor der für 15 Uhr angesetzten Sprengung. Nach einem langen Warnton müssen alle, die nichts im Gefahrenbereich zu suchen haben, diesen verlassen. Dass die letzten fünf Minuten des Brückenkolosses aus Stahlbeton begonnen haben, machen drei kurze Warntöne deutlich.

Dann wird es ernst. »Fünf, vier, drei, zwei, eins«, zählt Roland Domke von TVF Altwert herunter. Sprengmeister Oliver Marks löst die Zündung aus. Ein Knall und ein leichter Erdstoß sind zu spüren. Dann steigt über den Brückentrümmern eine Staubwolke auf, die sich hartnäckig einige Minuten über dem Sudbachtal hält.

Nach dem Inspizieren der Gefahrenstelle gibt Oliver Marks sofort Entwarnung. Der »chirurgische Eingriff Brückensprengung«, wie es Projektleiter Jens Kemper zuvor formuliert hat, hat wie aus dem Lehrbuch geklappt. Nach dem Sprengen der Pfeiler ist die marode Sudbachtalbrücke senkrecht in sich zusammengesackt.

Brückennutzungsdauer liegt sonst bei 80 Jahren

»Eigentlich gehen wir bei einem derartigen Brückenbauwerk von einer Nutzungsdauer von 80 Jahren aus«, sagt Sven Johanning, Sprecher der Regionalniederlassung OWL des Landesbetriebes Straßen NRW. Die Sudbachtalbrücke habe den Verkehrsbelastungen aber nur 52 Jahre lang stand gehalten. »Als die Brücke in den Jahren 1965/1966 gebaut wurde, war insbesondere die stetige Zunahme des Lkw-Verkehrs nicht abzusehen«, sagt Sven Johanning.

Da sich eine Instandsetzung nicht gerechnet habe, sei die Entscheidung für einen Neubau gefallen. Für den Abriss und Wiederaufbau der Sudbachtalbrücke investiert der Landesbetrieb Straßen NRW 4,5 Millionen Euro. Bis Jahresende sollen alle Trümmer beseitigt sein. Bis Ende 2018 soll die neue Brücke stehen, damit sie Mitte 2019 im Zuge der geplanten Freigabe des ebenfalls zu sanierenden umgebenden Teilabschnitts der B61 freigegeben werden kann.

Obwohl Sprengmeister Oliver Marks bereits mehr als 70 Sprengungen miterlebt hat, ist für ihn jeder Einsatz etwas Besonderes. Kurz vor dem Druck auf den Zünder steige die Anspannung. Auch für Sven Johanning ist die Sprengung ein nicht alltägliches Ereignis. »Etwa Ähnliches habe ich zuletzt bei der Sprengung der Weserbrücke in Vlotho in den 1980er Jahren schon mal erlebt«, sagt er.

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