Mi., 19.10.2016

Autor Norbert Sahrhage beleuchtet den Mordfall Franziska Spiegel in neuem Buch Roman mit realem Hintergrund

Autor Norbert Sahrhage (65) aus Spenge hat den Mord an Franziska Spiegel am PC literarisch zum Roman verarbeitet.

Autor Norbert Sahrhage (65) aus Spenge hat den Mord an Franziska Spiegel am PC literarisch zum Roman verarbeitet. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Spenge (WB). Wer waren die zwei SS-Männer, die am 11. November 1944 im Hückerholz die Jüdin Franziska Spiegel ermordet haben? Dieser Frage geht Norbert Sahrhage in seinem neuesten Roman »Der Mordfall Franziska Spiegel« nach.

»Unmittelbar nach dem Mord wurden keine kriminalistischen Recherchen angestellt«, sagt der 65-jährige Autor aus Spenge. Und schickt deshalb Kriminalinspektor Gernot Zöllner literarisch auf die Suche nach den Tätern. Historisch belegte Tatsachen, gespickt mit etwas Fiktion, sorgen nun dafür, Geschichte mit Spannung zu erleben. Der vierte Roman des pensionierten Lehrers für Geschichte, Sport und Sozialwissenschaften am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde erscheint Anfang November im Bielefelder Pendragon-Verlag.

Kriminalinspektor Zöllner ermittelt

Sahrhages Erzählung beleuchtet das Verbrechen unter der nationalsozialistischen Herrschaft zum Ende des Zweiten Weltkrieges in zwei Teilen. Zum einen hält sich der verheiratete Vater von zwei Söhnen an die Fakten von 1944, die er auch in einem Aufsatz für das Historische Jahrbuch 2016 des Kreises Herford aufgearbeitet hat. Zum anderen schlägt Kriminalinspektor Zöllner im August 1948 eine alte Akte auf: den Fall der Jüdin Franziska Spiegel (an die übrigens auch ein Gedenkstein in Hücker-Aschen erinnert), der nie in Gänze aufgeklärt wurde.

Zwei Mitglieder einer Panzer-Division der Waffen-SS, die in der Normandie (Frankreich) gegen die Alliierten gekämpft hatten und danach in einer Schule in Bünde-Hunnebrock untergebracht waren, sollen die Frau, die mit einem Arier (Nicht-Juden) verheiratet war, erschossen haben. In wessen Auftrag, darüber darf spekuliert werden. Zöllner verfolgt die Spur bis nach Süddeutschland. Und wird tatsächlich fündig. Einer der Mitwisser hatte nämlich Kontakt zu einer Serviererin in einem Bünder Café.

»Geschichte muss nicht umgeschrieben werden«

»Meine Leser möchten eine Lösung des Falles haben«, sagt Norbert Sahrhage, der sich seit 1988 mit dem Thema beschäftigt und für die Volkshochschule über das NS-Verbrechen an Franziska Spiegel auch schon einen Film gedreht hat. Er bietet sie jetzt an.

Sechs Monate hat der Spenge an seinem neuen Roman gearbeitet. Bei der Durchsicht von Akten im Landesarchiv Detmold ist Sahrhage auf interessante und zum Teil widersprüchliche Zeugenaussagen gestoßen. So informierte der junge Mann, der Franziska Spiegels Leiche entdeckt hatte, den NSDAP-Ortsgruppenleiter und Bürgermeister von Hücker-Aschen über seinen Fund. Auch Spenges Amtsbürgermeister sowie der Landrat und der NSDAP-Kreisleiter waren offenbar über die Ermordung Franziska Spiegels unterrichtet. Ihre Tötung war laut Sahrhage also kein Zufall. Vielmehr ist er davon überzeugt, dass von Anfang an versucht worden ist, vieles zu vertuschen, was zur Aufklärung des Mordes an Franziska Spiegel hätte beitragen können.

»Die Geschichte muss deshalb aber nicht umgeschrieben werden«, betont Norbert Sahrhage. Von Franziska Spiegel gibt es kein Foto. Wohl nicht nur deshalb ziert den Roman »Der Mordfall Franziska Spiegel« als Titelbild ein Herbstblatt im Wald als Symbol für den Tatort im Hückerholz. Die Mörder vom Hückerholz sind übrigens Mitte November 1944 weiter in die Ardennen gezogen, um an der letzten Wehrmachts-Offensive teilzunehmen. Einer der beiden Spiegel-Mörder soll dabei umgekommen sein. Die Führung der Waffen-SS war zwischenzeitlich auf Gut Böckel in Rödinghausen untergebracht.

Erste Präsentation am 11. November

 

Noch hält Norbert Sahrhage selbst kein Exemplar seines neuen Romans in Händen. Er wird noch gedruckt und am Freitag, 11. November, in der Buchhandlung Nordhorn (»Leseecke«) in der Eschstraße in Bünde vorgestellt. Eine weitere Präsentation erfolgt am Mittwoch, 30. November, in der Stadtbücherei in Spenge, Poststraße 6 A.

Norbert Sahrhage hat bereits drei Romane mit historischem Lokalkolorit geschrieben. 2010 erschien sein Werk »Der tote Hitlerjunge«, 2012 folgte »Blutiges Zeitspiel« und 2014 »Lehrer-Mord«. Ein nächstes Buch ist bereits in Arbeit. Dabei handelt es sich aber um keinen Roman bisherigen Genres. 2019 soll es einen neuen Band zur Geschichte der Stadt Bünde geben – rechtzeitig zum 300-jährigen Bestehen der Kommune.

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